Geschichte & Kurzkrimi. Ich der Killer

Empfehlung

Aus unser Serie „UNGEWÖHNLICHE BERUFSBILDER VORGESTELLT“: Ich. Der Killer. Eine wahrlich absurde Geschichte


Der Beruf des Killers, des Mörders, dürfte („gefühlt“) zu den zweitältesten Berufen der Menschheit zählen. Diverse Literatur-, Theater-  und Filmgattungen leben von der Beschreibung des Berufes. Dieser literarische Bogen spannt sich (mindestens) von der Bibel  über Shakespeare  bis zu Tom Clancy . Insofern ist anzunehmen, dass der Beruf in der Bevölkerung imagemäßig bestens positioniert ist.

Trotzdem tut sich die Branche schwer, geeigneten professionellen Nachwuchs zu finden – Amateure versuchen zwar immer wieder, als Quereinsteiger in den Beruf zu finden, im Regelfall scheitern sie aber nach dem ersten (bis maximal dritten) Mord kläglich und enden vor den Schranken von irgendwelchen Gerichten. Nach der Verbüßung von Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren in einschlägigen Fortbildungseinrichtungen ist ein Wiedereinstieg in den Beruf dann fast unmöglich. Und nur in Ausnahmefällen (mir ist eigentlich keiner bekannt) wird die Position freigehalten.

Ich muß zugebene, auch für den professionellen Killer ist das Leben nicht immer so glamourös, wie es Filme und Romane zu schildern versuchen.

Denn man lebt einsam als Mörder, ehrlich!

Manchmal bedaure ich es schon, dass ich mit Freunden und Nachbarn nicht so über meinen wahren Beruf oder meine Berufung reden kann, wie es andere problemlos tun können.

Diese anderen erzählen auf Familienfeiern, auf Parties (gibt es die noch?) oder in Kneipen Geschichten aus der Firma – und wenn sie mich fragen, was ich denn heute so erlebt habe, kann ich nicht sagen, dass ich heute einen oder manchmal sogar zwei Jobs zur besten Zufriedenheit erledigt habe; das geht gar nicht, nicht einmal nicht im engsten Kreis. Ich habe dann eine amze Latte von "normalen Geschichten" aus dem "normalen Leben" parat, die ich in solchen Situationen zum Besten geben an - andere haben sie irgendwann erzählt und ich habe sie aufgeschnappt...

Außerdem würden die mir nie glauben: „Komm, hör auf“, würden die anderen sagen, „du immer mit deinen Lügengeschichten und Döntjes …! Die kennt man ja, und jetzt das, nee, vergiss es“, würden sie sagen und sich dabei weglachen wollen, „Killer? Duuu, ausgerechnet? Du spinnst ja!“. Mindestens.

Wahrscheinlich sehe ich weder so gut noch so gefährlich aus, wie andere sich einen richtigen Killer vorstellen.

Mit einem Aussehen á la Alain Delon - Gott habe ihn selig, er ist doch tot, oder? - kann ich leider nicht dienen und, nein, Hut und Trenchcoat trage ich auch nicht, das wäre viel zu auffällig heutzutage, und mit Charles Bronsons pickeliger Gesichtsgefährlichkeit kann ich aussehensmäßig genauso wenig mithalten wie mit Jürgen Prochnow. Leider habe ich in der Pubertät nicht unter Akne gelitten.

Wahrscheinlich liege ich aussehensmäßig irgendwo dazwischen, im Mittelfeld der Durchschnittlichen, der grauen Mäuse, der ganz Unscheinbaren – was für einen echten Auftragskiller natürlich viel besser, sogar unbezahlbar ist. Natürlich, ist doch einsehbar: Man, sonst würde ein eventueller Zeuge sich an einen Mann am Tatort erinnern, der wie Delon, Bronson oder Prochnow aussah. Und das wäre dann ich. Nein, besser nicht.

Ein wichtiger Hinweis für potenzielle Nachwuchskräfte, die sich für unseren schönen Beruf interessieren: Unsichtbarkeit gibt es nicht, Unerinnerbarkeit schon, und die ist in dem Beruf ein großer Vorteil.

Zurück zu meinen Bekannten und Nachbarn - der Durchschnittsfreund resp. –nachbar hätte/hat nach meiner Erfahrung/Einschätzung wenig Verständnis für unsereinen, wenn er von meinem Beruf wüsste.

Vielleicht hätten die auch nur Angst? Ich weiß nicht, aber eine eventuelle Angst verstehe ich beim besten Willen nicht: Ich tue doch niemandem etwas, im Grunde meines Herzens bin ich ein netter Kerl, ein guter Nachbar, Tierfreund bin ich auch, ich erschlage weder Spinnen noch Fliegen – außer ich habe einen Auftrag (nicht für Spinnen oder Fliegen!). Und auch dann meine ich das Ereignis ja auch nicht persönlich, i.d.R kenne ich mein Opfer nicht, es ist mir persönlich egal - ich bin ich ja nur der „Zeigefinger, der gekrümmt wird“. Und wenn ich es nicht machte, würde es ein anderer tun. Also?

Zugegeben, der Scharfrichter war früher auch nicht unbedingt ein Liebling der Gesellschaft. Dabei brauchte es ihn damals so, wie es heute uns braucht, uns, die Killer, durchaus. Die Gesellschaft braucht uns immer noch.

Wir sind so etwas wie die Sozialmüllmänner der Gesellschaft, wir beseitigen den menschlichen Müll, wo oder wenn die Gesellschaft noch zögert.

Und von diesem Müll gibt es mehr, als der Durchschnittsfreund/-nachbar glaubt. Der denkt immer, die junge Familie eine Etage drüber, die ist Abschaum … Weit gefehlt, die hören bloß etwas lauter Musik, oder die haben zwei kleine Kindern, die mal durch die Wohnung rennen. Sie, solche Nachbarn sind doch reines Gold, lassen Sie sich das von mir sagen, ich kenne den wahren „Müll“ (den würden Sie nicht einmal mit Handschuhen anfassen wollen), ganz anders als der Müllmann, der einmal die Woche vorbeigefahren kommt, der kennt nur Abfall (in Tüten).

Wer, wenn nicht ich, soll sich denn sonst um den Mann kümmern, der seine Frau jahrelang immer wieder schwer vertrümmt hat? Die Frau, die sich nie gewehrt hat, weil er sonst noch viel stärker zuschlagen würde? Nein. Die Frau, von der erwartet wird, dass sie behauptet, sie liebe ihn trotzdem? Nein. Sie? Nein, Sie schließen doch lieber die Augen, wenn Sie sie mit ihrem blau geschlagenen Gesicht sehen. Aber eines Tages hat er dann einmal zuviel zugeschlagen.

Dann kommt sie zu mir. Hoffentlich. Wenn ja, endlich. Sie bittet mich um Hilfe. Aber nicht, um ihn anzuzeigen, das traut sie sich nicht mehr. Auch wegen Ihnen, dem netten wegschauenden Nachbarn … Sie will, sie muss ihn endlich loswerden. Endgültig. Und dann komme ich. Und ich kümmere mich …

Ich komme ins Spiel, wenn sich individuelles Gerechtigkeitsempfinden und staatlich sanktioniertes Recht nicht mehr in Einklang bringen lassen.

Von wegen „Müll“: Hier bei uns um die Ecke leb(t)en ein paar junge Kerle, die das Quartier terrorisiert haben – sie pressten Schulkindern das karge Taschengeld ab oder überfielen nachts auf der Straße schon einmal Frauen - nur so, zum Spaß, vielleicht vergewaltigen sie sie auch ein bisschen, auch nur so, zum Spaß, und vielleicht glauben sie in ihrer abgrundtiefen Dummheit sogar, die Frau wollte das … (weil sie den Fehler gemacht hatte, höflich zu grüßen).

