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Antibiotika und so

Lassen Sie uns ein wenig über Antibiotika reden...

„Du, ich glaube, ich habe Grippe, Kopfschmerzen, Schnupfen, Abgeschlagenheit. Mir geht´s gar nicht gut. Und das Antibiotika, das mir der Doktor verschrieben hat, hat nicht gewirkt, wahrscheinlich bin ich resistent, sagt er.


Infektionen werden in der Regel durch Viren und Bakterien verursacht, Infektionen durch Parasiten (z.B. Malaria, Schlafkrankheit etc.) werden im Folgenden nicht berücksichtigt.

An dem einführenden Satz ist so ziemlich alles falsch, was nur falsch sein kann:

Der Patient hat keine Grippe, er leidet bei den aufgezählten Symptomen „nur“ an einem grippalen Infekt. Ein grippaler Infekt wird durch Viren ausgelöst und „dauert mit Arzt eine Woche und ohne sieben Tage...“, sagt der Volksmund. Gegen einen grippalen Infekt existieren keine geeigneten Medikamente. Eine echte Grippe ist dagegen eine schwere Erkrankung, die zwar ebenfalls durch Viren ausgelöst wird – aber durch  andere als ein grippaler Infekt. Eventuell ist bei einer echten Grippe sogar eine Klinikeinweisung erforderlich. Geeignete Medikamente gibt es ebenfalls nicht. Eine Impfung dagegen schon.

Wenn der Doktor ein Antibiotikum verschrieben hat (was er hoffentlich nicht getan hat), dann ein -KUM und kein -A. Es heißt nämlich „ein Antibiotikum“ oder „das Antibiotikum“. Häufig hört man aber das falsche „ein Antibiotika“ – das tut dann richtig weh, zumindest mir.

Grippaler Infekt und Grippe werden also, ich sagte es schon, durch Viren verursacht, gegen die KEIN Antibiotikum wirkt. Gar keines! Antibiotika wirken NUR gegen Bakterien, nie gegen Viren!

Es kann allerdings tatsächlich eine Indikation geben, ein Antibiotikum bei grippalem Infekt oder Grippe zu verschreiben: Wenn der Patient bekanntermaßen an einer chronischen Lungenkrankheit leidet, dann muss der Arzt evtl. befürchten, dass sich auf die virale Infektion eine bakterielle Superinfektion draufsattelt, die er mit der Antibiotikum-Verschreibung verhindern will. Sonst nicht.

Bakterien können eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln – aber nie ein Mensch, ein Mensch kann nicht Antibiotika-resistent sein oder werden! das geht nicht.

Alles klar! Gut. Dann hätten wir das ja schon einmal geklärt.

Dann können wir uns im Folgenden ein wenig mit Antibiotika beschäftigen:

Antibiotika sind eine uralte Erfindung der Natur: Pilze und Bakterien verwenden von ihnen in ihre Umgebung abgegebene Antibiotika, um sich im Überlebenskampf gegen andere Bakterien durchzusetzen, sie vergiften sozusagen ihr Umfeld für bakterielle Konkurrenten.

Der berühmte Herr Fleming hat das Antibiotikum Penizillin entdeckt, als in seinem Labor eine unbeachtete Petrischale fand, auf der ein Schimmelpilz („Penicillium“) auf Agar wuchs – und in seinem Umfeld (= Hemmhof) keine Bakterien wuchsen, auf der restlichen Schale aber schon. Die Beobachtung war Zufall – aber er war gleichzeitig eine der ganz großen Entdeckungen der Menschheit. Im Grunde sind aus dieser Erfindung (fast) alle Antibiotika hervorgegangen. Die natürlich vorkommenden Antibiotika wurden von Chemikern immer wieder verändert, um neue Antibiotika zu entwickeln.

Antibiotika sind etwas Besonderes im ärztlich-pharmazeutischen Armentarium. Es sind die einzigen Präparate, die eine Krankheit tatsächlich heilen! Kein anderes Präparat tut das. Blutdrucksenker senken den Blutdruck, Schmerzmittel lindern Schmerzen, Antidiabetika senken den Blutzuckerspiegel. Alle wirken nur symptomatisch, keines „geht an die Ursachen“ einer Erkrankung. Nur die Antibiotika können die eine Infektion verursachenden Bakterien vollständig eliminieren. Auch nicht immer und nicht in jedem Fall – aber vom Prinzip her schon.

Man kann es nicht häufig genug betonen: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren.

Es gibt ca. 25 bis 30 Bakterienarten, die häufig als Infektionserreger beim Menschen auftreten. Aus Praktikabilitätsgründen teilt man sie nach ihrer Reaktion in einer Färbereaktion in Gram-positive und Gram-negative Bakterien ein. Dann gibt es noch eine weitere Einteilung in aerobe und anaerobe Bakterien. Aerobe Bakterien können Sauerstoff ab oder brauchen ihn, für anaerobe Bakterien ist Sauerstoff „Gift“.

