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Mord-Geschichte. Naja, eigentlich nicht...

Eine Story aus dem Buch "Wirr im Kopf". Diesmal geht es (fast) um eine Hauerei - alles ganz normal...


Wenn im Folgenden von ICH die Rede ist, dann sollten Sie wissen, dass ich meinen Kopf mit drei anderen Persönlichkeiten teile: Da sind also ich, der Jens, und dann Ernst, Rudi und Mari, unser Mädel...


Heute ist einer der Tage, wo nix los war, beschäftigungsmäßig sozusagen „Ebbe“ herrscht, was wir ganz gelassen sehen, denn auf´m Konto ist eher Flut. Wir haben in letzter Zeit ein paar Aufträge erledigt – Belgien, Brüssel… Sie haben in der Zeitung nichts darüber gelesen, denn es passiert häufig, dass unsere Taten einfach nicht erscheinen… Vor allem nicht, wenn es Politiker trifft. Die sieht man in der Öffentlichkeit nicht mehr, das ist alles. Naja, uns soll es Recht sein.

Außerdem regnet es seit vorgestern, kein Wetter, um unterm Birnbaum die Kieler Nachrichten zu lesen, einen Pott Kaffee zu schlürfen und sich mit den anderen im Kopf zu denkunterhalten. Dabei gäbe es einiges zu denkauseinandersetzen… Äpfel und Birnen müssen gepflückt werden, solche Sachen, Mari hat gemeint, das könnte doch hauke machen oder seine Frau, die wären uns noch ´was schuldig. Ich bin mir da nicht so sicher, wo wir doch die Tonnen und den Beton für Hennings Kutter-Aktion von ihnen gekriegt haben. Aber denkt Mari, fragen kost´ ja nix.

Eben weil nix los ist und richtiges Schietwetter ist, bei dem man eigentlich nur Briefmarken sortieren kann oder den Dachboden aufräumen und beides uns zuviel Action ist, beschließt die Mehrheit (ich = Jens, Ernst und Rudi) gegen die Stimme von Mari in den Dörpkro zu gehen. Manchmal haben wir so demokratische Anwandlungen, normalerweise entscheidet, der, der den Körper hat, aber das war Rudi auch zu viel…

Ach nö“, widerdenkt Mari, „Jungs, das könnt ihr mir doch nicht schon wieder antun: Immer dieselben alten Geschichten von Henning und Carsten…, die kennen wir doch schon in- und auswendig… Und anschließend kann ich uns wieder besoffen nach Hause wanken, Kopfschmerzen inklusive...“

Wir gehen trotz Maris Bedenken. Als wir im Dörpkro ankommen, sind, wie bei dem Wetter zu erwarten ist, Henning und Carsten schon da. Carsten ist bei dem Wetter nicht mit seinem Trecker unterwegs – der Boden ist zu nass und zu schwer, und Henning hat seinen Home Office Tag zu Elsa verlegt, das macht er häufig.

Als wir kommen, erklärt Henning gerade, dass er wegen der Serie von Fahrraddiebstählen am Campingplatz eine Sonderkommission leiten soll.

„Was“, sage ich und nehme unseren Stammplatz ein, „du leitest eine Sonderkommission, Henning, seit wann kannst du das denn? Bisher warst du doch nur fürs Kaffeeholen, für Fotokopien und so zuständig…“

„Naja“, gibt er zu, „ist ja nur ´ne kleine, nur zwei Mann…“

„Wieso das denn?“, will Elsa wissen.

„Naja“, erläutert Ernst nach einem Schluck Bier, „seit da die beiden Kieler Kollegen verschwunden sind…“

„Die ja vorher auf deinem Kutter waren…“, wirft Carsten ein, „bevor sie...“. Er macht eine ungefähre Handbewegung, die man als…, naja, irgendwie interpretiren könnte.

