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Früher war alles einfacher, da hieß das hier Querdenken, Querdenkereien oder Quer-ich-weiß-nicht-was. Dann kamen diese unegalen Möchtegern-Querdenker, die verrückten Ärzte, Köche, Nazis, Impfgegner und Gates-Feinde, die allesamt Corona ablehnen, und das auch öffentlich abstands- und maskenlos protestieren. Mit denen möchte ich bitte auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden. Deshalb kein Querdenken mehr, das könnte verwechselt werden, jetzt bin ich eben am ceterum censeo...
 Bananenbuch
"Wenn Bananen "Wenn Gondeln Trauer tragen" sehen.
Ein außergewöhnlicher Fotocomic, den man gelesen haben muss

Hier in voller Länge

Trauer um Max. Der aus Neugierde eine Autopsie bei sich machen ließ.

Ich komme gerade von Max´ Beerdigung. Sie war nicht sehr eindrucksvoll, kann ich Ihnen sagen, es waren auch nur eine Hand voll Leute da.

Das hat eher nach einer ALDI-Nord-Beerdigung ausgesehen – können Sie sich sicher vorstellen. War ja auch eine. Da erwartet man ja auch nichts Besonderes.

Aber an den Blumen haben sie schon zu sehr gespart, fanden wir alle. Oder was sagen Sie zu 4mal 12 Tulpen im Klarsichtbeutel als Sargschmuck?

Ich fand´s jedenfalls immer noch zu teuer für den Preis, `n bisschen mehr hätte ich mir schon erwartet. Gibt ja auch gute Weine bei ALDI, verstehen Sie... Eine Feuerbestattung wäre billiger gewesen, aber das hätte er nicht gewollt. Wenn er im Feuer verschwinden wolle, dann hätte er sich im Leben mehr auf der Minusseite bewegt, hatte er einmal gesagt. Tja, unser Max. Sein letzter Wille, sozusagen.

Schließlich haben wir alten Freunde von Max alles bezahlt. Er hatte ja kein Geld mehr. Sein bisschen Geld hatte er für etwas anderes ausgegeben. Für seine Autopsie.

Sie kennen Max vermutlich nicht, glaube ich, Max war ja auch eher ein Einzelgänger, keiner, der Wert auf Kontakte mit anderen legte, als er noch lebte. Er war mehr selbstbezogen, ein „Ich-Mensch“. Nicht, dass er dabei unangenehm gewesen wäre. Er redete nicht gerne, und hörte auch nicht gerne zu. Einer von hier eben. Aber er lauschte zum Beispiel bei jeder Gelegenheit in sich hinein, horchte, ob und was seine Leber, sein Darm, sein Herz oder irgendwelche Knochen und Gelenke ihm sagten. Dauernd hatte er eine neue Krankheit, von der noch keiner je ´was gehört hatte. Manchmal haben wir ihn als Krankheitsdesigner bezeichnet. Immer fand er die besten Spezialisten für seine Krankheiten. Für seine Krankenkasse war er jedenfalls echt Scheiße.

Max las so gut wie nie, hatte keine Zeit dafür, meist, weil irgendein Organ oder ein Muskel wieder zum ihm sprach. Wenn er etwas Interessantes gehört hatte, rannte er zum Spezialarzt, um sich das Gehörte erklären zu lassen.

In seiner Einraumwohnung hing nur ein Bild an der Wand (naja, für mehr hatte er auch keinen Platz), das war eine anatomische Tafel, auf der er täglich eintrug, welches Organ ihm was mitgeteilt hatte. Eine Tafel reichte für jeweils ca. ein viertel Jahr, dann war sie vollgeschrieben – sein Gesundheits- oder besser Krankheitsarchiv, nannte er das. Manchmal nervte er uns damit, wenn er eine ganz besondere neue Krankheit in sich gefunden hatte. Ein bisschen irre war er schon.

Eines Tages – das ist noch gar nicht so lange her – war ich bei ihm zu Kaffee und Kuchen gewesen.

