Dieses ist eine sehr persönliche Website mit von mir erstellten oder ausgesuchten Inhalten. Diese sind - v.a. bei Textbeiträgen - weder "politisch" (hoffe ich) noch "gendermäßig" korrekt, und auch bei der Sprache "pfeiffe" ich auf Zustimmungen der Duden-Redaktion.

Was finden Sie hier? Quergedachte Texte, Bilder aus der Wahlheimat = von der wunderschönen Insel Rügen und Filme übers Glasmachen.
Ich hoffe, Sie haben trotzdem oder gerade deswegen Spaß auf dieser Website, die etwas anders sein will!

Empfehlung der Redaktion:
Kunstort auf Rügen:Wassermühle

Empfehlung

Täglich lesen, hören, sehen wir das Wort „Flüchtling“ – meist in der Mehrzahl, früher meist in Verbindung mit den Begriffen Griechenland, Türkei und verschiedenen „Routen“.

Zum Bild: Am 8. August 1991 läuft der schrottreife Frachter "Vlora" in den Hafen von Bari ein. An Bord drängen sich rund 10.000 albanische Flüchtlinge. Erst lassen die italiensischen Behörden niemanden von Bord, schließlich werden die 10.000 Menschen in ein Fussballstadion geführt. Aus der Luft werden Essenpakete ins Stadion geworfen...

Dann wurden andere Begriffe mit „Flüchtlingen“ assoziiert: „Begrüßungskultur“ hieß es, als Kanzlerin Merkel die Flüchtlinge 2015 nicht an den deutschen Grenzen im Regen stehen ließ, sie also nicht ausschloß und „Wir schaffen das“. Wäre ja auch gelacht, wenn wir die paar Leute nicht schaffen „würden“. Unsere Rechten wollen die Flüchtlinge ja auch „schaffen“ (allerdings anders) oder besser noch abschaffen...

Weiterhin wurden „Routen geschlossen“ (der erste, der auf die Idee kam, war meines Wissens Herr Orban in Ungarn), Flüchtlinge „verteilt“ oder auch nicht. Klar, irgendwelche cleveren Leute haben im Dublin-II-Abkommen [1]  ja (sehr vereinfacht dargestellt) vereinbart, dass Flüchtlinge, die Asyl beantragen, in dem Land bleiben müssen, in dem sie EU-Boden betreten haben, also praktischerweise in südlichen Ländern mit EU-Außengrenzen.

Gut für Deutschland, schlecht für Italien, Malta, Griechenland und Spanien. Die EU-Außengrenzen werden im Mittelmeer bekanntlich immer besser verteidigt, auf dem Landweg kommt kaum noch einer oder eine durch. Also versuchen es die Flüchtlinge über das Mittelmeer. Das ist ein richtiges Meer, nicht nur Playa della sowieso, an dem auch Besoffenen noch im Plastikbötchen planschen können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen, nein, es ist ein Meer mit Sturm und Wellengang und sogar weißen Haien!

Im Mittelmeer ist SOPHIA für die EU aktiv - eine multinationale militärische Operation der Europäischen Union v.a. zur Bekämpfung des Menschenschmuggels und von Schleusern und deren Infrastruktur im südlichen zentralen Mittelmeer zwischen der italienischen und der tunesischen/libyschen Küste. Immerhin eine militärische Operation, die nicht etwa polizeiliche oder Rettungsmaßnahmen im Focus hat.

Die Wege für die Flüchtlingsboote übers Mittelmeer sind schon einmal Hunderte Kilometer lang und die Bötchen, die man dann im Fernsehen sieht, sind verdammt klein, echte Nussschalen und deutlich überbesetzt. So viele Leute auf den Booten würde kein deutscher Hafenkapitän jemals durchgehen lassen...
Und glauben Sie mir, so ein Boot, das für einen Afrikaner „von hinter der Wüste“ am Strand vielleicht noch halbwegs seetüchtig aussehen mag, wird immer kleiner, je weiter es sich vom Ufer entfernt. Irgendwann ist es gefühlt nur noch eine Nussschale in stürmischer See (auch wenn es gerade nicht stürmt). Wer über Bord geht, hat keine Chance zu überleben. Aber das kümmert die Schleuser ja nicht. Deren Geschäftsidee ist eben nicht, die Menschen heil übers Meer zu bringen, sondern nur ins Boot und weg vom Strand! Der Rest ist ihnen wurscht!

