KBDiese Website zeigt meine sehr persönliche Sicht vom Leben, von der Welt und dem ganzen Rest. Man könnte sie als antikapitalistisch und antiamerikanisch verstehen. Gut so, stimmt schon... Sie will weder politisch "korrekt" sein, noch kümmert sie sich in den meisten Fällen um die Meinung der Duden-Redaktion zu meinen Schreibweisen.
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Der Krabben-Generator

Ich war neulich an der Nordsee. In einem dieser typischen Krabbenkutter-Häfen, Sie kennen sie, wollte ich frisch gepuhlte Krabben direkt vom Kutter kaufen.

Der Anblick war göttlich, der Geruch auch. Ein Lautsprecher dudelte ununterbrochen „Renate, ick hev Di Krabbenpuhlen sehn“ von Torfrock. Die Situation: Unwiderstehlich! Mir lief das Wasser im Mund zusammen, ich hielt das Geld schon in der Hand und beugte mich zum Krabbenverkäufer auf seinem Kutter hinunter.

Nordseekrabbe B 2Nordseekrabbe B 3Im Bild links wird schwarz umrandet der essbare Teil der Nordseekrabbe dargestellt. Natürlich hat es Versuche gegeben, Krabben zu züchten - teilweise recht erfolgreiche. Aber nicht beherrschbare Infektionen haben die Zuchbestände immer wieder vernichtet. Im Bild rechts die Dimensionen der von Krabben-Generator hergestellten Kunst-Krabben. 

 "Einmal...", konnte ich gerade noch sagen.

„Bist Du wohl doof“, hielt mich Freund D. zurück, „ Du kannst hier doch keine Krabben kaufen, hier doch nich...“

„Warum denn nich“, wollte ich wissen, „die verkaufen sie doch, die Krabben. Hab´ ich früher doch auch gemacht. Und wenn ich die hier im Hafen kauf´, denn sind die wenigstens nicht nach Marokko zum Auspuhlen schickt worden. Die hier, die sind frisch!“

"Ja, früüüher", sagte Freund D., "früüüher schon. Aber nun doch nich mehr. Klar, die verkaufen da ´was! Soweit ist schon richtig. Und Marokko hat das Zeugs, dass die hier verkaufen tun, auch nie gesehen, soweit ist das schon richtig."

"Und?", fragte ich ihn, "warum soll ich also nicht...?"

Da nahm D. mich am Arm, wies auf all die schönen neuen Häuser der Innenstadt am Hafen. „Siehst Du die Häuser da?“, fragte er.

„Ja, klar“.

„Was meinst Du wohl, wem die gehören tun?“, wollte er wissen.

Ich zuckte uninteressiert die Achseln.

„Krabbenfischern“, flüsterte er und zog mich um eine zugige Ecke, "denen da", und er zeigte auf die beiden auf dem Krabbenkutter, bei denen ich gerade kaufen wollte, und nun komm man mal mit."

„Habe ich vermutet“, sagte ich ihm folgend, "wem denn sonst, bei den Krabbenpreisen."

„Genau“, murmelte D., „bei den Preisen... Aber weißt Du denn nich, dass es da draußen vorm Deich so gut wie eigentlich gaa keine Krabben mehr geben tut?“, wollte er dann wissen.

„Nee“, war meine Antwort, "echt? Und die Krabben da auf dem Kutter?"

„Tja, siehst Du“, nickte D., „das isses ja gerade. Also - 1.) es gibt da ja gaa keine Krabben mehr", er zeigte über den Deich, aber 2.) da unten am Hafen, da tun sie welche verkaufen... Zwei minus eins ist nämlich Null, oder? Verstehst Du nun, Du Dösbaddl?“.

„Nee“, gab ich zu, „wie soll das denn gehen...? Zwei minus eins ist doch eins, ach mensch, Du verarscht mch doch. Erst gibt es gaa keine, also Null - aber denn verkaufen sie sie doch, also eins? Also das wäre ja höchstens Null plus eins, nich? Und das wäre ja eins.“

„Tja“, sagte mein Freund D. nachdenklich, „so is das nun mal. Denn komm man mal mit. Ich werde Dir mal die ganze Geschichte erzählen... Und denn wirst Du verstehen, warum "keine Krabben" plus Hafenverkauf lauter Millionäre ergibt.“

Wir gingen 100 m vom Hafen weg, fanden eine Kneipe, bestellten Bier und Köm ("Davon wirst Du einige brauchen", meinte Freund D.). Und das war sie im Großen und Ganzen:


Nordseekrabben (Crangon crangon)

sind in Norddeutschland eine sehr begehrte Speise – dementsprechend sind sie teuer, sehr teuer. Gefühlt werden sie jede Woche teurer. Ein Krabbenbrötchen kann da an der Küste schon mal 6 bis 7 Euro kosten, weiter drinnen im Land bis zu 12,- €. Und dann hast Du noch kein Spiegelei, kein Bier und nix dabei.

Weil die Krabben so teuer sind, sind – gefühlt – immer weniger Krabben auf den Brötchen. Da scheint es einen gegenläufigen Trend zu geben: Krabbenbrötchenpreis (steigend) versus Krabbenmenge (fallend)...

Da hatte mal jemand (ich vermute ja meinen Freund D.) so eine Idee – wenn die Krabben also immer teurer werden, dann wird das daran liegen, dass der Krabbenbestand (und damit die Menge der gefangenen Tiere) abnimmt und der Bedarf wächst. Dieses Problem ist aber zu lösen, denn es ist ja ein typisches Wirtschaftsproblem im Kapitalismus: Steigender Bedarf bei abnehmendem Angebot. Die ebenfalls typische kapitalistische Lösung: Steigende Preise. Aber irgendwer hatte eine Idee, die zur Lösung der sogenannten Krabbenkrise wurde.