Die Polizei hat nie wirklich eingegriffen (Sie kennen das: „Keine Beweise“, mehr „Mitgefühl“ (der institutionalisierten Gesellschaft) mit den „armen sozialgestörten Tätern“ als mit den Opfern, eingeschüchterte Zeugen, „das ganze Programm“, würde Dittsche sagen, „das ganze Programm“!). Und wenn wirklich mal einer verhaftet wurde, war der nach einigen Stunden in Gewahrsam wieder frei …, hörte man.

Als ich schließlich mitbekommen habe, dass solcher Terror für einige (Frauen) nicht mehr auszuhalten war, habe ich mich dann um zwei von „denen“ (die Tätern, nicht die Frauen!) gekümmert…

Ich könnte mich eigentlich auch als „Quartiers-Kümmerer“ bezeichnen.

Einen von „denen“ hat man seitdem nicht mehr gesehen, was mich nicht wundert [ ;-)], ein anderer humpelt seitdem mit einem steifen Knie durch die Gegend … Seit meinem – zugegeben durchaus entschiedenen – Eingreifen herrscht nun Ruhe im Quartier. Der, den man in letzter Zeit nicht mehr sieht, hat damals noch ziemlich dumm geschaut, als er mich (den alten unscheinbaren Mann) auf der Straße dumm angemacht hat, und ich dann "reagiert" habe: Kurz, aber keinesfalls schmerzfrei!

Und der mit dem Knie ist höflich geworden: Er hat sogar das Grüßen auf der Straße gelernt, richtig höflich ist er jetzt. Wenn er mich sieht, er wechselt sogar auf die andere Straßenseite! Vielleicht aus Angst um sein anderes Knie, dabei würde ich ich nichts tun, Stand heute.

Der mit dem Knie weiß auch nicht alles (vor allem nicht, wo wann was mit seinem Kumpel passiert ist), nur, dass ich offenbar richtig böse gegen Knie werden kann. Vielleicht ahnt er, dass ich mit dem Verschwinden seines Kumpels zu tun habe, aber er weiß es nicht. Was er offenbar allerdings weiß, ist, dass er lieber den Mund halten sollte!

Er schweigt also, grüßt hastig und höflich und wechselt nach meinem zustimmenden Nicken die Straßenseite. Und glauben Sie mir, wenn ich auf die Straße spucken würde und ihm sagen würde, er solle die Schweinerei gefälligst wegmachen, er würde es tun!

Ach ja, Frauen sind nachts jetzt sicher.

Das mit den beiden Burschen habe ich als soziale Tat betrachtet. Unsereiner ist ja auch Nachbar und Mitmensch, nicht wahr. Man soll ja auch eingreifen und nicht immer feige wegschauen, man soll Zivilcourage zeigen, sagen die Politiker, wenn mal wieder etwas in der U-Bahn passiert ist  – mir ist schon klar, dass die meine Konsequenz im Handeln eventuell nicht gemeint haben.

Die Reaktionsmöglichkeiten der Mitfahrer orientieren sich grob an einer Art Verteilungskurve, glaube ich: Auf der einen Seite die, die gar nichts tun (wenige; der „linke“, flache Teil der Kurve), dann die die mal eben sagen „nun lass den doch mal …“ und die dann wegschauen (viele, der mittige Peak der Kurve) und dann die die eingreifen (wenige, flacher „rechter Teil der Kurve) und schließlich ich, der das Problem final beseitigt (ganz-ganz wenige, ganz rechts außen) – eben eine Verteilungskurve.

Aber ich handele eben richtig, oder ich lasse es sein, ein Mittelding kenne ich nicht. Es sei denn, sie wollen das steife Knie als „Mittelding“ bezeichnen. Ich weiß schon, so wollen die Politiker das dann auch wieder nicht gemeint haben!

Und ich möchte richtig verstanden werden: Ich bin kein Rechter, ich bin nicht für Privatpatrouillien etc. Ich bin für das staatliche Gewaltmonopol. Aber das war eben nicht da, als es gebraucht wurde...

Oder, und jetzt meine ich keinen menschlichen Müll mehr, sondern eine eher tragische Situation, wer kümmert sich denn um die kranke, depressive alte Rentnerin in der Nachbarschaft, die einfach keine Lust mehr hat zu leben, und die nicht mehr warten mag? Die einfach fertig ist mit dem Leben, mit der Gesellschaft? Ich! Denn sie hat ja so gut wie keine Möglichkeit, Gevatter Tod auf die Schippe zu springen. Der scheint sie vergessen zu haben. Dafür, es selbst zu tun, ist sie schon zu müde. Oder ihr Doktor will ihr nicht sagen, in welcher Reihenfolge sie welche Tabletten nehmen soll. Dann mache ich es leicht und schmerzlos für sie, sie merkt das „Hinübergleiten“ gar nicht. Aber sie muss nicht mehr warten, für sie ist es vorbei.

Normalerweise muss meine Arbeit natürlich bezahlt werden, „umsonst“ ist eigentlich nicht drin. Nun, in diesem Fall habe ich mehrfach kostenlos, ehrenamtlich sozusagen, gearbeitet …
Es ist schon so: Grundsätzlich befürworte ich das staatliche Gewaltmonopol, grundsätzlich!
Eigentlich lehne ich ehrenamtliches Arbeiten ab. Wenn Politiker das sogenannte Ehrenamt bejubeln, meinen sie ja nichts anderes, als dass Arbeit kostenlos (gerne von Älteren) geleistet werden soll. Natürlich solche Arbeiten, die normalerweise Kommune oder Staat bezahlen oder mindestens bezuschussen müssten.

Hinzu kommt ja, dass der ältere Ehrenamtliche oft einem Jungen (bezahlte) Arbeit wegnimmt. Stichwort: Jugendarbeitslosigkeit. Nein, ich halte nichts vom Ehrenamt, und schon gar nicht in diesem Fall! Hinzu kommt, dass es in diesem Metier absoluter Professionalität bedarf.
Unter diesem Aspekt berechne ich meine Dienste natürlich. Nehmen wir einmal an, Sie wollen jemanden „ganz weit weghaben, für immer“. Ich mache das für sie. Geräuschlos, unkompliziert, problemlos, gefahrlos! Und ohne Rückfahrkarte für den Betroffenen. Natürlich kostet das etwas. Ich habe ja auch Auslagen.

