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Antibiotika als "Dickmacher"

Natürlich, werden Sie sagen, Menschen und Tiere bestehen aus Zellen – das ist doch klar, wer weiß das nicht? Aber wussten Sie, dass es beim erwachsenen Menschen in etwa 1010 Zellen sind, also ca. zehn Milliarden. Bei Tieren dürfte es von der Köpergröße abhängen, aber die Anzahl der Zellen dürfte in ähnlichen Größenordnungen (= Zehnerpotenzen) liegen. Aber...

... wenn wir jetzt einmal beispielhaft den Menschen betrachten,  jeder von uns ist eben nicht alleine mit sich und seinen/ihren 1010 Zellen. Ich meine, wir bestehen also nicht nur aus den Zellen des Körper! Wir sind mehr, viel mehr... Überrascht?

innen aussen3Nein, unser Körper ist aussen „von oben bis unten“ dicht besiedelt von ca. 1014 Bakterien (das sind 10.000mal mehr als wir Körperzellen besitzen) und einer ordentlichen Anzahl von Archaeen, allerdings habe ich keine Zahlen zu den Archaeen gefunden. Und wenn wir gerade dabei sind, auch ihr Genom setzt sich zur Hälfte aus viralen und bakteriellen Genom-"Resten" zusammen, die unsere gemeinsamen Vorfahren vor zig-Millionen Jahren als wir noch als Würmer, Fische oder sonstwas Ekligem rumgekraucht sind, irgendwie "eingefangen" haben. Wir Menschen scheinen in verschiedener Hinsicht eine Art "Resterampe" für Bakterien und Viren und anderes "Kroppzeug" zu sein... Neulich habe ich das so gelesen: Menschen sind auch nur ein weiterer Trick des Lebens, damit RNA sich vermehren kann. So kann man das sehen. Aber das ist jetzt nicht unser Thema. Wir wollten über das Dickmachen von Antibiotika reden.

Diese 1014 Bakterien leben "quieschvergnügt" 

  • auf unser Haut (Hautflora)
    Gerne in „Feuchtbereichen“ = Stirn, hinter den Ohren etc.
    Ein großer Teil der Hautflora befindet sich im Bereich der Haarfollikel, 20 % der gesamten Hautflora ist in tiefen Abschnitten der Haarfollikel angesiedelt
  • im Mund = Mundflora, ungefähr 1010 Bakterien
    Da können Sie „wie verrückt“ Zähneputzen (mit oder ohne „Maschine“).
    Normalerweise wird der Mund von hunderten Bakterienarten und Hefen besiedelt. Diese Mundflora hat zum größten Teil eine Schutzfunktion gegen Krankheitserreger, die sich somit nicht in der Mundhöhle einnisten könnten.
    Unter den pathogenen Bakterien der Mundflora hat Streptococcus mutans als einer der Zahnkaries-Auslöser eine besondere Bedeutung. Dieser Keim wird nach der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen.
    Bestimmte Hefepilz=Candida-Arten leben im Rachen der meisten Menschen als harmlose Saprophyten; sie sind bei etwa 70 % der Menschen nachgewiesen worden
  • im Darm = Darmflora, ungefähr 1014 Mikroorganismen
    Der Darm des Menschen wird von Bakterien, Archaeen und Eukaryoten besiedelt. Die Besiedlungsdichte des Darms ist anfangs gering und steigt mit zunehmendem Lebensalter stetig an. Während des Geburtsprozesses und kurz danach erfolgt die erste bakterielle Besiedlung des vorher sterilen kindlichen Verdauungstraktes. Bei natürlich geborenen Kindern beginnt die Kolonisation während der Geburt.
    Einen besonderen Einfluss auf die Besiedlung hat die Nahrung. Ob ein Kind gestillt wird oder Flaschennahrung bekommt, lässt sich an der Darmflora erkennen.

    Die Darmflora von erwachsenen Menschen zeichnet sich durch eine Vielzahl von verschiedenen Bakteriengattungen aus. Bei einem gesunden Erwachsenen mittleren Alters besteht dieses Ökosystem aus hauptsächlich anaeroben Bakterien mit einer Gesamtzahl von bis zu 1014. Die zum Darmkanal gehörende Besiedlung eines Menschen enthält mindestens 500 bis 1000 unterschiedliche Arten. Die Mikroorganismen besiedeln das Darmlumen, die Muzinschicht und die mukosalen Oberflächen. Im Gegensatz zum Dünndarm mit bis zu 107 Individuen je Gramm Kot, ist der Dickdarm mit bis zu 1012 Individuen je Gramm dicht besiedelt.
    Die Gesamtmasse der Mikroflora im Darmtrakt eines erwachsenen Menschen beträgt zwischen 1000 und 2000 Gramm.
    Die Darmflora besteht zu 99 % aus vier bakteriellen Abteilungen (Phyla = Stämmen): Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria.

So ist das mit uns. Und sehr ähnlich verhält es sich bei Ihrem Hund, Ihrer Katze sowie bei Tieren in der Tierzucht. Sie müssen sich jetzt weder schämen noch grausen oder gleich unter die Dusche springen – es ist einfach so. Und das ist auch gut so, denn ohne diese bakterielle Besiedlung würden wir gar nicht leben können. Nicht nur, weil Adam den von Eva gereichten Apfel nicht verdaut hätte und unser aller Stammvater jämmerlich verhungert wäre, bevor er...