„Nee“, hatte er kopfschüttelnd abgelehnt, „keinen Kuchen, Kuchen geht gar nicht, hat mir mein Professor gesagt. Ich muss doch mein Knie operieren lassen...“

„Tatsächlich?“, warf ich mäßig interessiert ein und nahm noch eine Gabel Schoko-Kirsch-Torte. „Ist aber richtig gut, solltest Du probieren! Was sagt das Knie denn?“

„Aua. Es sagt aua. Dauernd. Bei jedem Schritt. Der Kuchen sieht gut aus. Darf aber nicht. Mein Herz, weißt Du. Und meine Blutfettwerte – eine reine Katastrophe! Ein Wunder, dass ich noch lebe, hat der Arzt gesagt. Echt. Und dann die Blutgerinnung. Und das ständige Vorhofflimmern. Scheiße, sage ich Dir, alles Scheiße. Ich müsste längst tot sein! Bei den Werten. Und dann die Schmerzen. Die Ärzte konnten´s gar nicht glauben. Alles haben sie mir verboten: Kein Kuchen, kein Schweinebraten, keine Frauen, kein Alkohol, nicht einmal im Haarwasser, nix...“

„Ist ja schlimm. Ist es so schlimm? Aber Du lebst!“

„Ja, ein reines Wunder! Ein reines Wunder...“

„Und was hast Du nun?“

„Das isses doch, genau das. Diese Ungewissheit. Das weiß doch keiner. Jedenfalls sagt mir keiner was. Dabei war ich bei x Ärzten, habe alle Untersuchungen gemacht – alles Pfeifen, sage ich Dir. Keiner will mir sagen, was ich habe. Oder sie wissen es wirklich nicht. Das Schlimmste ist diese Ungewissheit, weißt Du, nix genaues zu wissen – es zwickt heute hier, morgen da! Immer Schmerzen. Naja, Scheiß drauf, vielleicht mein letztes Stück Torte...“. Damit griff er herzhaft nach dem vorletzten Stück auf meinem Teller. „Weißt Du was?“

„Nee“.

„Ich habe da eine geniale Idee. Ich will es jetzt wissen. Endgültig. Und denn verklag´ ich sie alle, die Scheißdoktors... wegen Nichtwissen und dem ganzen Geld, dass sie mir abgezogen haben!“

„Echt?“, fragte ich und nahm das zweite Stück Torte, das ich für ihn mitgebracht hatte.

„Ja, ich habe mich entschieden, ich lasse mal ernsthaft nachsehen, also quasi ultimativ. CT und MRT hatte ich ja schon. Nix drauf zu sehen. Mein Gott, wie die da draufstarren und dann den Kopf bedenkenvoll wiegen und hhm murmeln. Und denn wissen sie wieder nix. Reiner Betrug, sage ich Dir. Kostet ´n Schweinegeld und denn ist da nix drauf! Die Krankenkasse hat mir schon die gelbe Karte gezeigt. Verstehen auch von nix ´was, wollen nur sparen...“

„Und was ist nun Deine geile Idee?“

Max ließ mich einen Moment warten, in dem er noch einmal bei der Torte zulangte. Dann triumphierend: „Ich lass´eine Autopsie bei mir machen“.

Ich wollte ´was sagen, konnte aber nicht, weil ich mich vor Schreck an dem Kaffee verschluckt hatte.

„Mach keinen Scheiß, Mensch...“, habe ich dann irgendwann gesagt, als der Kaffee endlich den richtigen Weg entlang der Schwerkraftlinien genommen hatte, „das überlebst Du doch nicht...“

„Ach was“, hat er geantwortet, „das Risiko ist durchaus überschaubar, habe ich mir sagen lassen – wenn der Richtige das macht!“

„Nee, Max, he, warte mal, der Sinn der Autopsie ist doch...“

„Das musst DU mir nicht erklären, bist doch auch so ein ungläubiger Thomas. Ich habe mir nämlich ein Fachbuch gekauft“.

„Buch? Du? Du hast doch noch nie ein Buch gelesen.“

Er wieselte zu seinem Schrank, kramte eine Weile und kam triumphierend grimassierend mit einem Wälzer in der Hand zurück.