„… trauen sich die Kieler Kollegen nicht mehr her, und die Flensburger haben einen Mordsfall bei Beate Uhse am Hals, da sind irgendwelche Spielsachen in größerem Masse weggekommen, die haben alle Hände voll zu tun. Und die an der Westküste haben gesagt, bei ihnen haben sie tonnenweise Watt geklaut…“

Sagt mal“, denkt Mari fragend, „der Carsten hat in letzter Zeit im Vergleich mit früher zunehmend hellere Momente, oder? Oder kommt es mir nur so vor?

Spätentwickler?“, fragdenkt Ernst, „seit er die Lustmorde an den kleinen Russinen aufgeklärt hat, macht der sich, finde ich…“

Ob der auch…?“, mischdenkt Rudi sich ein

Was?“, will Mari wissen.

Nee, wahrscheinlich nicht, wäre aber auch so etwas von Zufall, nicht?

Was denn nun?

Könnte da bei ihm…, ich meine, in seinem Dösbaddel, auch einer…, so wie bei uns…? Da ist ja auch plötzlich der Ernst aufgetaucht, nicht…

Du meinst, da könnte sich auch ein zweites Bewusstsein entwickelt haben?

Ich mein´ ja nur. Also, wenn der plötzlich klug ist?

Hat doch keiner gesagt, dass der jetzt klug ist, nur mal ´nen lichteren Moment… Nee, Rudi, glaub´ich nichtdas wäre mir einfach zu viel Zufall.“

Henning redet natürlich weiter, er ahnt ja nicht – wie soll er auch? – dass wir kopfintern schnacken: „… Naja, hört sich für mich auch nach ´ner Ausrede an, oder? ´ner blöden sogar, aber was willst du machen? Faule Säcke allesamt oder Feiglinge… Und jetzt haben sie mir eben einen aus Lütjenburg geschickt – aber der ist schon zwei Tage bei Ikea verschollen! Der wollte sich nur schnell einen von diesen schwedischen Gesundheitsstühlen besorgen, hat er gesagt, weil der zweite Stuhl m Büro ja nur noch drei Beine hat. Das war ihn zu wackelig, „richtig gefährlich ist das hier“ hat er gesagt. Aber wahrscheinlich hat er das nur auf den Stuhl bezogen, glaub´ ich. Wenn ihr mich fragte, der steht da bei den Hot Dogs und frisst sich dick und rund – einen nach den anderen, die sind ja auch lecker, oder, schade, dass du so was nicht hast, Elsa, Hot Dogs, das wär´s, das wär´ ein Geschäft, glaube ich, das würde richtig gehen, nicht immer nur sauerfleisch oder so...“.

Elsa reagiert nicht auf seinen Vorschlag. Henning erwartet das auch nicht wirklich, weshalb er einfach weiterredet: „Wenn ich den man wieder mal zu sehen kriege…, naja, Stil hatte der ja, zur Begrüßung hat der ´ne Flasche Lütjenburger Doppelkorn mitgebracht – lecker!“. Henning leckt sich in Erinnerung an der Geschmack des Köms die Lippen, dann muss er doch eine Pause machen, um die trocken geredete Kehle mit einem Schluck Bier anzufeuchten.

„Was meinst du damit, Carsten?“, fragt Henning vorsichtig, „was war mit meinem Kutter?“

Carsten winkt ab, nuckelt ein bisschen an seinem Bier und wiegelt dann ab: „Ach nee, nix, gaaanix, lass man, Henning, war nix…, wirklich…“

Henning ist immerhin schlau genug, nicht nachzubohren, was Carsten gemeint haben könne, er sieht Carsten aber ziemlich misstrauisch an.

„Was nun?“, will Elsa wissen.

„Was was?“, fragt der immer noch irritierte Henning.