Die Flüchtlinge =  Menschen, die sich nach wochenlanger Odyssee durch halb Afrika in diese Boote treiben lassen, müssen eine verdammt große Motivation haben, diese seeuntüchtigen Nussschalen zu betreten. Ob sie Angst haben? Sicherlich. Sie machen es trotzdem? Dann sind es Helden!

Erinnern Sie sich noch an „Einer kam durch “ [2] mit Hardy Krüger? Das war ein Flüchtling, der es geschafft hatte – aber der war ja auch ein („guter“) Deutscher und kam aus (kanadischer) Gefangenschaft nach enormen Abenteuern heim, einer der unseren, ein Flüchtling als Held.
Heute kommen Flüchtlinge aus Afrika. Sie sind nicht blond wie unser „Hardy“ (der danach, glaube ich, nur noch Heldenrollen spielte), sie gelten als Nassauer und Wirtschaftsflüchtlinge, und obwohl sie auf ihrem Weg durch Afrika wahrscheinlich mindestens solche Abenteuer wie Hardy Krüger zu bestehen hatten, werden sie nicht als Helden betrachtet.

Wirtschaftsflüchtlinge sind sie ja irgendwie auch, weil sie da, wo sie herkommen nix zum Arbeiten und nix Beißen haben. Dort würden sie verhungern, würden (wurden?) vergewaltigt oder schlicht umgebracht, wahrscheinlich erschlagen, denn Munition kostet Geld.

Wirtschaftsflüchtlinge? Mag sein. Vielleicht kommen sie ja auch, weil wir /Sie und ich und wir alle hier in der EU) ihre Lebensgrundlagen gedankenvoll oder gedankenlos zerstört haben, indem wir ihre Eliten mit Entwicklungshilfe-Geldern kaufen, unseren Müll in ihre Länder verfrachten (und es dabei en passant vergiften) oder unsere alten Klamotten (und damit Jobs vernichten) oder unsere EU-subventionierten landwirtschaftlichen Produkte (und damit die lokalen Landwirtschaften zu Grunde richten), oder Fischdampfer aus den Industrieländern den Atlantik vor Afrika leerfischen oder oder oder... Ach ja, unsere alten Autos entsorgen wir dort auch – ein bisschen Profit muss schließlich sein.

Früher hat man Wirtschaftsflüchtlinge "Fremdarbeiter" genannt - erst waren das Polen, die in den Bergwerken des Ruhrgebietes geschuftet haben, dann Italiener und Spanier, die auf den baustellen und in den Industriebetrieben des Wirtschaftswunders Bruttosozialprodukt schufen. Das war ja noch okay. Viele von denen wollten zwar auch nicht wieder zurück (schlimm genug in den Augen der Vätergeneration!), aber die brachten jedenfalls noch Kohlgerichte, Pizza mit warmen Käse, Spaghetti und Tapas mit. Und genetisch waren sie uns ja auch näher (jedenfalls konnten sie auf ihre weisse Haut verweisen)...

Meistens sind wir EUler und natürlich die USA es, die Afrika kaputt gemacht haben und es weiterhin machen. Haben Engländer, Holländer, Franzosen, Portugiesen, Italiener und wir Deutschen als Kolonialisten ja schon einmal erfolgreich gemacht. Ganz besonders sei in diesem Zusammenhang auf die Belgier verwiesen, die die schlimmsten Kolonialisten-Verbrecher waren, die es in Afrika wohl je gegeben hat (und dazu gehört etwas, wenn man an die anderen Kolonialmächte denkt, Deutschland inklusive).