Diese Besiedlung wird als MIKROBIOM bezeichnet. Dieses Mikrobiom ist bei jedem Menschen genauso unterschiedlich und eindeutig wie Fingerabdrücke. Adam hatte schon ein anderes Mikrobiom als Eva. Allerdings nicht sehr viel anders, denn bei zusammen lebenden Menschen sind die Mikrobiome ziemlich ähnlich, aber eben nicht identisch.

Wenn Ihr Arzt Ihnen ein oral einzunehmendes Antibiotikum verschreibt, schlucken Sie es natürlich. Es gelangt in den Darm und wird zum Teil (... zum Teil! Da wird es interessant) resorbiert und ins Blut übernommen, von dem es im ganzen Körper verteilt wird (hoffentlich gelangt es auch dorthin, wo Ihr Arzt es zur Infektionsbekäpfung haben möchte). Das Antibiotikum beeinflusst natürlich auch Haut- und Mundflora.

Der andere = restliche Teil der eingenommenen Antibiotikamenge bleibt im Darm, wo es sich mit der Darmflora „herumschlägt“. Gegen dieses Antibiotikum empfindliche Bakterien der Darmflora werden getötet und eliminiert. Wo Bakterien verschwinden, entsteht kein Vakuum, nein, andere Bakterien, die resistent gegen das Antibiotikum sind, wachsen sehr schnell heran (die Generationszeit kann nur 20 Minuten kurz sein) und ersetzen die sensible und daher vernichtete Flora. So entstehen u.a. Resistenzen gegen Antibiotika.

Wenn der Arzt Ihnen ein Antibiotikum verschrieben hat, passiert folgendes: Das Antibiotikum verschiebt das ohne Antibiotikum bestehende Gleichgewicht der Zusammensetzung der Darmbakterien, die Anteile der Bakterien verschieben sich.

Das Mikrobiom eines Menschen setzt sich also aus

  1. Eukaryonten (Hefen, Pilze)
  2. Archaeen
  3. Bakterien

zusammen. Bei den Bakterien - und nur um die kann es unter Antibiotika-Therapie gehen - sind 

  1. Staphylokokken-Arten
  2. Streptokokken-Arten
  3. E. coli
  4. Bacteriodes-Arten
  5. Bacillus-Arten
  6. Firmicutes

sehr häufig. Mindestens die ersten fünf Gruppen werden von Antibiotika relativ stark beeinflusst, d.h., ihre Zahlen nehmen unter Antibiotika ab. Und wo Bakterien verschwinden, nehmen andere zu: Firmicutes!

Okay, soviel zur Resistenzentwicklung unter Antibiotikatherapie. Jetzt zum zweiten Effekt der Antibiotikagabe: Der versprochenen Gewichtszunahme!

Das Mikrobiom eines jeden Menschen besteht einem mehr oder weniger stabilem Anteil, dem Basismikrobiom und einem variablen Teil.
Je nach dominierenden Bakteriengattungen lassen sich die Menschen in Gruppen einteilen. Das Mikrobiom wird entweder von Bacteroides-Arten geprägt oder von Firmicutes-Stämmen.

Bei adipösen Menschen nimmt die Bakteriengruppe der Firmicutes zu, die Gruppe der Bacteroidetes nimmt ab. Das wäre ja nicht weiter schlimm. Aber diese Verschiebung wirkt sich auf den Energiestoffwechsel der Menschen aus. Das Mikrobiom von übergewichtigen Menschen wird von Firmicutis-Arten dominiert, daher produziert es deutlich mehr Enzyme, die ansich unverdauliche Kohlenhydrate (z.B. Zellulose) spalten können. Damit holen diese Menschen mehr Energie aus ihrer Nahrung als normalgewichtige Menschen, bei denen Bacteroides-Arten dominieren. Sie nehmen an Gewicht zu.

Meistens wissen die Menschen gar nicht, ob sie zum Bacteroides- oder Firmicutis-Typ gehören - wer hat schon je davon gehört? Übergewicht ist meistens nicht nicht gewollt – beim Menschen! Bei Katze und Hund wollen Herrchen und Frauchen das normalerweise auch nicht, manche Idioten wollen das vielleicht bei ihren Kampfhunden...

Aber bei Schweinen und Rindern kann der Effekt schon erwünscht sein. Der Trick der Zuchtbetriebe besteht nun darin, diesen Tieren geringe Dosen an geeigneten Antibiotika zu verabreichen: Die Tiere erreichen mit wässrigem Fleisch schneller das Schlachtgewicht. Dieses Fleisch kann dann im Supermarkt billig verkauft werden.

Der Nachteil dieses Verfahrens - und damit kommen wir wieder zur Resistenzentwicklung - besteht u.a. darin, dass mit den verabrechten subinhibitorischen Antibiotika-Dosierungen nicht nur dickere Tiere sondern v.a. auch Antibiotika-resistente Bakterien gezüchtet werden – den Tierzzüchtern ist das offenbar egal. Dumm ist nur, dass die resistent gewordenen Bakterien nicht in den Tieren bleiben – sie springen ohne Weiteres zum Menschen über.

Mein persönliches Fazit: Wenn Sie so wollen ist das nicht nur ein Verbrechen an den Nutztieren (und damit ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit*), nein, es ist auch ein Verbrechen an der Menschheit.
Aus Profitgier stehlen uns diese Tierzuchtbetriebe eine der größten Errungenschaften der Menschheit: Den Sieg über Infektionen!


* Ich weiß, das das anders definiert ist, aber Definitionen lassen sich bei Bedarf bekanntlich ändern

 

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