Dieses ist eine sehr persönliche Website mit von mir erstellten oder ausgesuchten Inhalten. Diese sind - v.a. bei Textbeiträgen - weder "politisch" (hoffe ich) noch "gendermäßig" korrekt, und auch bei der Sprache "pfeiffe" ich auf Zustimmungen der Duden-Redaktion.

Was finden Sie hier? Quergedachte Texte, Bilder aus der Wahlheimat = von der wunderschönen Insel Rügen und Filme übers Glasmachen.
Ich hoffe, Sie haben trotzdem oder gerade deswegen Spaß auf dieser Website, die etwas anders sein will!

Empfehlung der Redaktion:
Kunstort auf Rügen:Wassermühle

500 ha "Weltnaturerbe" auf Rügen, genauer auf der Halbinsel Jasmund: Die alten Buchenwälder.

Alte Buchenwälder sind rar, es gibt nicht viele. Die Buchenwälder in Jasmund auf Rügen sind also mehr als sehenswert.


insel ruegen landkarte buchenIch kann mir vorstellen, dass die Auftraggeber der Kathedralen im Mittelalter sich die Anregungen zu den himmelsstürmenden Bauten ihrer Kathedralen in Buchenwäldern holten, und dass sie die Baumeister etwa folgendermaßen brieften: "Baue er uns ein Gotteshaus wie einen Buchenwald. Himmelhohe, schlanke Pfeiler. Darüber ein Dach von sich kreuzenden Ästen. Unter dem Dach - nichts! Vielleicht ein rotbraun-bunter Boden. Geht das? Und dann natürlich noch strahlend bunte Fenster, wie wenn die Sonne gegen Morgen oder Abend durch die Buchenblätter strahlt und sich das Licht in den Blättern bricht". Naja, ungefähr so. Oder ähnlich.

Und der mittelalterliche Baumeister wird nichts verstanden haben (er war Baumeister, also Handwerker, und nicht Architekt), bis er in den Wald gegangen ist und geschaut hat.

Als er nach oben geschaut hat, wird er seine Mütze in den Nacken geschoben und sich gesagt haben: "Ach so, das meinen sie...".

Und den Bauherren wird er gesagt haben: "Tja. Wird verdammt schwierig werden, ist aber machbar. Und ich sage Euch gleich, das wird dauern und das wird kosten...! Und die eine oder andere Technik werde ich erfinden müssen, ich sage nur Scherkräfte..."

Und die Bauherren werden geantwortet haben: "Ja, ja, schon gut, das wirst Du schon schaffen. Die anderen bauen ja auch schon... Lange dauern ist übrigens guuut, dann können unsere Urenkel das Ding bezahlen, wenn´s fertig ist..." So war das damals mit den Generationenverträgen. Die Altvorderen verprachen sich die Seligkeit (den anderen auch) und ließen die Nachkommen blechen, denn wer weigert sich schon zu zahlen, wenn es doch ums Seelenheil geht? Vor allem im Mittelalter. Da war das Leben im Hier echt schwer und dafür für im Jenseits als "echt super" versprochen. Gutes Konzept! Man hat´s jedenfalls geglaubt. Meistens. Und für die Belohnung im Jenseits musste man ja erst einmal sterben... 

Gehen Sie in die alten Buchenwälder von Jasmund, schauen Sie nach oben, schauen Sie gegen die Sonne. Schieben Sie die Mütze in den Nacken. Sie werden mich und meine Phantasie verstehen! Mindestens diese.

Schlauberger über Buchen

Einzige mitteleuropäische Buchenart ist die Rotbuche (der Botaniker nennt sie Fagus sylvatica, die Botanikerin übrigens auch!). Die insgesamt elf Arten Buchen kommen nur auf der Nordhalbkugel vor.

Die erwachsene Rotbuche,  die eine Höhe von 40 Metern erreichen kann, zeichnet sich durch sehr starken Schattenwurf der Baumkrone aus. Gehen Sie mal mit einem Fotoapparat in den Jasmunder Buchenwald - Sie werden sich wundern, wie wenig Licht Ihr Belichtungsmesser anzeigt.