Die Franzosen haben sich die Bodenschätze im Kongo etc. unter den Nagel gerissen und verteidigen mindestens ihren Uranabbau dort mit Klauen und Nägeln (gemeint sind [Fremden]legionäre, Gewehre und Bomben). Gut für Frankreich, gut für Europa (französischer Atomstrom ist unschlagbar billig), schlecht für die Afrikaner, die dort nicht (mehr) leben können.

BP hat sich Nigerias Ölvorräte „vertraglich gesichert“, das ist eine andere Bezeichnung für Diebstahl und hört sich auch gleich viel besser an. Gut für BP, gut für Europa (deutsche Autos müssen schließlich rollen), schlecht für die Afrikaner, die dort nicht (mehr) leben können.

Einige wenige von diesen Afrikanern sind irgendwann auf die frevelhafte, wenn nicht gar unverschämte Idee gekommen, dass es ihnen in Europa besser gehen könnte – welch eine Unverfrorenheit! Wo es hier in den reichen Industrieländern der EU doch gerade für unsereins reicht, wenn überhaupt. Diese Afrikaner sind sogar Menschen, denen man von Weitem ansieht, dass sie nicht hierher gehören. Wenn Gott gewollt hätte, dass sie hier leben sollen, warum hat er sie dann schwarz gemacht?

Sie kommen jetzt in jämmerlichen One-way-Booten über das Mittelmeer. Sie zahlen Tausende von Dollars oder Euros für die Passage. Clevere Kerlchen in Nordafrika verkaufen ihnen dann noch Schwimmwesten aus Papier – „für alle Fälle“. Das Ergebnis: Hunderte oder Tausende Ertrunkene in jedem Jahr und zweifelhafte Rettungsaktionen von meist jungen Gutmenschen aus Nordeuropa.

Italien, Malta und Spanien haben für diese Rettungsschiffe inzwischen ihre Häfen geschlossen. Unmenschlich, oder? Von hier aus gesehen: Vielleicht.
Aber die Randstaaten der EU mit den Mittelmeerküsten müssen die an diesen Stränden ankommenden Menschen aufnehmen (s. Dublin II), wir nehmen sie ihnen nicht ab, wir zahlen auch nicht für sie. Da sind die Herren Seehofer, Söder und Dobrindt und der Rest der CSU davor! Beifall von der AfD und CDU! Naja, die von der SPD sind wohl auch nicht viel besser.

Apropos Regierung: Aber ja, da hat die Bundesregierung ja diesen fantastischen und ach so humanen Plan: Wenn jemand den richtigen Beruf hat und eine ausreichende Qualifikation vorweisen kann, also jemand ist, den/die wir gerade brauchen können, dann darf er/sie demnächst legal einreisen und tatsächlich bleiben – Stichwort „Einwanderungsgesetz“.  Tolle Idee.

Dafür gibt es dann in Entwicklungsländern (auch europäischen!) und in ganz Afrika wieder weniger Ärzte, Ingenieure oder Krankenschwestern. Tja, ist halt dumm gelaufen für die armen Neger (ach ja, ´tschuldigung, darf man ja nicht mehr sagen „Neger“ – das verletzt die Menschenrechte, Ersaufen im Mittelmeer übrigens nicht!).

Die anderen, die dumm aus der Wäsche schauen, sind die Randstaaten der EU, in denen Flüchtlinge aus Syrien, Irak oder Afrika ankommen – die hätten beim Verhandeln des Dublin-II-Abkommens eben besser aufpassen müssen. Für deren Dummheit können wir ja nicht „krank sein“, oder?

Wir mit Außengrenze der EU

Aber nun stellen Sie sich einmal vor, Deutschland würde plötzlich zum Außenstaat, zum Land, in dem Flüchtlinge erstmals den Boden der EU betreten. Die würden dann hier Asyl beantragen wollen, sollen und müssen. Und die müssten erst einmal hier bleiben – alles wg. Dublin II! Hier bei uns. Gott steh uns bei...