„Die Sonderkommission, was ist damit?“

„Wollte ich ja gerade erzählen… Sind ja nur wir beide!“

„Du meinst, den einen, der bei Ikea ist und den anderen, der hier beim Bier sitzt? Ja, denn fang´ doch mal an zu erzählen!“

„Würde ich ja gerne, wenn ihr mich nur lassen würdet, aber man kommt hier ja nicht zu Worte…“

„Wieso das denn?“, will Elsa wissen, „Wer unterbricht dich denn? Ist doch gar keiner da, außer Jens und Carsten. Und Jens hat noch kein Wort gesagt, seit er reingekommen ist und Carsten nur einmal ´was.“. Elsa schaut Henning an. Dabei geht sie die paar Schritte zum Zapfhahn. „Weißt du was, Henning?“

„Nee.“

„Ich zapf jetzt mal ein Bier für dich und die anderen halten schön den Mund, sagen mal nix, und du fängst an – ganz von vorne, oder?“

„Von mir aus“, seufzt Henning und wartet auf sein Bier. Keiner sagt etwas.

Außer Mari, aber das hört von den anderen ja keiner: „Man“, denkt Mari also, „diese Stille, diese Spannung, das soll mal einer aushalten…“

Findest du“, widerdenkt Rudi, klar, das musste ja kommen, dass er Mari widerdenkt, das machen die beiden ja immer miteinander, „von Spannung merk´ ich nix, ganz still ist, das stimmt, sonst is´ nix, finde ich.“

Man, das war ´nen Witz, Rudi“, denkt Mari in Richtung Rudi, aber wir beiden anderen kriegen das ja mit, ist schließlich unser aller Kopf.

„Denn sag´ das doch, denn lach´ ich auch“, denkt Rudi leicht beleidigt und dann noch, „du auch immer, du olle Schlaubergerin, bloß weil du studiert hast und andere hier nicht…“

Schon gut, Rudi“, mische ich mich dazwischendenkend ein, bevor das wieder knallt zwischen den beiden, „schon gut, die Geschichte kennen wir zur Genüge!“. Das wirkt erstaunlicherweise und in unserem Schädel herrscht für einen Moment lang Ruhe.

„So“, sagt Elsa und stellt Henning sein Bier vor die Nase, „hier ist eines für dich. Kein anderer hat eines gekriegt, zufrieden, Henning Pogwisch?“

Henning nickt.

„Tja, denn man los…“, fordert Elsa Henning auf. Carsten gibt ihr mit einem Handzeichen zu verstehen, dass sie für ihn und mich auch noch eines machen soll.

„Also, ihr wisst ja sicher“, beginnt Henning zu erzählen, „dass da am Campingplatz jetzt so um die…“, er denkt nach, um dann fortzufahren, „also, stücka 14 Fahrräder geklaut worden sind, nicht? Fast jeden Tag eines, immer früh morgens! Und die sind nie wieder aufgetaucht, waren ordentlich teure Räder dabei. Ihr glaubt ja gaaanich´, mit wie teuren Rädern die Touristen hier ankommen…“

„Ankommen tun sie offenbar damit“, wirft Elsa ein, „aber wegfahren können sie damit nicht wieder, oder?“, lacht sie.

Henning schaut sie streng an.

„Oh, Verzeihung“, sagt sie und schlägt sich mit der Hand auf den Mund, „ich sollte ja die Klappe halten sein…“

„Genau“, knurrt Henning, „sonst erzähl´ ich nämlich nix mehr… Also jeden Tag ist ein Fahrrad weg, oder fast, so mir nichts, dir nichts, einfach weg.“

„Dassis´ ja ein Ding“, entfährt es mir, „`tschuldigung, Henning, war nicht so gemeint, mach´ du man weiter.“

„Wenn es auch schwer fällt“, seufzt Henning wieder, „bei den dauernden Unterbrechungen… da soll sich einer konzentrieren können, und einen komplizierten Sachverhalt korrekt darstellen können… Eigentlich dürfte ich darüber ja gaaanich´ mit euch…, ist ja alles Polizeisache, geheim und so, ihr wisst schon. Ist ja ein laufender Fall, da dürfte ich ja eigentlich, also wenn man das ganz ernst nehmen würde, nicht mal mit mir selber drüber reden – aber man muss den Kopf ja auch mal frei kriegen, oder? Ich mein´, da muss ich doch einfach mal drüber reden…“