Das Wichtigste an der Lösung, also die Grundvoraussetzung, ist, dass man für sie gar keine Krabben mehr benötigt! Das ist genial, finden die Krabbenfischer! Aber eine Maschine. Nennen wir sie „Krabben-Generator“.

Man braucht

  1. Fischkutter, je älter je besser (dient nur zur Tarnung und zur steuerlichen Abschreibung)
  2. Die Maschine "Krabben-Generator"
  3. Einfüllstutzen
  4. Mühle
  5. Separator (Gewebeflüssigkeit, Seewasser, Darminhalte etc.)
  6. Mischer mit diversen Einfüllstutzen
  7. Krabbenformen
  8. Energie
  9. Sogenannten Beifang
  10. Etwas Watt (Modder)
  11. Lebensmittelfarbe
  12. Gewürze
  13. Touristen (fürs Geschäft)

Also, den Fischkutter brauchen wir primär zur Tarnung des Produktionsbetriebes, zur Täuschung der täuschungsbereiten Touristen ("die Story") und zum Verkauf der angeblich frisch gepuhlten Krabben im Nordseehafen. Hilfreich wären einige dressierte Möwen, die so tun, als ob ihnen die "Krabben" schmecken würden. Weiterhin hilfreich wären größe Hinweisschilder auf die Raubmöwen, die den "Krabben" angeblich nicht widerstehen könnten.

Die erforderlichen Naturstoffe können in großen Mengen von anderen Kuttern oder aus der Aquaristik in eine Fabrik hinterm Deich angeliefert werden, alternativ kann man mit dem Kutter auch die natürlichen Grundstoffe aus dem Wattenmeer holen und die an Bord verabeiten.

Wir brauchen

  • Diverse Kleinkrebse – die natürliche Nahrung der Krabben für den Grundgeschmack.
  • Beifang – beliebige kleine Fische (am besten solche, die nicht unter Naturschutz stehen). Es tut jede Art, sie muss nur nach Fisch schmecken. Für das Fischige im Geschmack und den Eiweißanteil
  • Fischmehl für den typischen Geruch
  • Einige Kilo Borstenwürmer – auch natürliche Nahrung der Krabben, für den Geschmack (evtl. aus Angelfachgeschäft)

 

Krabbengenerator

Arbeitsprinzip des Krabben-Generators. Genaueres ist zu geheim... 

Das Rezept

  • Beifang und Borstenwürmer werden naturnah getötet (beliebige Methode) und gemeinsam in der Mühle sehr fein gemahlen. Austretende Restmengen an Zellflüssigkeiten werden aufgefangen.
  • Das frische Fisch-/Wurmmehl wird mit den Kleinkrebsen und mit etwas Wattboden (Modder) vermischt – der Modder gibt eine typische Nordsee-Geschmacksnote.
  • Das Ganze wird aufgekocht und noch einmal durch ein feines Sieb gepresst.
  • Je nach Konsistenz des erzeugten Mehles wird Fischmehl, Seewasser und etwas der aufgefangenen Flüssigkeit zugegeben. Je nach Farbe des Rohkrabbenmehls wird Lebensmittelfarbe nach Bedarf hinzugegeben. Das erfordert etwas Erfahrung, ist aber lernbar.
  • Jetzt kommt die geheime Würzmischung (die v.a. aus Salz und Maggipulver besteht) hinzu.
  • Ca. 30 Minuten bei ca. 30°C gut durchgühren.
  • Danach wird das alles kurz, aufgekocht, abschmeckt und durch feine Düsen in Krabbenformen (wie in der Schokoladenindustrie) gespritzt. Jedes Krabbenformblech weist 1200 Krabbenformen auf. Als letztes werden einige Krabbenpanzerteile von echten Krabben auf Stücke von 3*5 mm verkleinert und über den Blechen mit den Formen verteilt (wegen der Echtheit im "Biss")
  • Jeweils 20 Formen kommen für ca. 20 Minuten in einen Backofen. Dann sind die "Krabben" fertig. Sie werden mit Seewasser von außenbords abgekühlt.

Der Kutter kann wieder vor dem Horizont auftauchen, in den Hafen einlaufen und die frisch gepuhlten Krabben direkt am Kai an Touristen verkaufen: 200 Kubikzentimeter (das ist die kleinste Menge, "Kubikzentimeter statt Gramm" ist wichtig, da kann der Kunde den Preis nicht umrechnen) für 12,- €. Wareneinsatz in der Produktion ca. 1,- Euro. Rest ist Rohprofit. Steuern werden nicht bezahlt. Warum auch? Sind ja keine Krabben...


Da verstand ich auch all die schönen neuen Häuser... Auch das von D., der hatte das schönste - wegen der Idee. Ach so, ja, das wollte ich noch sagen, die Idee, hat mir D. gesagt, hatte er auf einer Vietnam-Reise... Was glauben sie denn,wo die ganzen Flusskrebse herkommen, die die Vietnamesen seit ein paar Jahren verkaufen - und dann noch in den Mengen! Wir haben dann noch über Hummer(scheren) und Schollen(filets) geredet, war interessant. Freund D. hat daraufhin einige Telefonate geführt, kam grinsend vom Münztelefon zurück, und meinte, alles sei klar, die Jungs seien hochgradig interessiert. Nächstes Jahr soll es auf den Krabbenkuttern auch Hummerscheren und frisch gebratene - garantiert grätenfreie - Schollenfilets geben. 

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