Alle Pflanzen brauchen v.a. Licht zum Leben, so auch Bäume. Die Buchen haben zwei Tricks drauf. Zum einen, dass sie kein Licht durchlassen. Da kann schon - mangels Licht"futter", Stichwort Fotosynthese - kaum eine andere Pflanze hochkommen. Aber sie haben noch einen fiesen Trick in petto: Buchen werfen mit/in den Blättern so etwas Ähnliches wie ein Herbizid ab, das das Wachstum anderer Bäume hemmt. Beide Tricks zusammen bewirken, dass unter Buchen keine andere Baumart gedeihen kann. Buchenwälder sind (zwar dunkel aber anderseits) sehr "licht", sie wirken gut aufgeräumt! Die Abstände zwischen den ausgewachsenen Bäumen sind groß, man hat nicht das Gefühl, in einem "Urwald" zu sein.

Buchen könnten, wenn Förster/in sie denn ließen, leicht achthundert und mehr Jahre alt werden - werden sie heute aber nicht mehr, weil nach 100 bis 120 Jahren in der Regel ein Förster mit einer Axt (oder noch gemeiner mit einem Harvester) erscheint, um die kaum der Jugend entwachsene Buche umzuhauen (der Förster wird es "ernten" nennen und irgendwelche abstrakt-ökonomischen Zwänge dafür anführen).

Das echte Erwachsenenstadium erreicht eine Buche heutzutage nur noch in "Naturerbe-Gebieten", wenn überhaupt. Den "Naturerbe-Statuts" haben die Jasmunder Buchen auch erst seit ca. 10 Jahren, ein Klacks im Vergleich mit den 800+ Jahren, die sie anstreben.

Die Buche ist fast so etwas wie eine "Raubpflanze", die alle Konkurrenten im Umfeld vernichtet. Die eigenen Jungpflanzen kommen dagegen mit sehr wenig Licht aus und wachsen sehr schnell. Aber auch nicht UNTER einer großen Buche. Erst wenn so ein Baumriese (alt und krank geworden) irgendwann gefallen ist und eine Lichtung (cace: LICHT!) geschlagen hat, können sich hier Jungpflanzen aus den Samen bilden. Und dann ist es ein echtes Wettrennen, welche Jungpflanze es schafft... Der Kampf ums Überleben ist unter Bäumen brutal!

Der deutsche Wald war im Naturzustand (nach der Eiszeit, als sich der skandinavische Eisschild zurückgezogen hatte) aus den o.g. Gründen eher ein Buchen- denn ein Eichenwald. Eichen gab es nur da, wo Buchen nicht mehr (gut) existieren können: Zum Beispiel in größeren Höhen. Diese Areale waren dann v.a. von Eichen besetzt. So viel zur "Deutschen Eiche", die eigentlich "Deutsche Buche" heißen müsste. So sagen das die einen. Wie immer gibt es andere, die es besser wissen. Aber mir gefällt die oben skizzierte Version besser.

Buchen sind also ziemlich aggressiv - ein ungewöhnlicher Gedanke bezüglich Pflanzen, oder? Ausgenommen fleischfressende Pflanzen vielleicht - aber die sind eher mickrig, die fallen nicht auf. 

Und es kommt noch besser. Andererseits sind sie mit anderen Buchen in der Nähe sehr sozial! Manchmal sind sie "Schnackfatts": Sie warnen sich gegenseitig mit Duftstoffen vor dem Angriff von Schädlingen (sie können ja nicht weglaufen!). Und wenn es mal einer Buche schlecht geht, helfen ihr andere Buchen über die Wurzeln mit Nährstoffen aus.

Und sie haben Freunde, mit denen sie in enger Partnerschaft leben, nämlich das Myzel von bestimmten Pilzen, die sie mit Nährstoffen versorgen.

Doch, das alles machen... Pflanzen.


Buchen-Arten sind sommergrüne Bäume, die Wuchshöhen von bis zu 40 Metern erreichen. Ihre Rinde ist grau und glatt und zeigt nur selten im Alter eine geringe Borkenbildung. Buchen sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch - so sagt der Botaniker. Normale Menschen würden sagen, Buchen sind beides gleichzeitig: Männchen UND Weibchen. Naja, mir muss es ja nicht gefallen!). Buchen bilden dreikantige Bucheckern als Früchte.