Erstberatung
Als erstes steht in meinem Leistungskatalog die Erstberatung: Unter anderem wird in dieser Erstberatung geklärt, Ist das „finale Wegmachen“ in diesem Fall tatsächlich die beste Lösung? Nicht die einzige, darum geht es nicht, wes geht um die beste – und um das „Wie“.
Ich mache meinem Auftraggeber klar, wenn ich „final“ sage, dann ist das „absolut final“, also endgültig. Unwiederbringbar. Da gibt es kein Zurück.
Meines Wissens ist aus dem Jenseits keiner je wieder zurückgekommen. Und für den einen, für den das behauptet wird, ist das nicht zweifelsfrei bewiesen, sogar die katholische Kirche besteht in diesem Fall auf Glauben, eine Beweisführung lehnt sie konsequent ab. Sie wird wissen, warum …
Wenn das zuverlässig geklärt ist, dass das Zielobjekt wirklich dauerhaft verschwinden soll, stellt sich die nächste Frage, welche Methoden zur Wahl stehen: Schmerzhafter langsamer Tod oder schmerzfreier schneller Tod? Soll das Opfer etwas davon mitbekommen, dass es stirbt oder nicht? Und wenn ja, wie viel?
Was soll zum Einsatz kommen: Gift, Kugel, Messer, Baseballschläger oder etwas Besonderes, wie zum Beispiel die Garrotte? Ganz ausgefallen und relativ selten gewählt (aber exquisit): Ein japanisches Schwert im Bauch! Mit Umdrehen? Vor allem, wenn ich ein echtes Schwert aus mittelalterlicher japanischer Produktion, ein sogenanntes Tanto, verwende. Weil es schwer ist, an ein tanto heranzukommen, habe ich seit Jahren eines auf Vorrat“.
Die Wahl „Schwert“ (egal ob japanisch oder nicht) ist natürlich ziemlich stilvoll und sehr schmerzhaft. Der Tod tritt langsam ein, es dauert etwas…
Immer wieder – öfter als Sie denken! – stellt sich im Laufe dieser Erstberatung die Frage: Will der oder die Auftraggeber/in dabei sein?
Oder gibt das Opfer selber den Auftrag? Sie stutzen? Doch das gibt es, zum Beispiel bei Krebspatienten im Endstadium. Das ist dann die bekannte Jäger erschießt alt gewordenen Hund-Situation.
Die Erstberatung kann eine Stunde dauern, allerdings nur dann, wenn der/die Auftraggeber/in weiß, was sie oder er will.
Einige kommen mit einem Literaturschinken und sagen, so wie auf Seite 117-120  beschrieben, hätten sie´s gerne. Im Normalfall ist das machbar.
Selbst ein Duell im Morgengrauen kann realisiert werden. Ich habe dann echte Patronen im Lauf, der Gegner/das Opfer (ohne es zu wissen) nur Fakes. Ich bin ja nicht dämlich.
In den Fällen, in denen die Auftraggeber selber mit einer Idee oder einem Konzept kommen, geht die Beratung meistens schnell. Ich prüfe die Machbarkeit und wenn´s geht, kein Problem, lets go!
Ganz nebenbei bemerkt, grundsätzlich ist mir völlig egal, wer der Auftraggeber ist. Mann oder Frau, Firma oder „Vater Staat“ – völlig schnuppe. Politische oder religiöse Bindungen sind mir egal. Genauso, wie es mir egal ist, wer die Zielperson ist, oder wie alt sie ist.
Ich bin nicht Richter, ich bin nur ein ausführendes Organ
Entscheidend ist natürlich auch die Zahlungsfähigkeit des Auftraggebers.
Erstaunlicherweise arbeite ich häufiger für Frauen als für Männer – zugegeben, ich habe in jeder Hinsicht eher ein Faible für Frauen! Andererseits sind Männer oft knauseriger als Frauen und legen bei einer „Hinüberführung“ gerne selber Hand an. Nicht gut! Gar nicht gut! Der grund: Do-it-yourself-Täter werden regelmäßig schnell gefasst. Ich verweise auf Fachfilme wie TATORT, diverse SOKO-Versionen oder ROSENHEIM- oder GARMISCH-COPS.
An die imageträchtigen, ganz großen Aufträge kommt unsereiner als Regional- oder Lokal-Killer eher selten heran. Wenn also irgendwo ein Staatschef oder ein Minister umzubringen ist, kommen in der Regel spezialisierte Kollegen zum Zuge, meist verbeamtete Kollegen, die einen geheimdienstlichen Hintergrund haben. Und wenn sie doch einen von uns aus der zweiten oder dritten Linie nehmen, dann nur, weil sie den dann hinterher auch noch eliminieren … Da ist Vorsicht geboten.
Bei staatlichen Auftraggebern ist allergrößte Vorsicht geboten! Die neigen dazu, den Killer nach getaner Arbeit auch zu entsorgen
Öffentliche Aufträge müssen bekanntlich ab einer gewissen finanziellen Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden, „Hinüberführungen“ fallen in der Regel über diese Grenze. Da kann sich für das Hinüberführen zum Beispiel eines Bayerischen Landrates natürlich auch ein kalabrischer Spezialist bewerben, andererseits kommen wir an Aufträge zum Beispiel in Sizilien … Ich sehe eher ein Problem in der Freizügigkeit rumänischer oder bulgarischer Anbieter. Und ich stehe im Kollegenkreis nicht alleine mit meiner Ansicht.
Solche Aufträge werden heutzutage natürlich europaweit  im Internet ausgeschrieben. Die Internetadressen sind geheim, um sie zu erfahren, müssen Sie Mitglied im Berufsverband EPAA  oder einer seiner nationalen, regionalen oder lokalen Unterorganisationen sein. Sie haben bitte Verständnis, wenn ich die Adresse hier nicht nenne, ich habe ein entsprechendes secrecy agreement unterschrieben.
Früher war es ein Kreuz, als Auftragnehmer (egal ob als Firma oder free lancer) öffentliche Auftraggeber zur schnellen Zahlung zu bewegen. Seit einer Initiative der EU müssen öffentliche Auftraggeber müssen heute ja schnell zahlen
Aber kommen wir zurück zum Durchschnittsmord. Ex oder Exinnen, die sich als Scheidungs“opfer/innen“ betrachten(ich zögere das Wort „Opfer“ in diesem Zusammenhang zu verwenden), wollen häufig den schmerzhaften langsamen Tod des/der Ex, das soll gerne etwas ganz Besonderes werden, manche wollen dabei zuschauen (meist geht das, das kostet natürlich mehr, einfach, weil ich mir dann auch noch Mühe um die Show geben muss), wieder andere wollen nur eine Videokassette…
Wie gesagt, das ist im Berufsbild einfach drin, machbar ist alles. Das ist wie, wenn sie vom Bestatter einen Videofilm von der teuren Bestattung des lieben Gatten ausgehändigt bekommen, nicht anders. Manche Auftraggeber/innen bekommen dann eben zwei Filme.
Einige – ehrlich gesagt, die meisten – brauchen für die erste Beratung doch länger als die eine Stunde. Ich habe in meinen Unterlagen nachgeschaut, im Schnitt waren es doch zweieinhalb Stunden Beratung (um exakt zu sein: plus/minus 100 Minuten).
Die erste meiner Zuwendungsstunden kostet 500 Euro, die folgenden jeweils 250. Ich zeige unter anderem am Beispiel alter Fälle Filme, die alles zeigen, bei denen frau/man erkennt, ob und wie und vor allem wie lange die Opfer gelitten haben.
Nur mal ein eingeschobener Hinweis an die jungen Eleven: Die Papierarbeit, Verwaltungskram und dergleichen, nimmt einen erstaunlich großen Teil meiner Arbeit ein.
Der zahlende Kunde erwartet in der Regel ein individuell erarbeitetes Konzept – da kann man nicht einfach ein paar vorhandene Textbausteine zusammenwürfeln und dann sagen: „Das ist es“.
Hinzu kommt die Arbeit am Computer: Filme schneiden und so. Auch das muss man mögen. Es ist eben nicht damit getan, nur im richtigen Moment den Zeigefinger zu krümmen. Klar, das ist das Highlight, darauf arbeiten wir hin – es ist aber eben nicht alles!
Andererseits bringt der PC auch viele Verbesserungen. Allein der Einsatz von Google Earth vereinfacht die Vorbereitungsarbeiten vor Ort gewaltig.