„Ja, finde ich auch, Henning,“ werfe ich ein, „und zwischendurch mal einen trinken, so zur Gehirnhygiene, nich´?“

„Genau!“, Henning schaut mich dankbar an, „dass du einen aber auch immer verstehst, Henning, das nenn´ ich wahre Freundschaft, naja, du bist ja auch nicht so´n Dösbaddel…“. Und an Elsa gewandt: „Mach´ uns beiden man noch mal einen und einen, Elsa, für mich und meinen Freund Jens, nich´ wahr.“

„Ja, wollte ich zwischendurch gerade mal fragen“, lächelt Elsa, „so von Profi zu Profi, also von Wirt zu Schluckspecht, noch´n Bier? Noch´n Köm? Für dich auch, Carsten?“. Alle nicken, sie macht sich an die Arbeit.

Henning schaut ihr beim Zapfen fasziniert zu. „Ja, mach´ mal richtig voll das Glas, Elsa“, fährt Henning doch fort, „so viel, wie man gerade reingeht, nich´, bis oben hin… Ja, das sieht doch mal gut aus!“. Henning meint sowohl das Bier- als auch das Schnapsglas. „Das ist ja so´n Seriendiebstahl, hatten wir ja noch nie hier… Fast so ´was wie´n Serienmörder…“

Was meint er?“, fragdenkt Rudi, „Spinnt der Henning jetzt total? Was hat das Klauen von Fahrrädern denn mit Morden zu tun? Und selbst wenn, versteht der ´was davon?

Glaub´ ich nicht“, denkt Ernst seinen Senf dazu, „woher denn auch?

„… Also da könnte ich euch Sachen erzählen…“, sagt Henning nach Bier und Köm.

„Wovon?“, traue ich mich zu fragen, weil Elsa gerade die ersten Biere verteilt.

„Von Serienmördern, natürlich…“

„Ich denke, das geht um Fahrraddiebstahl?“.

„Das is´ doch Kinnerkram, das mit den Fahrrädern, wenn der Kollege von Ikea zurück ist, denn legt der sich da morgens auf die Lauer, und denn haben wir den gleich, ist doch keine Sache…“

„Und warum machst du das nicht?, will Carsten wissen, „Ich meine, sich auf die Lauer legen?“

„Bist du blöd?“, fragt Henning und tippt sich an die Stirn, „Weißt du, wie kalt das morgens jetzt schon sein kann, Carsten? Und denn noch bei dem Regen? Das soll man lieber der Kollege machen…, also, find´ ich.“. Henning schüttelt sich bei der Vorstellung wie kalt und nass das sein könnte, da morgens am Campingplatz auf der Lauer zu liegen, nein, das ist nichts für uns´ Henning, findet Henning. Erschaut traurig seine leeren Gläser an, deutet auf das Bierglas und sagt: „Elsa!“. Elsa versteht, nimmt das Glas, zieht es kurz durch Wasser und füllt es wieder. Jetzt guckt Henning schon wieder fröhlicher.

„Nee“, sagt er dann, „Fahrräder, das ist ja man Kinnerkram, nix für´n echten Kriminalen, da ist der Kollege für zuständig, der ist da in Lütjenburg Spezialist, da klauen die Fahrräder wie die Raben, weiß auch nicht wieso, ist aber so. Das hat der echt drauf…, glaubt mir. Und betrifft ja auch keinen von uns, sind ja nur Touristen! Ich kümmer mich lieber um die großen Sachen, um kriminologisch Anspruchsvolles…“

„Was denn?“, will Carsten wissen.

„Serienmord!“, flüstert Henning.

