Dieses ist eine sehr persönliche Website mit von mir erstellten oder ausgesuchten Inhalten. Diese sind - v.a. bei Textbeiträgen - weder "politisch" (hoffe ich) noch "gendermäßig" korrekt, und auch bei der Sprache "pfeiffe" ich auf Zustimmungen der Duden-Redaktion.

Was finden Sie hier? Quergedachte Texte, Bilder aus der Wahlheimat = von der wunderschönen Insel Rügen und Filme übers Glasmachen.
Ich hoffe, Sie haben trotzdem oder gerade deswegen Spaß auf dieser Website, die etwas anders sein will!

Empfehlung der Redaktion:
Kunstort auf Rügen:Wassermühle

Empfehlung

Ich liege mit einer schweren Infektion im Krankenhaus, das Fieber ist hoch, knapp unter vierzig Grad… Es ist Nacht, ich kann nicht schlafen.

Da öffnet sich die Tür

und herein kommen ein lila Rhinoceros, ein blauer Orang-Utan und ein Krokodil unbestimmter Farbe. Ich schätze das Krokodil auf sechs Meter, aber ich will nicht übertreiben, es mögen auch nur fünf Meter sein.

Ich liege allein im Zweibettzimmer, der Platz für das andere Bett zu meiner Linken ist frei. Ihn nimmt das stumm vor sich hin wiederkäuende lila Rhinoceros ein.

Der Orang-Utan setzt sich in den Lehnstuhl ganz links am Fenster, das Krokodil legt sich zu seinen Füssen. Der Orang beginnt mit seinen außerordentlich geschickten Füssen, den Rücken zu massieren. Das Krokodil grunzt wohlig.

Jetzt spaziert ein grellbunter Kakadu ins Zimmer – allerdings sind seine Farben einfach nur falsch – und zwar jede! Er klettert auf die Querstange am Fußende des Bettes und beginnt zu lamentieren, dass er eigentlich noch einen Zug durch die Gemeinde machen wollte…

Schließlich kommt ein grüner Elefant ins Zimmer und bleibt in dem circa vier Meter langen Flur zwischen Zimmertür vom Flur und eigentlichem Zimmer stehen. Von dem kurzen Flur gehen eine Toilette und ein kleines Badezimmer ab, was den Elefanten allerdings nicht interessiert. Eigentlich scheint es sich um zwei Elefanten zu handeln, den einen, den grünen, sehe ich in voller Größe in dem Flur stehen, von dem anderen sehe ich nur einen neugierig saugenden rosa Rüssel, der sich am grünen Elefanten vorbei schiebt.

Ich öffne die Augen – die Besucher sind fort, ich schließe die Augen wieder, die Besucher sind wieder da! Ich probiere das mehrfach, es klappt immer: Kaum schließe ich die Augen, sind die mir sehr vertraut erscheinenden Besucher in voller Pracht da: Sie sehen ein bisschen so aus wie die Tiere, die Andy Warhol für die Serie „Endagert Species“ geschaffen hat: Falschfarben mit leuchten Konturen!

Das Rhinoceros furzt, dass man Angst bekommen könnte, aber ich rieche nichts. Die anderen offenbar auch nicht, jeden falls reagiert keiner irgendwie pikiert. Der Orang-Utan knetet dem Krokodil unbestimmter Farbe weiterhin den Rückenpanzer.

Niemand spricht, selbst der Kakadu hält inzwischen den Schnabel. Er herrscht eine wohlig vertraute Ruhe im Zimmer, in dem es ziemlich eng geworden ist. Schließlich gibt irgendeines von den Tieren einen für mich nicht bemerkbaren Aufbruchsbefehl: Der rosa Rüssel verschwindet als erstes, dann der grüne Elefant. Ihm folgt das erstaunlich wendige Krokodil, das wohl doch eher sechs Meter lang sein dürfte als fünf.

Das Rhinoceros „läßt noch einen“ und zieht ebenfalls ab. Schließlich ist nur noch der Oran-Utan da, der sich dann auch erheb und mit fast am Boden schleifenden Armen den Raum verläßt.

„Mit einem „Tschüss, Kumpel“ verlässt der Falschfarben-Kakadu mein Zimmer als letzter, „vielleicht schauen wir morgen noch einmal bei Dir rein…“.

Ich öffne die Augen, schließe sie wieder: Ich bin tatsächlich allein, die Kumpels sind tatsächlich fort.

Wenig später kommt die Nachtschwester in Zimmer und sagt: Ach, Sie schlafen gar nicht? Ich mache mal das Fenster auf, irgendwie riecht es hier komisch, so nach Tieren…“

Am nächsten Tag erzähle ich bei der Visite von meinen netten bunten Kumpels, die mich besucht haben. Das Fieber ist gefallen, mir ist klar, es war wohl eine Halluzination.

„Als meine Frau am Mittag zu Besuch kommt, erzählt sie mir, dass der Stationsarzt sie gefragt habe, wie viel ich denn so trinke…

Ach so, nächste Nacht kamen die Kumpels übrigens nicht wieder.