Wieder andere Kunden brauchen mehrere einleitende Sitzungen, bis sie sich entschieden haben.
Ich hatte mal eine Dame, die wollte an sich selber ausprobieren, wie sich verschiedene Todesarten für ihren Exmann anfühlen. Ich habe sie dann (fast) erwürgt (genauer gesagt, garrottiert), ihr eine subletale Dosis Gift verabreicht (inklusive Mittel, um sich leichter übergeben zu können), sie an einem Oberschenkel mit einem Messer verletzt und ihr am anderen eine leichte Schusswunde zugefügt.
Sie hat sich für ihren (Ex)Ehemann für die Garrotte entschieden (mit gaaanz langsamem Zudrehen!).
Ich habe sie verstanden, die Garrotte war in ihrem Fall eindeutig die beste Wahl. Übrigens war sie „dabei“ dabei. Sie trug einen eleganten Seidenschal um den Hals, um den halsumfassenden blauen Fleck zu verdecken, den sie von der Übung hatte. Es war übrigens einer von den Schals, mit denen sie ihr Ex in guten Zeiten ans Bett zu fesseln pflegte.
Sie sehen, der Kunde ist bei mir König, respektive die Kundin ist meine Königin!
Meine Kundinnen kommen übrigens viel häufiger aus den gehobenen als aus unteren gesellschaftlichen Schichten, oder anders gesagt, ich habe mehr in Solln und Pullach  zu tun als in Riem oder am Hasenbergl .

Vorbereitung
Nach der Beratung kommt die Vorbereitung. Die mache ich alleine, da ist der Kunde nie dabei. Zuviel Gerede. Ich muss mich konzentrieren können. Tatort und -zeit müssen ebenso ausbaldowert und festgelegt werden, wie ein eventuell notwendiger primärer und sekundärer Fluchtweg, gegebenenfalls muss so etwas wie ein Zuschauerplatz eingerichtet werden.
Zur Vorbereitung gehört das Beschaffen der Waffe. Ich setzte nie, nie, nie eine Pistole, einen Revolver oder ein Gewehr zweimal ein. Zweimal – ein absolutes no go. Dasselbe gilt für ein Messer oder einen Strick. Ich würde nicht einmal zwei Opfer denselben Steinbruch hinunterstoßen. Ganz wichtig: Never use it twice, meine jungen Eleven! Zweimal oder sogar mehrfach dieselben Marken an Kugeln – man, das ist so dumm, das fordert die Polizei heraus. Nein, jedes Opfer erhält eine eigene Waffe. So teuer ist das nicht, als dass unsereiner sich das nicht leisten könnte.

Meine erste Wahl: Erschießen
Erschießen aus mehr als 500 Metern Entfernung ist die für uns ungefährlichste Methode, Kollegen würden sagen „die leichteste Übung“: Ein oder maximal zwei Schuss - Knall, bumm und fertig! Und ich bin weit weg vom Ort des Geschehens, gemeint ist, des Sterbens.
Entsprechend ist es auch vergleichsweise kostengünstig.
Sehr schön geht das im Sommer, wenn das nichts ahnende Opfer im Garten auf einer Liege in der Sonne liegt. Man braucht dann nur einen Ort mit freier Sicht auf das Ziel innerhalb eines Radius von bis zu einem Kilometer rund um das Auftragsobjekt. Bei mehr als einem Kilometer schussentfernung wird es dann doch „haarig“, da braucht es besser einen Spezialisten.
Sehr gut geeignet sind natürlich die modernen Arbeitsplätze in Bürotürmen mit Glasfassade. Die verwendeten Geschosse sind so schnell, dass die Scheibe, durch die ich in diesem Falle schieße, gar nicht mitbekommt, dass sie ein Loch hat und (mehr oder weniger) vergisst, in Scherben zu zerplatzen. Voraussetzung ist ein geeignetes Dach oder Fenster in ebenfalls maximal einem bis einskommafünf Kilometern Entfernung .
Nach Lehrbuch schießt killer zuerst ins Herz und dann in den Kopf. Das wird auf allen einschlägigen Akademien so gelehrt, ist also lege artem – ich persönlich bevorzuge ja zuerst den Kopfschuss – für das Opfer ist der weniger schmerzhaft, denn schließlich ist nach dem Kopfschuss kein Gehirn mehr da, das man als solches noch bezeichnen könnte. Und wo kein Gehirn, da kein Gedanke und last but not least kein Schmerz mehr. Natürlich, das Herz zuerst ist auch tödlich, aber die Zielperson kriegt eben doch noch etwas mit … Nun ja, Geschmacksache, zum Schluss entscheidet a) der Auftraggeber und b) die Situation beim Schuss.

„Goes“ und „No goes“
Ich habe oben schon einmal auf eine spezialisierte Website verwiesen, zu der nur verbandsmitglieder Zugang haben.
Wenn ich einen Auftrag erhalte, öffne ich diese Website. In eine Suchmaschine gebe ich den Namen der potenziellen Zielperson ein – denn im Moment ist sie noch „potenziell“. In einer Datenbank sind alle personen enthalten, die ich NICHT „hinüberbringen“ darf: Dazu gehören unter anderem Polizisten, Fußballspieler der hochklassigen Ligen (da zahlen deren Verbände entsprechende Summen) und bestimmte andere Berufsgruppen (z.B. Banker) sowie viele Oligarchen (die zahlen selber) oder Politiker … Sie verstehen das Prinzip? Wer sich als potenzielles Opfer betrachtet, kann sich gegen entsprechende Zahlungen von uns freikaufen. Sie finden das jetzt nicht sozial? Da haben Sie Recht. Nun, betrachten Sie es wie eine Versicherung: Je mehr Sie haben, desto mehr können und wollen Sie versichern. Nur ein Beispiel: Topp-manager sind gegen Fehlentscheidungen versichert, der „kleine“ Mitarbeiter fliegt, wenn er Mist gebaut hat …
Wenn nach meiner Eingabe ein „NOGO“ rot aufleuchtet, darf ich den Auftrag nicht annehmen, das Zielobjekt ist geschützt. Leuchtet dagegen ein „GO“ grün auf, kann ich das Zielobjekt „hinüberführen“.