„Gibt´s hier den so was?“, fragt Carsten erstaunt.

„Noch nicht…“

„Ja, aber…“

„Carsten, da muss man vorbereitet sein…“, erläutert Henning, „als Kriminaler. Das macht man denn nicht einfach so mit links. Da muss man…“, Henning tippt sich wieder an die Stirn, „hier drin vorbereitet sein, sonst geht da gaaanix, sonst hast du keine Chance als Kriminaler…“

„Auf einen Serienmörder?“

„Genau!“

„Seit wann verstehst du denn was von Serienmördern, mein Henning?“, will Carsten wissen.

„Seit ich damals in Quantico…“

Angeber“, läßt Mari sich denkend vernehmen, „der in Quantico…,der? Never ever!

Niemals“. Das ist Ernst

Woher kennt der die Namen?“. Das ist Rudi.

Da war neulich ´ne Sendung auf Discovery, informiert uns Mari intern, „die könnte er gesehen habenEr hat doch SKY – wegen der Bundesliga, da hat er auch Discovery.

„Was soll das denn sein, Kwant…, irgendwas?“, fragt Carsten schnippisch.

„FBI-Schule… Da kommen nur Gute hin…“

„Und da warst du?“, fragt Carsten skeptisch nach.

Das geht schief, Henning“, denkwirft Mari ein, „ich meine das mit dem Quantico“.

Auf jeden Fall wird´s spannend“, ergänzdenkt Ernst.

„Ja, damals als wir auch die Body-Farm besucht haben, der Polizeichef von Kiel und ich, als wir damals in den USA waren, zu Studienzwecken…“

„Da warst du doch nie“, mault Carsten, „da bist du nie gewesen, warst doch nie lange genug weg von hier, das ist doch in Amerika, oder? Das wüsste ich doch, nicht Elsa, wenn der lange genug weg gewesen wäre…, das dauert doch mindestens…, also, das wüssten wir doch wohl. Dafür warst du doch auch viel zu faul und viel zu doof. Du und der Polizeichef…, also nee, dass ich nicht lache…“

„Was soll das denn heißen, mein lieber Carsten, sei du man mal ganz vorsichtig! Wer von uns beiden doofer ist, dass ist doch wohl klar, oder?“

„Na, wer denn?“, fragt Carsten lauernd.

„Na du, du Blödmann, du bist haushoher Sieger in Doofheit, Goldmedaillengewinner: Carsten!“, lacht Henning, „war schon damals in der Schule so und ist auch so geblieben…“

„Weiß jeder, dass ich kein großer Schlaukopp bin“, gibt Carsten zu, „muss ich auf´m Trecker ja auch nicht sein. Da bin ich aber Spitze, egal wie schlau oder wie doof, aber ich bin jedenfalls nicht so faul wie du. Ich muss morgens raus – im, Gegensatz zu dir! Faulheit – haushoher Sieger, Gold… oder wie das heißen mag: Henning Pogwisch! Mensch von deiner Faulheit singen doch die Spatzen…“

„Wie meinst du das?“, will Henning wissen, „Carsten, eines will ich dir mal sagen… Und alle hier hören das, ihr seit meine Zeugen: So redet man nicht mit einem Beamten, nicht, mit der Staatsgewalt – das du das man weißt, alle Gewalt geht vom Staate aus, oder wie das heißt. Und der Staat bin ich. Ich ganz alleine. Jedenfalls hier im Dorf, also so weit mein Schatten fällt. . Und mich beleidigst du nicht, du nicht, du, Carsten, schon mal gaaanich! Du…, du…, du oller Treckerfahrer, du!“. Er ist dabei immer lauter geworden.

Man“, lachdenkt Mari, „ich lach´mich schlapp: „L’État c’est moi“, war das nicht Ludwig XIV oder so? Und jetzt kommt uns´ Henning damit… `n ganz schöner Abstieg für so´n Spruch, wenn ihr mich fragt: Vom Sonnenkönig zu Henning Pogwisch.“

„Ich zeig dir gleich mal, was du bist, du Hanswurst, Henning Pogwisch, genau, das bist du nämlich, nur ein Hanswurst!“, brüllt Carsten.