Als Infektionserreger wichtige Bakterien

Gram+

Bacillus anthracis

Bordetella pertussis

Clostridium perfringens

Enterococcus faecalis

Enterococcus faecium

Staphylococcus aureus
(auch MRSA)

Staphyococcus epidermidis

Streptococcus agalactiae

Streptococcus pneumoniae

Streptococcus pyogenes

Gram-

Chlamydia trachomatis

Enterobacter cloacae

Escherichia coli

Haemophilus influenzae

Klebsiella pneumophila

Legionella pneumophila

Morganella morganii

Neisseria gonorrhoeae

Neisseria meningitidis

Pasteurella multocida

Proteus mirabilis

Proteus rettgeri

Providencia spp.

Pseudomonas aeruginosa

Salmonella spp.

Serratia marcescens

Shigella spp.

 Gram+Anaerobier  

Gram- Anaerobier

Bacteroides fragilis

 

Kein Antibiotikum wirkt gegen alle pathogenen Erreger. Jedes Antibiotikum weist ein spezifisches Wirkspektrum mit Stärken und Schwächen = Wirkungslücken auf. Die Ärzte sollten mindestes die Wirkungslücken kennen!

Das erste für den Einsatz zur Verfügung stehende Antibiotikum war Penizillin. Es wurde 192x von dem Engländer Fleming entdeckt und in den 40er Jahren von Florey zum wirksamen Antibiotikum weiter entwickelt.

Aber es gab schon vorher wirksame Substanzen:

1. Salvarsan. Das wurde um 1910 im Labor des Deutschen Paul Ehrlich entdeckt. Es wirkt gegen Lues (Treponema pallidum, ein Gram-negatives Bakterium) und wurde demnach bei Syphilis = Lues eingesetzt – allerdings ziemlich nebenwirkungsreich. Da das Arsenpräparat im Labor entwickelt wurde und keine natürliche Verwandten hat, wird es als Chemotherapeutikum bezeichnet.

Paul Ehrlich auf der vierten Serie der deutschen 200-€-Banknote.

In der Praxis unterscheidet man heute nicht mehr zwischen Antibiotikum und Chemotherapeutikum – alle Substanzen sind heute Antibiotika!

2. Prontosil. 1932 synthetisierten die Chemiker Mietzsch und Klarer innerhalb eines Programms der I.G. Farben zur Entwicklung von antibakteriell wirksamen Verbindungen aus der Gruppe der Farbstoffe aus der Steinkohlenteer-Chemie ein Sulfonamid, das später unter dem Markennamen Prontosil bekannt wurde. Dessen antibakterielle Wirkung wurde aber erst von Gerhard Domagk entdeckt, der für dieselbe Firma  an Azofarbstoffen forschte. Außerhalb des lebenden Organismus (in vitro) zeigte sich Prontosil weitgehend unwirksam, wirksam war es aber in vivo. Insbesondere der Nachweis der Wirkung im Tiermodell war das Verdienst von Domagk, der seine an einer Sepsis erkrankte vierjährige Tochter im Dezember 1933 erfolgreich mit dem neuen Arzneimittel behandelte.

Die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts war die "Goldene Zeit der Antibiotika". In diesem Zeitraum wurden die meisten Antibiotika entwickelt.

Antibiotikaeinführungen weltweit 

Sulfonamide, Polymyxine, Chloramphenicol und Tetrazykline werden nur noch selten eingesetzt.

Die heutzutage wichtigsten Antibiotika stammen aus folgenden Substanzklassen 

Penizillin
Penizillin-Derivate
ggf. mit Betalaktamase-Hemmer
Cephalosporine
Carbapeneme
Fluorchinolone
Makrolide
Co-Trim

 

Welches sind die besten Antibiotika?

Die Frage mag sich mancher Patient stellen - sie ist aber falsch gestellt. Sie muss lauten, welches Antibiotikum ist für mich in meiner individuellen (Infektions)Situation das am besten geeignete? Und auch dann ist sie kaum mit der Nennung einer Substanz zu beantworten, eher mit einer oder mehreren Substanzklassen.

Eine „gute“ Infektionstherapie verlangt vom Arzt einiges... Er soll wissen, welchen Erreger (1. Virus ODER Bakterium und 2. Welches Bakterium) er behandeln muss. Das kann er aber nicht wissen. Dafür muss er einen Test durchführen und der dauert meistens 3, 4 oder mehr Tage, bis ein Ergebnis vorliegt.

Er muss die Therapie aber sofort beginnen. Was macht er also? Er therapiert KALKULIERT, d.h., er vermutet eine bestimmte Infektion und aus seiner Erfahrung heraus vermutet er, dass diese Infektion in der Regel durch bestimmte Erreger verursacht wird. Hinzu kommen Faktoren wie evtl. bestehende Grunderkrankungen oder eine Immunschwäche. Auf dieser Vermutung = Kalkulation wählt er ein VERMUTLICH gut wirkendes Antibiotikum aus. WENN das Ergebnis des Tests dann vorliegt, kann er die begonnene Therapie fortführen oder er ändert sie entsprechend des Ergebnisses.

Findet die Therapie "zuhause" statt oder im Krankenhaus? Ein Praxisarzt wird fast immer oral zu applizierende Präparate einsetzen (also Tabletten etc.), ein Klinikarzt eher parenteral zu verabreichende (also als Spritzen).

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