Preise
Als nächstes gebe ich den ausgehandelten Preis in die Datenbank ein (GO vorausgesetzt). Die Datenbank berechnet, ob ich mich mit meinem Preis im grünen Bereich (Durchschnittspreis im entsprechenden Land  plus/minus 25%) bewege.
Ich darf problemlos sehr viel teurer als der „grüne Bereich“ arbeiten, aber nicht zu billig … Um es deutlich zu sagen. Ich habe eine gewisse Bandbreite beim pricing, die nach oben offen ist.
Stars in unserer Branche – häufig wahre Künstler – können sehr-sehr viel teurer arbeiten. Im Endeffekt entscheidet der Markt …
Es geht bei unserem system ja auch nicht um Preisabsprachen, es geht nur darum, Dumping zu verhindern!
Als verbandsmitglied bin ich verpflichtet, für jeden Auftrag 12,5% der Auftragssumme in eine gemeinsame Kasse einzuzahlen. Aus dieser Kasse bekomme ich bei einem NOGO eine Entschädigungszahlung, die mir zumindest gewisse Mindestauslagen ersetzt.
Normalerweise berechne ich nach dem GO eine Pauschale. Die Höhe orientiert sich (auch!) an der finanziellen Leistungsfähigkeit des Auftraggebers oder der Auftraggeberin.
Im Normalfall kostet der Job 20.000 €, die Luxusversion kann 30.000 € deutlich überschreiten, bei Sonderwünschen und in besonderen Gefahrensituationen (für mich) ist die Summe oben offen. Die oben erwähnten Künstler nehmen teilweise mehr als 100.000 €. Dafür erwarten (und erhalten) die Auftraggeber aber auch etwas!
Zurück zu mir: Hinzukommen können Reise- und sonstige Pauschalen und schließlich die Kosten für die Waffe (maximal 1000 €), die nur einmal verwendet wird.
Da es bei Mord leider noch keine staatliche Verfahrenskostenhilfe gibt, haben wir in Zusammenarbeit mit Kollegen für Deutschland eine Mindestgebühr in Höhe von 10.000 € festgelegt. Von mir aus nennen Sie es eine (verbotene) Preisabsprache oder ein (ebenfalls verbotenes) Kartell. Aber sagen wir es so: Wo kein Kläger, da auch kein Urteil.
Wir müssen uns einfach gegen ein Preisdumping aus dem Osten schützen. Stichwort „Billigmord“! Wir garantieren halt Qualität. Der bulgarische Dumping- oder Billigmörder ist da ganz anders: Eigentlich „stillos“, wissen Sie, der kommt irgendwo aus der bulgarischen Pampa angereist, hat den Ilja Rogoff oder so -Joghurt dabei und verzehrt hier nichts, schießt und verschwindet wieder. Keine Beratung, kein Film, kein Dabeisein, kein „lifestyle“, das überhaupt nicht! Der ballert eine halbe Salve in das Opfer und macht sich hinfort … Gut, das Opfer ist tot, aber sonst?
Nicht umsonst hat sich unlängst ein deutscher Ministerpräsident vehement gegen eine rumänische und bulgarische Armutsinvasion ausgesprochen – er wusste, wovon er redete, er ist nur völlig falsch verstanden und deshalb auch zu Unrecht beschimpft worden. Das wäre ja auch noch schöner, käme so ein Billigwegmacher einfach so her, macht einen oder mehrere Jobs (unterhalb des low budget-Bereiches), geht zum Arbeitsamt und nimmt auch noch unser schönes Hartz-Geld mit, um im Donaudelta die Mäuse tanzen zu lassen.
Die Mitglieder unseres Berufsverbandes dürfen in ganz besonderen (gut begründeten) Ausnahmefällen die Minimalgebühr schon mal unterschreiten. Dann darf es allerdings auch keine irgendwie gearteten Sonderleistungen geben, da gilt: Quick & dirty. Sie mögen sagen, dass Ihnen das schon „ein bisschen bulgarisch“ vorkomme und haben sogar Recht.
Allerdings gibt es auch im low-low-Preissegment Bedarf an unseren Tätigkeiten oder Taten, das darf man ja auch nicht vergessen. Es kann, darf und soll ja nicht so sein, dass gewisse Gesellschaftsschichten von unseren Leistungen ausgeschlossen sind – vor dem Grundgesetz sind alle gleich, heißt es schließlich. Und bevor da jemand vor das Verfassungsgericht zieht … Sie verstehen? Da lassen wir eine Nachwuchskraft schon einmal low-low arbeiten.
Natürlich gibt es dann kein Mitbestimmen der Todesart, kein Zuschauen, kein Film ist bei dieser Minimalst-Pauschale drin. Just dead. Das aber Guaranteed! Und alles mit einer Mindestmenge an Stil, immerhin, aber wir sind halt keine Bulgaren, nicht?

Wenn Sie jetzt stutzen und unsere Leistungen teuer finden, muss ich Sie auf Folgendes hinweisen: Sie zahlen ja auch ohne zu murren den Schuhmacher, wenn er die Absätze richtet, den Maler, der ihre Wohnung renoviert oder den Klempner, wenn er den verstopften Wasserabfluss frei gemacht hat. Und wenn an ihrer Zimmerdecke Stuck hängt, oder wenn es besonders teure Schuhe waren, gehen Sie zum (teureren) Spezialisten!

Problemfall Rechnung
Gut, ich stelle keine Rechnung. Das wäre ja auch komisch, wenn ich da schreiben würde
Prügelnden Ehemann am [Datum]
um [Uhrzeit] in [Ort] durch [Methode]
beseitigt.
„Hinüber“-Pauschale     20.000 €
An- und Abfahrt pauschal     120 €
Obolus für Charon: Fahrt über die Styx    1 €
Gesamtsumme     20.121 €
Bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen 3% Skonto
weitere 2% bei Barzahlung
Ich selber hätte keine Problem damit, eine Rechnung zu stellen. Und im Falle eines Falles  wäre ich auch mein eigenes Inkasso-Büro. Aber ob Sie es glauben oder nicht, ich habe einfach noch nie Probleme gehabt, an mein Geld zu kommen, nie, wirklich.
Bisher haben alle bezahlt, und zwar sofort!
Mein Hauptproblem bei der Stellung einer Rechnung wäre die Mehrwertsteuer. Es ist meines Wissens vom Gesetzgeber nicht definiert, ob sie für eine „Hinüberführung“ (ich versuche das Wort „Auftragsmord“ wo es geht zu vermeiden) 7% oder 19% betragen soll? Was soll ich da also eintragen?
Der allgemeine Mehrwertsteuersatz beträgt 19%, aber es gibt eben auch den ermäßigten, der gilt zum Beispiel für Essen zum Mitnehmen oder für Mineralwasser. Champagner hat 19% - ich glaube, ich würde 19% nehmen müssen, denn meine Leistung entspricht eher einem Grand Menü oder Champagner als Pizza im Pappkarton oder Mineralwasser, finde ich. Andererseits nehme ich mein Zielobjekt in vielen Fällen ja auch mit, um „ihn“ oder „sie“ an einem versteckten Ort „hinüberzuführen“ – 7%?. Erkennen Sie mein Dilemma?
Dass ich die Honorare versteuern und Sozialabgaben zum Beispiel in die Künstlersozialkasse zahlen müsste, finde ich grundsätzlich normal. Im Rahmen einer Steuerpflicht meiner Leistungen würden die Gebührensätze natürlich entsprechend angehoben werden. Das würde den Auftrag für den Auftraggeber nur geringfügig teurer machen, denn seit ein paar Jahren können Handwerkerrechnungen zumindest teilweise von der Steuer abgesetzt werden.