„Wer ist hier ein Hanswurst?“, fragt Henning gefährlich leise und nestelt irgendwo hinten an sich ´rum, wahrscheinlich, um an seine Pistole zu kommen. „Du nennst mich nicht Hauswurst, du nicht!“

„Henning“, sagt Elsa jetzt gefährlich leise, die Hennings Bewegung hintenrum gesehen hat, „lass dein Dingens stecken, hier wird nicht ´rumgeballert, in mein´ Dörpkro schon mal gaaanich´, weil, ich hab´ erst renoviert, alles neu hier, war teuer genug! Lass du das Ding stecken, dass rate ich dir, sonst kriegst du es mit mir zu tun, Henning Pogwisch, und das wünscht du dir nicht wirklich, das sag´ ich dir, da lernst du mich kennen – egal, ob Staatsgewalt oder nicht. Hier bei mir, hier im Dörpkro bin ich die Gewalt. Und zwar die einzige. Und denn bin ich gewaltig, Henning Pogwisch, so was wie mich hast du noch nicht gesehen. Ich bin dann die Urgewalt… Und wenn du meinst, hier rumballern zu können und wenn du das tust, dann machst du den Dreck hinterher selber weg, versprochen, Henning! jeden einzelnen Blutstropfen… Hast du mich verstanden, Blödmann?“

Hab´ich doch gedacht“, denkt Mari, „es wird spannend…“

Und du wolltest nicht her…“, gibt Rudi zu Bedenken.

Ja, ja“, gibt Mari zu, „konnte doch keiner wissen, was hier heute abgeht…“

„Welchen Dreck denn?“, fragt Carsten, der blitzschnell zugepackt hat, und Hennings Arm festhält, „Und wessen Blut denn? Meines? Nee, das glaube ich nicht, Elsa, vorher verbieg´ ich ihm nämlich nicht nur sein albernes Dingens…“

Wenn Carsten erstens richtig zupackt und zweitens etwas richtig festhält, dann fühlt sich das festgehaltene Teil, als befindet es sich in einem Schraubstock – und zwar einem, der ziemlich fest zugedreht wurde. Carsten hat Muskeln, da träumt Österreichs Arni nur ´von, das sind Muskeln, die haben Sie noch nicht gesehen, Sie verstehen? Die sind nicht von der diesseitigen Welt. Carstens Muskeln sind aus Stahl, ach was, viel besser…“

Henning wird unter dem Druck von Carstens Hand um einen Unterarm blass. „Lass´ los“, sagt er gequetscht, als ob Carsten seinen Hals im Schwitzkasten hätte. Carsten reagiert gar nicht. Er hält Hennings Arm mit der Linken, mit der Rechten trinkt er sein Bier – ganz ruhig, er verschüttet keinen Tropfen.

„Lass los“, sagt Henning mit rauer Stimme, „du tust mir weh…, verdammt!“

„Vorher versprichst du mir ´was“, sagt Carsten ganz ruhig, „ja?“

Hennings Stirn ist schweißnass. „Was?“, fragt er heftig atmend.

„Die Sache klären wir draußen“, erwidert Carsten, „wir beide, ganz allein… nur du und ich… ohne Pistole. Deine Pistole lässt du hier, auf die passt Elsa auf, nicht wahr, da passiert doch nix mit, oder?“

„Nee“, stimmt Elsa zu, „die kannst mir ruhig geben, da ballert keiner mit rum…“

Carsten drückt noch ein bisschen mehr zu.

„Is´ gut“, stöhnt Henning.