Geht nicht, sagen Sie? Geht doch sage ich. Ich sage nur: Nordsee!

Und zwar geht das ganz einfach. Für die Story, die für ein 800-Seiten-Polit-Thriller reicht oder für einen 8teiligen TV-Kracher, brauche ich nur 20 Zeilen:
Es müsste nur jemand auf die Idee kommen, eine neue Route zu eröffnen, eine, die nicht durch das Mittelmeer führt – z.B. Casablanca-Brunsbüttelkoog. Klar, man bräuchte ein richtiges Schiff dafür, vielleicht eines, auf dem man einige Tausend Mensch (zusammengepfercht wie Vieh) transportieren kann. Das mit dem Zusammenpferchen (allerdings in Eisenbahnwaggons) hat man in Deutschland ja schon einmal erfolgreich durchgeführt – Menschen halten verdammt viel aus, verzweifelte Menschen noch mehr!
Also brauchen wir einen alten „Dampfer“, einen den man sonst verschrotten würde, der wird sich auftreiben lassen, gerne ein altes Passagier- oder Fährschiff. In Casablanca werden 5.000 Flüchtlinge auf das Schiff „geladen“ (Luxus ist leider nicht, nicht bei nur 5.000 $ für die Passage pro Person), und ab geht das Ganze. In 5 bis 6 Tagen ist die Elbmündung erreicht – fast alle haben bis hierher überlebt! Vielleicht macht Deutschland wie Italien und Malta seine Häfen dicht, dann lässt man den alten Zossen eben in der Elbmündung sanft stranden – glauben Sie mir, die Behörden können 5.000 Flüchtline = Menschen nicht vor den laufenden TV-Kameras ihrem Schicksal im Watt überlassen.
Ja, und so werden wir zum Staat mit einer EU-Außengrenze. Scheiße.


 [1] Das Dubliner Übereinkommen wurde am 15. Juni 1990 von Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Spanien und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet. Es trat für diese Staaten am 1. September 1997 in Kraft. Später beigetreten sind Österreich und Schweden, Finnland und Tschechien. Mit dem Dubliner Übereinkommen sollte zum einen erreicht werden, dass jedem Ausländer, der auf dem Gebiet der Vertragsstaaten einen Asylantrag stellt, die Durchführung eines Asylverfahrens garantiert wird. Wichtigste Regel für die Zuständigkeit: Der Staat, in den der Asylbewerber nachweislich zuerst eingereist ist, muss das Asylverfahren durchführen. Zugleich sollte verhindert werden, dass der Asylbewerber mehr als ein Verfahren im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten betreiben kann.Am 1. März 2003 trat die Dublin-II-Verordnung als Nachfolgeregelung des Dubliner Übereinkommens in Kraft. Seit 1. Januar 2014 gilt die Dublin-III-Verordnung als weitere Nachfolgeregelung. Mit ihr ist der Anwenderkreis der Dublin-Regeln auf weitere EU-Mitgliedstaaten und über Zusatzabkommen auch auf Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz ausgedehnt worden

[2] Der Film von 1957 beruht auf einer wahren Begebenheit: Die Luftschlacht um England ist 1940 auf ihrem Höhepunkt. Die Messerschmitt Bf 109 von Franz von Werra wird abgeschossen, er wird gefangen genommen und im englischen Kriegsgefangenenlager Grizedale Hall interniert. Das anschließende Verhör kann ihn zwar einschüchtern, hindert ihn aber nicht an seinem einzigen Ziel: Flucht. Er flieht zwei Mal, wird aber immer wieder gefangen genommen. Dann soll er in ein Gefangenenlager in Kanada überstellt werden. Auf dem Weg dorthin gelingt es ihm aus dem Gefangenentransportzug zu entkommen. Er schlägt sich in die damals noch neutralen USA durch. Im Nachspann ist auf den englischsprachigen Texttafeln zu lesen, dass er von dort über Mittel- und Südamerika zurück in das Deutsche Reich gelangte.