Auslagen
Stichwort „Auslagen“. Waffen – ich hatte das schon betont – benutze ich grundsätzlich nur ein einziges Mal. Sie sind individuell identifizierbar, das weiß inzwischen jedes Kind über 12 Jahre, das abends TATORT oder andere Filme im Bildungsfernsehen sehen darf. Über eine mehrfach eingesetzte Waffe kann die Polizei auf die damit verübten Taten kommen, wenn sie die Waffe – Gott behüte -  bei mir fände.
Nein, im Kodex, den meine Kollegen und ich erarbeitet haben, heißt es ganz klar und leicht verständlich:  „Jede Waffe darf nur einmal verwendet werden“.
Das gilt übrigens für Feuerwaffen ebenso wie für alle anderen zum „Hinüberbringen“ geeigneten Werkzeuge – wir versuchen, den Begriff Töten zu vermeiden, wo es geht. Was im abendlichen Krimi leider viel zu wenig thematisiert wird, ist, dass Messer oder Bänder/Leinen/Taue ebenfalls eine eindeutige Signatur am …, naja, an der Zielperson eben, hinterlassen. Auch für sie gilt: Nur einmal verwenden!
Krimis im Fernsehen sind nicht zur Fortbildung geeignet
Anfänger scheitern meist an so einfachen Fehlern. So glaubte ein eigentlich netter junger Kollege, der sich auf Erwürgen spezialisiert hatte, er könne sich eine 200-Meter-Taurolle kaufen (die ist billiger als das Tau als Meterware) und dann jeden Meter nur einmal verwenden …
Dumm gelaufen, sie hatten ihn nach dem achten oder neunten Meter (ich weiß die Zahl nicht mehr genau) … Das Tau hatte eine durchgehende Signatur, natürlich! Da hätte er selber draufkommen können.
Ich bin sehr dafür, dass ein striktes Waffenverbot gilt!
Je strikter, desto besser. Ist Ihnen aufgefallen, dass im Fernsehkrimi jeder Trottel jederzeit Zugang zu einer Waffe hat? Jeder, wirklich jeder. scheint eine Waffe im Schrank zu haben! Der Hamburger Philosoph Dittsche, den ich schon ein oder zweimal zitiert habe, würde sagen: „Das ganze Programm! Das ganze Programm …“. Dabei ist das Unsinn – versuchen Sie mal, eine zu kaufen. Selbst ich, oder gerade ich, würde ja nie im Leben auf die Idee kommen, eine Pistole am Bahnhof zu kaufen. Wieso Bahnhof? Fragen Sie doch mal im Kreis ihrer Freunde, wo die eine Pistole kaufen würden. Sofern es bei Ihnen noch einen bahnhof geben sollte und wäre Ihre Stadt zumindest halbwegs groß (so ab 500.000 potenzielle Zielobjekte), sagen mehr als 95% spontan „am Bahnhof!“
Und nun gehen Sie einmal zum Bahnhof … klar, da sitzen zig „verdächtige Typen“ herum (dunkle Haare, dunkler Teint) – und welcher ist jetzt ein Waffenhändler? Sehen Sie?
Und doch, im TV-Krimi greifen ältere Herren gerne zu einem Gewehr, jüngere meist zu einer Pistole, Frauen zum Küchenmesser, Amerikaner auch schon einmal zum Eispickel (gibt es eigentlich noch keine Kühlschränke in den USA?).
Aber: Wie kommt also nun der durchschnittliche deutsche Fernseh-do-it-yourself-Mörder an die Schusswaffe?  Jedenfalls, das ist meine persönliche Erfahrung, nicht am Bahnhof und auch nicht auf dem Flohmarkt. Und was hat er zum Schluss davon? Er wird gefasst! Immer. Ausnahmslos. Das ist politisch so gewollt, dafür sitzen die Politiker in den Aufsichtsräten der Fernsehanstalten und nicht, wie Sie meinen, wegen der hohen Sitzungsvergütungen.
Ich bin noch nicht gefasst worden. Auch nicht nach meiner 50sten Jubiläums-Hinüberführung. Das hat ja seinen Grund, nicht wahr! Könner leitet sich eben doch von Können ab … Und ganz nebenbei bemerkt: Ich schütze meine Auftraggeber durch mein Können. Wenn sie mich nicht finden, finden sie auch meinen Auftraggeber nicht, ist doch ganz einfach. Unter diesem Aspekt ist meine Leistung tatsächlich preiswert.
Aber ich will zugeben, das hat nicht nur mit meinem Können zu tun. Ehrlich.
95% der Kapitalverbrechen werden in deutschen Großstädten aufgeklärt, was nicht anderes heißt, als dass die Polizei am Ende einen Täter präsentiert. Klar, daher wissen die Fernseh-Krimi-Autoren ja auch, dass jeder Mörder gefasst wird.
Die Wirklichkeit ist ein klitzekleines Bisschen anders: Uns Profis erwischen sie nicht! Nie! Sonst – und das ist ein schlagender Beweis – könnte ich dieses Büchlein ja gar nicht schreiben. Oder glauben Sie, die würden mich im Knast …? Nein. Keinesfalls.
Allerdings (und an dieser Stelle tue ich mich etwas schwer,  darüber zu berichten) nicht, weil alle meine Kollegen so schlau, klug oder gut sind, dass sie nicht zu fassen wären, nein, es gibt eine Absprache: Die Gesellschaft braucht uns, will uns und schützt uns deshalb. Klar, dass darüber nicht geredet oder geschrieben wird. Ich denke, ich bin einer der ersten, wenn nicht sogar der Erste, der diesen Deckmantel ein wenig lüftet.
Unsere „Hinüberführungen“ werden aus der offiziellen Statistik also einfach ausgeblendet, über sie wird in der Presse ja auch nicht berichtet. Und das ist auch gut so. Für alle. Die Polizeistatistik bleibt „super“, die Presse muss nichts „Unappetitliches“ berichten und wir Profis können unsere Arbeit in aller Stille machen. Die Preise steigen nicht, weil zu viele Kollegen aus dem Arbeitsleben gerissen werden (und stattdessen Tüten kleben) – die Marktwirtschaft lässt grüßen.

Natürlich versuchen es auch im richtigen Leben immer einmal wieder …, nennen wir sie: „Amateure“, um nicht zu sagen Anfänger, andere „hinüberzuführen“! Und die kriegt die Polizei. Problemlos. Die Anfänger-Amateure werden mit großem Ballyhoo vor Gericht gebracht und verknackt! Kein Wunder! Die Damen Mörderinnen oder Herren Mörder präsentieren sich ja geradezu selber: Motiv, Gelegenheit und Pistole, vor allem die – und schon haben sie sie. Blutige Anfängerfehler!
Und nun stellen Sie sich einmal die Situation vor, jeder und jede könnte im nächsten Waffenmarkt seines oder ihres Vertrauens eine Pistole oder ein Präzisionsgewehr verkaufen und an der Kasse am Supermarkt würde hinter den Gittern keine Zigaretten sondern Munition angeboten werden … „Können sie mal aufmachen, bitte, Fräulein, ich brauche noch 36 Stück 7,62er mit extra hoher Treibladung und eine Zwanziger Packung 22er.“, würde es dann heißen. Die Verkäuferin würde witzig fragen: „Für Frau oder Schwiegermutter?“, und alle in der Schlange würden das auch wahnsinnig witzig finden und „Gutes Gelingen“ oder so wünschen.
Jeder, wirklich jeder Dummkopf könnte dann seinen Mord selber machen. Was für eine kulturelle Verarmung! Das erinnert mich an die Zeit, als es plötzlich preiswerte Desktop-Publishing-Programme für den PC gab, und jeder Trottel glaubte, er wäre jetzt ein Grafiker und könne seine Broschüre selber gestalten … Sie (erinnern Sie sich noch?), damals hat man doch das Lesen aufgegeben, oder? Was da ins Haus geflattert kam, das war doch nur noch …, fast hätte ich jetzt Sch… gesagt. Aber dieser Artikel richtet sich ja vor allem an den Nachwuchs …
Oder, denken Sie einmal an die Zeit, als es plötzlich kostenlos Online-Redaktionsprogramme für Websites gab! Das Ergebnis ist doch der pure Wahnsinn. Seitdem gehe ich nicht mehr ins Internet, ehrlich, und die NSA ist mir so etwas von egal ... Von mir finden die jedenfalls nichts! Ich biete meine Leistung auch nicht im Internet an. Vor allem dank der fürchterlichen selbst gemachten Websites von anderen.
Nein, einen guten, ehrlichen Mord kann man nicht „einfach so“ planen und ausführen. Für einen wahreren Könner ist das „Hinüberbringen“ eine Kunstform! Dafür braucht es Neigung und Talent, Ausbildung, Erfahrung … Der Nachwuchs muss zur kunstvollen Ausführungsform hingeführt werden, angeleitet werden … da kann man nicht einfach so mal „abdrücken“. Und dann „Danke, das war`s …“.
Nein, so einfach kann man, darf man es sich nicht machen. Ich sehe schon den bunt bedruckten Karton aus dem Kosmos-Verlag vor mir.
Aufschrift: „Der kleine Mörder“.
Inhalt: eine Pistole, 12 Patronen und eine Broschüre mit zum Anlass passenden Sprüchen: „Hasta la vista, baby“ oder „Ich mache dir ein Angebot, dem du nicht widerstehen kannst …“ und so, Sie verstehen …  Schließlich enthält der Karton zur Vervollständigung noch einen Klappspaten und ein Metermaß (nur 80 Zentimeter lang) sowie eine Laterne, um das Grab des Opfers (nachts!) in der richtigen Tiefe auszuheben. Nein, meine lieben Anbieter vom Kosmos-Verlag, so einfach kann man es sich nicht machen. Bleibt beim „Kleinen Physiker“, „Kleinen Chemiker“ oder „Kleinem Gen-Designer“, in dem Geschäft kennt Ihr Euch aus …, aber lasst die Finger von meinem Business! Denn das Rumspielen mit einer Pistole ist gefährlich – nicht nur für das auserwählte Opfer (das könnte nur verletzt statt getötet werden, und das will doch niemand), auch für den Neuling kanns ins Auge gehen.
 