„Nimm ihm mal seinen Ballermann ab, Jens“, fordert Carsten mich auf, „nicht dass der Kerl auf dumme Gedanken kommen tut, wenn ich ihn losgelassen hab´, nich´…“

Ich nehme Henning seine Waffe ab und reiche sie Elsa. Die legt sie in eine Schublade unter ihrem Tresen. „Sicher wie n Abrahams Schoß“, sagt sie bestimmt, schließt die Schublade ab und steckt den Schlüssel in die Tasche ihrer Kittelschürze, „da müsste mich schon einer vergewaltigen, wenn er da ´ran kommen wollte. Und den möchte ich sehen, der sich das Trauen tut. Der ist tot, bevor er „au“ sagen kann. Ist ja nicht so, dass ich nicht wollen täte, also manchmal, aber nich´ mit Gewalt, nich´ bei mir, nee, nee… Elsa kriegste so oder gaaanich´!“.

Carsten lässt Hennings Arm los. „Na gut“, sagt er, „denn klären wir das jetzt. Draußen! Du gehst vor“, bedeutet er Henning, „ich hab´ dich lieber im Auge, weist du, du… Staatsgewalt, du…“

Seinen gequälten Arm mit der anderen Hand haltend, geht Henning n Richtung Tür. Als sie draußen sind, und kippt Elsa einen Schnaps hinunter, schüttelt sich kurz und fragt dann: „Sag´ mal, Jens, was war das den jetzt? Träum´ ich jetzt? Was haben die da draußen vor – ein Duell? Is´ doch gaaanich Morgengrauen, oder? Ist doch vier Uhr nachmittags, da duelliert man sich doch nicht…, ist´ doch die falsche Zeit, wenn du mich fragst?“. Nach einem kurzen Moment fährt sie fort: „Was machen wir hier drinnen, raus Jens, das muss ich sehen…“

Kaum hat sie ein paar Schritte gemacht, um hinter ihrem Tresen vorzukommen, geht die Tür wieder auf und die beiden Duellanten kommen wieder herein.

„Was´n jetzt los?“, fragt Elsa völlig baff, „wir wollten gerade ´rauskommen, zugucken, wie ihr euch… und da kommt ihr wieder rein? Keine Traute mehr, oder was?“

„´s regnet…“, erwidert Henning traurig.

Wie?“, denkt Mari, „erst ein Duell auf Leben und Tod, oder so, und denn keine Traute bei Regen? Was seid ihr denn für Helden?

„Is´ ja ganz glitschig draußen bei dem Regen“, sagt Carsten, „da kann man auf Blättern ausrutschen oder auf Ästen, da kann man sich ja ´nen Fuß brechen…“

„Was?“, brüllt jetzt Elsa halb vor Wut, halb vor Lachen, „Blätter und Äste? Vor meinem Dörpkro? Ihr beiden Trantüten seid ja wohl von allen guten Geistern verlassen? Da, wo ich jeden Tag fege? Da sollen Blätter und Äste sein? Ich sag´ euch mal eins, ihr Pinselaffen: Da traut sich kein verdammtes Blatt und kein beschissener Ast hin! Niemals! Was fällt euch denn ein, hr Idioten? Da draußen, wo Elsa täglich fegt, da könnt ihr von Boden essen, ihr Feiglinge…“

„Ja…, nee…, Elsa“, gibt Henning zu, „is´ ja man so: Bei dem Regen da draußen, da kannst du dir ja den Tod holen bei so einem Fight, das ist ja lebensgefährlich, oder?“. Er schaut mich hilfesuchend an.

Ich zucke nur mit den Schultern, muss mir das Lachen verkneifen..