Ein Kollege von mir hat sich unlängst für eine spektakuläre Methode entschieden:
„Der Auftrag war, vier bis sechs Zielobjekte, die sich außerhalb der Saison im HOTEL ACHTER´N  DIEK  aufhielten, „hinüberzubringen“. Er hätte sie leicht einzeln erledigen können. Das war nicht spektakulär genug (der Auftraggeber, ein international tätiger Konzern wollte mit dem Tod auch eine unmissverständliche Botschaft versenden). Mein Kollege wählte etwas anderes. Er füllte die Ladeschaufel einer riesigen Raupe oder eines Ladeschauflers mit 3 Kubikmeter Dieselöl in großen Kanistern, mit 200 Liter Superbenzin und einigen Gasbomben, Ammoniumchlorid-Dünger sowie etwas Phosphor und feinst gemahlenes Aluminiumpulver. Die Raupe steuerte er in das Hotel und zündete das ganze explosive Zeug ferngesteuert. Sie das hat einen Rumms gegeben, den hat man (mindestens) bis Husum gehört!“
Die Botschaft wurde verstanden, der Konzern wurde nicht mehr erpresst!

 
Die erforderliche Waffe kauft der Fachmann natürlich beim Fachmann, nicht über Amazon oder EBay im Versandhandel. Dieser Fachhandel hat normalerweise kein Schild an der Tür, das darauf hinweist, dass hier professionelle Waffen verkauft werden, also, ich meine, Waffen für Profis.
Dass die Tschechische Republik und Polen jetzt zur EU gehören, und dass es keine Grenzkontrollen mehr gibt, hat uns von der M-Gilde den Job sehr erleichtert. Ich habe dort seitdem liebe Freunde gewonnen, mit denen ich auch schon einmal stimmungsvolle Weihnachten feiere, bei denen ich eigentlich immer einkaufe. Neuerdings bietet mein tschechischer Händler sogar Abonnements an, ich bekomme seitdem jeden Monat ein bis drei Waffen zum Sonderpreis, neue Angebote im Markt kann ich vor Ort testen!
Profis wissen, was Profis wollen!
Ich habe mich übrigens, ich glaube, ich erwähnte es schon, auf das „Hinüberbringen“ per Schuss spezialisiert. Das ist sauber, geht schnell und ich muss mich dem Hinüberzubringenden auch nicht zu weit nähern. Ich mag das nicht, wenn mein Opfer mich anfassen kann oder könnte, also meine soziale Nahdistanz unterläuft. Ich weiß, ich bin da etwas eigen, Kollegen von mir, vor allem solche, die mit Messer oder Tau arbeiten, können mich da gar nicht verstehen. Mir ist das egal, ich habe es so lieber.
Der durchschnittliche Killerkollege schätzt auf kurze Entfernungen unter vier Metern Schussdistanz natürlich das elegante kleine Kaliber: Die 22er Pistole ist – vor allem mit Schalldämpfer - leise und – wie gesagt – vergleichsweise elegant. Die 22er Kugel fliegt durch ein kleines, sauberes Loch in den Schädel hinein, hat aber nicht genug Energie, den Schädel auf der anderen Seite wieder zu verlassen. Andererseits hat sie aber noch genug kinetische Energie, um ein paar Mal im Schädel hin und her zu prallen und dabei das Gehirn zu „versuppen“. Danach heißt es dann:  „Auftrag ausgeführt!“
Ein Bekannter von mir schwört dagegen auf die „Kleine Walther“, Kaliber 7.62, weil er die immer am Mann haben kann, denn, sagt er und hat mir das auch gezeigt, diese Pistole passt wirklich in jede Hosentasche.
In Romanen liest man von Kollegen, die eine Glock oder eine Walther PP einsetzen. Gut, auch für diese Waffen mag es gute Argumente geben. Mir sind sie zu groß und zu schwer. Fragen Sie, wenn Sie einmal die Gelegenheit bekommen [zum Beispiel an TAGEN DER OFFENEN WERKSTATT oder IN DER NACHT DER KILLER (das ist so etwas wie DIE NACHT DER MUSEEN)], einen Kollegen, ob sie seine Glock in die Hand nehmen dürfen. Sie werden merken, ein wie schweres Werkzeug das ist, vor allem mit einem gefüllten Magazin. Damit können sie einen Nagel durch die Wand schlagen. Und Kraft brauchen sie, viel Kraft! Warum, fragen Sie? Sie meinen, Sie wollen ja nur ein wenig Schießen und nicht Schlitten fahren? Das will ich Ihnen gerne erläutern: Zum Beispiel, um durchzuladen, Sie, da müssen sie am Schlitten ziehen, das ist fast unmenschlich … Ein jüngerer Kollege, der fast ausschließlich mit der Glock arbeitet, hat mir erzählt, er habe sich in Afghanistan an diese Waffe gewöhnt. „Wenn sich ein auf ihn schießender Taliban hinter einer Mauer versteckt hatte“, hat er gesagt, „hast du eben erst einmal drei Kugeln in die Mauer versenkt – dann war die weg (die Mauer), und dann hast du dich um den Taliban gekümmert. Der war dann auch bald weg, für immer …“.
Unter solchen Bedingungen zu arbeiten ist natürlich nicht einfach, da verstehe ich die Wahl einer so schweren Waffe. Aber die ist so schwer, die musst du im Holster am Oberschenkel tragen, in der Hosentasche geht da nichts mehr. Und hier, denke ich mir, kommt es ja selten vor, dass sich ein „Zielobjekt“ hinter einer Mauer versteckt. Wenn das so ist, hast du vorher, grobe handwerkliche Fehler gemacht!
Mir ist das zu kraftaufwendig, meine kleine alte Walther geht da viel leichter, ist meines Erachtens für den älteren Killer die angebrachte Waffe.
Und ich brauche auch nicht die 9 mm-Patronen, mit denen man sogar einen World-War-II-Panzer gestoppt hätte, naja, das mag leicht übertrieben sein.
Der Laie wundert sich normalerweise, wenn er hört, das wir Profis auch auf 1000 Meter oder mehr schießen – nicht gerne, zugegeben, das muss man können. Ehrlich gesagt, wenn mir ein Fall unterkommt, wo ich auf mehr als 500 Meter schießen muss, engagiere ich einen spezialisierten Fachkollegen. Die Jungens können wirklich schießen. Auch die Technik ist faszinierend: Allein das Zielfernrohr, „Spektiv“ sagt der Fachmann, ist ein wunderbares Stück Handwerkskunst, das man gar nicht mehr aus der Hand geben möchte. (Man bekommt es aber nur sehr selten in die Hand, das nur nebenbei.)
Und dann das Gewehr mit dem überlangen Lauf, auf das mein Spezialist gerne noch einen Schalldämpfer aufsetzt, und das er mit einem Tuch umwickelt, damit es kein Licht spiegelt und aus der Entfernung nicht durch Zufall entdeckt wird – alles das ist irgendwie beeindruckend, wirklich. Mein Spezialist schießt am liebsten im Liegen, andere, ich glaube, es ist die englische Scharfschützenschule, schießen im Sitzen (am Boden) und stützen das Gewehr auf ein Knie. Treffen tun sie alle. Einmalig.
Also, wenn mich mal einer umbringen wollte und ich mir die Todesart aussuchen dürfte, dann würde ich mir den Tod durch eine Scharfschützenkugel wünschen, ehrlich. Das ist wahre Kunst, finde ich.