„Ich meine…, wir dachten…“, sagt Henning leise, „wir machen das wie bei Röde Orm [für die unter Ihnen, die es nicht kennen, Röde Orm ist ein Buch über die Erlebnisse zweier Wikinger, muss man gelesen haben], die haben ja auch drinnen gekämpft, nicht, also in der Königshalle, oder so?“

„Was meint ihr beiden Trottel ganz genau damit, wenn Ihr davon sprecht, von wegen „drinnen kämpfen“? Ihr beiden Schwachköpfe glaubt doch nicht etwa, ihr könntest hier drinnen, hier bei mir, eine Sauerei beginnen? Ihr seid ja wohl nicht ganz bei Trost, ihr beiden Idioten… Damit mir der ganze Laden zu Bruch geht? Die schönen Tische und Stühle? Man, die sind von meinem Vater! Und der hat sie von seinem Vater übernommen – das sind Antiquitäten, ihr Esel! Die lasst ihr beiden Möchtegern-Wikinger nicht zu Bruch gehen, die bleiben heil! Und wer hat hinterher die ganze Sauerei am Hals? Ihr doch nicht, das bin ich doch!“

Inzwischen steht Elsa direkt vor Carsten und Henning, die zwar ein bis zwei Köpfe größer sind als Elsa, aber wie begossene Pudel mit gesenkten Kopfen und vor Scham roten Gesichtern dastehen.

„Sagt mal, wie blöd seid ihr eigentlich, ihr beiden? Da sind Haukes Ochsen ja schlauer als ihr beiden… Duellanten! Du, unser Ortskriminaler hier, Henning, und du, unser Ostholsteinmeister im Geradeauspflügen? Ihr wollt euch prügeln? Wie alt seid ihr denn? Ihr seid doch keine kleinen Jungs mehr! Man, wie lange kennt ihr euch? In eurem Alter prügelt man sich nicht. Da kann man sich verletzen! Wie blöd müsst ihr eigentlich sein, man sollte euch jeweils eine Ohrfeige geben, die sich gewaschen hat, nur damit ihr klug werdet…“

Die beiden schauen die wirklich wütende Elsa bedröppelt an. Da holt Elas aus und haut jeden eine Ohrfeige, Carsten eine mit rechts und Henning eine mit links. „So“, sagt sie, „da habt ihr eure Prügel – und nun is´ gut…, oder, Jens?“

„Ja, finde ich auch!“.

Scheiße“, denkt Mari unerwartet undamenhaft, „kaum ist mal ´was los hier, da ist auch schon wieder Schluss… warum ist Elsa denn so verdammt vernünftig?

Carsten hält sich die rechte Wange und Henning die linke. Elsa hat ordentlich zugehauen – aber die beiden sind eher erschreckt und verblüfft als verletzt, dazu sind die Gewichtsklassen zwischen den beiden Männern und Elsa zu unterschiedlich: Superschwer- (Carsten) und Schwergewicht (Henning) gegen Leichtgewicht (Elsa).

„So, jetzt setzt euch wieder, ihr bösen Jungs“, lacht Elsa und ich geb´mal ´ne richtige Runde aus. Sie geht hinter ihren Tresen, holt eine neue Buddel Köm aus der Kühlung, stellt sie und vier Gläser auf dem Tisch, geht zum Zapfhahn und sagt: „Jens, du schenkst aus, ich mach´ die Biere dazu fertig. Und wenn die Buddel leer ist, sind wir wieder Freunde – alle miteinander, klar? Und du, Henning Pogwisch, kannst dir deinen Ballermann morgen oder übermorgen abholen, aber erst, wenn du wieder nüchtern bist.“

Ich schenke aus, wir trinken.

Eine halbe Flasche Köm und fünf kleine Biere später hat sich bei Henning und Carsten jeweils ein blaues Auge entwickelt. Erstaunlich, was in der kleinen Elsa für´ne Kraft drin steckt, wenn die zuhaut. Die Themen Fahrräder und die Serienmörder haben wir wohl vergessen, jedenfalls wird nicht mehr darüber gesprochen, Gott sei Dank – wir meiden das Thema ja, wo es geht!

Später am Abend wankt Mari uns nach Hause. Sie findet ausnahmsweise, dass sich der Besuch bei Elsa mal gelohnt hätte.

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