 
Lehrberuf Killer
Killer ist ein Lehrberuf – sagen de einen.
Killer lernt man on the job – sagen die anderen.
Ich bin dafür, es es Lehrberuf zu betreiben. Aber nicht im hoch gelobten deutschen dualen System, also einerseits im Betrieb, wo man das handwerkliche lernt, und andererseits in der Berufsschule, wo es um die theoretischen Grundlagen geht, zum Beispiel die Kugelabdrift bei Wind oder so.
Nein, ich meine die mittelalterliche Art, mehr so im Sinne einer Gilde, wo ein Meister sich eines selbst ausgewählten Lehrbuben annimmt, um ihn über vielleicht 10 Jahre auszubilden und irgendwann zu sagen: „So, Junge, jetzt kannst du alles, was ich kann. Du bist bereit für die Welt.“. Um ihn dann mit einem Klaps und einem Geschenk, wie einer wahnsinnig tollen Pistole oder einem Präzisionsgewehr in die Welt hinaus zu schicken, wo sich der (jetzt) Geselle bewähren darf.
Welche Voraussetzungen muss so ein Eleve mitbringen? Nun, sicherlich eine gewisse Grundruhe oder Stressresistenz. Man muss die Veranlagung haben, nicht schnell nervös zu werden, man muss Belastung aushalten können. Darauf kann man aufbauen. Weiterhin sollte der Nachwuchs ein gewisses technisches Grundverständnis mitbringen, sowie Interesse an Psychologie und Anatomie. Vor allem an Anatomie! Das wäre es schon. Den Rest lernt man beim Meister.
Im Spielfilm – insbesondere im französischen film noir -  sind erfolgreiche Killer häufig seelenlose Non-Empathen, also Menschen, die überhaupt kein Gefühl (mehr) kennen. Ich betone: Das ist nicht notwendig. Ein gewisses Gefühlsleben braucht man schon deshalb, um sich in bestimmten Situationen in die Zielperson hineinversetzen zu können. Dass es in anderen Situationen dagegen hilfreich sein kann, seine Empathie abschalten zu können, ist davon unbenommen.
Ich selber habe im Grunde zu spät angefangen: Erst Abitur und Studium, dann jahrelang in einem Büro rumgesessen …
Mein erstes Opfer habe ich mehr durch Zufall mit dem Auto erwischt, da war ich schon Fünfzig. Ich habe gemerkt, dass es mir leicht gefallen ist … Auch das Wegbringen der Überbleibsel hat mir nichts ausgemacht, ganz im Gegenteil, hinterher, als er vergraben war, habe ich es aufregend gefunden.
Die nächsten Opfer waren entfernte Verwandte, solche, die mir zur Hochzeit wirklich nichts, gar nichts geschenkt hatten. Meiner Frau war damals entsetzt gewesen. Als sie gestorben war, habe ich diese miesepetrigen Großonkel und -tanten „hinübergebracht“.
Dann kam eine alte Ex-Nachbarin, die nicht mehr im Altersheim leben wollte und so weiter … So kam eines zum anderen.
Ich habe also „on the job“ gelernt, im Altersheim war ich bei den Insassen eine Art gern gesehener „Sozialarbeiter“ (na gut, Sozialarbeiter der etwas anderen Art, aber immerhin, vielleicht auch „Ehrenamtlicher“) … Viele Insassen haben mich gebeten, mit ihnen einen letzten Gang zu unternehmen. Nun ja, der führte dann zunächst zur Bank (wegen dem Honorar) und dann in den nahe gelegenen Wald.
Mit 55 haben sie mich dann in der Firma „freigesetzt“, ich sei zu alt für das „Business“ geworden, die haben schon nicht einmal mehr gesagt, dass ich „für den Job zu alt“ sei, geschweige denn „für die Arbeit“. War ich natürlich nicht.
Naja, dann hatte ich weitere Übungsobjekte in der Personalabteilung. Das war aber keine so gute Idee gewesen, denn da kamen nur noch jüngere nach, die nur noch Ihres(alters)gleichen einstellten. Die Sache von der Epidemie ging ja durch die Presse … Biologie kann so interessant sein!
Ich habe mich bald selbstständig gemacht. „MMM “ habe ich die Firma anfangs genannt, später „M. Soziale Dienstleistungen“.
Denen vom Arbeitsamt habe ich das Blaue vom Himmel vorgelogen, die fanden meinen Business-Plan gut. Ich habe dann noch ein Gründerdarlehen bekommen. Das hat mir über die erste schwere Zeit geholfen. Ich bin damals in Starnberg viel zum Tanzen gegangen und habe dabei die ersten potenziellen Witwen kennengelernt, also solche, die den Status damals erst angestrebt haben. Da ich selber Witwer war, sind wir schnell ins Gespräch gekommen, und aus „man müsste einmal“ ist dann relativ bald „dann mach´ doch einmal“ geworden.
In dem Umfeld, das ist ja klar, habe ich auch die ersten Fachkollegen kennen gelernt. Von manchen konnte ich mir etwas abschauen, von anderen habe ich mich eher fern gehalten, die waren mir obskur …
Von meinen Tanzbekanntschaften kann ich sagen, dass allen Beteiligten geholfen wurde: Die betreffenden Herren konnten aus einer fürchterlichen Beziehung heraus (ver)flücht(ig)en, die Damen erbten (fast alle) viel und ich konnte erste Einnahmen verbuchen.
Ich war nie im Raster der Polizei: Keine Beziehung zum Opfer, keine zur späteren Witwe (außer ein paar Tänze), kein Motiv, keine Gelegenheit (ich spielte nicht Golf) … Bingo.
Du lernst als Killer Menschen in ihrer ganzen Tiefe kennen, es ist eigentlich ein schöner und befriedigender Beruf – Talent und Neigung vorausgesetzt
Training on the Job, heißt das wohl. Bei mir hat das relativ gut geklappt. Dem Nachwuchs empfehle ich eine fundierte Ausbildung: Erst einmal einen richtigen Beruf mit Bezug zur Berufung lernen, zum Beispiel Metzger, Bestatter, Altenpfleger, Schauspieler, Polizei oder Militär oder etwas in der Art und dann die spezialisierte Weiterbildung zum professionellen Killer. Danach steht dem jungen Killer die Welt offen.