„Hier“, sagte er, „musst Du mal lesen“, und damit drückte er mir die ziemlich zerlesenen 3 Kilogramm in die Hand: „Lehrbuch der Pathologie“. „Ist irre, was die heute alles machen können. Lies mal die Seiten 551 bis 617.“

Ich schlug das Buch ganz vorne auf. „Ist von 1978“, wandte ich ein, „ziemlich alt für ein Fachbuch.“

„Papperlapapp“, winkte er ab, „Wissenschaft bleibt Wissenschaft! Hast Du eine Ahnung, was die heute für solche Bücher verlangen? Ein Vermögen... Dabei sind die von der Pharmaindustrie gesponsert! Weiß doch jeder. Kannst Du kein Wort von glauben, glaub´ mir. Und das da“, er deutete auf den Wälzer, „habe ich über eBay billig erstanden, war ´ne Okkasion, echt günstig. Und das Wichtigste: Kein Sponsoring. Gab´s damals noch nicht. Kann man noch jedes Wort von glauben.“

Ich legte das Buch zur Seite: „Du weißt aber schon, was ´ne Autopsie ist?“

„Mensch, Du kannst Fragen stellen, man. Steht doch alles da drin. Du glaubst ja nicht, was die Patho...“, er zögerte, „naja, die Kerle eben, die das machen, alles aus den Organen herauslesen können, unglaublich! Besser als Wikipedia, und die sind schon besser als die Doktors! Die hier finden jede Krankheit, jedes Kraut, was Du geraucht hast, die können aus den Knochen sagen, ob Du Männlein oder Weiblein bist und wie alt – alles. A L L E S! Die Leber zum Beispiel...“

Ich winkte ab. „Max, erstens solltest Du auch so wissen, was Du bist..., also Mann oder Frau oder sonst was. Und wenn Du wissen willst, wann Du geboren bist, frag doch einfach mal Deine Mutter. Die wird das noch wissen. Und wegen der Leber – ich weiß, was ich getrunken habe, und Du weißt das auch.“

„Nee“, sagte er und schüttelte den Kopf, „wie sollte ich denn? Ich war doch vorgestern gar nicht dabei, als ihr in der Hafenkneipe einen (???) gebechert habt!“

„Max, ich meine, DU bist doch immer dabei, wenn DU ´was trinkst, oder?“

„Ach so,“ nickte er, „ja schon, meistens..., ´ne Zeit lang, bis dann irgendwann nicht mehr. Aber“, fügte er nach einer Weile hinzu, "ich weiß ja nur, was auf den Buddeln draufstehen tut, nicht, was die da wirklich reingetan haben. Das kann schon ganz ´was anderes sein, glaube mir.“

Ich gab auf. „Okay, wenn Du es so siehst. Und was willst Du mir nun sagen?“

„Ich will so eine Autopsie bei mir machen lassen!“

Ich starrte ihn an. Und starrte. Und starrte.

„Was is´?“, fragte er schließlich (Max kann lange Gesprächspausen nicht ausstehen), „was is´? Da biste baff, oder? Klasse Idee, oder? Ist bisher noch keiner vor mir draufgekommen!“

„Ja“, sagte ich, „und das hat auch einen Grund!“

„Pah“, winkte er ab, „scheiß ich drauf, ich lass das machen.“

„Tatsächlich?“, war alles, was ich sagen konnte.

„Ja“, gab er überzeugt zur Antwort, „die machen da ´ne ganze Menge bei. Überleg mal: Allein, wenn die das Gehirn rausgenommen haben – dann wiegen die das und können allein aus dem Gewicht feststellen, wo Du was im Gehirn gedacht hast!“

„Oder auch nicht...“

„Was willst Du damit sagen? Dass ich nicht denke?“. Er sah mich lauernd an.

„Nee, nee, eher im Gegenteil...“

Sein Gesichtsausdruck entspannte sich. Einen Moment war er wirklich sauer gewesen, glaube ich.

"Oder die Augen. Die letzten Bilder, die man gesehen hat, sollen sich da eingebrannt haben, super, oder? Wenn ich zum Beispiel die Benny als letzte gesehen hab´, denn hab´ich ihre Titten für immer..."

"Sag´mal, Max, merkst Du eigentlich, was für ein Blödsinn Du redest?" 

„Nee, wieso, die Dinger von der Benny sind doch einsame Klasse! Selbst, wenn sonst nix is, die lohnen sich doch... Oder das Herz, nur so zum Beispiel, das kann noch ganz warm sein und fröhlich vor sich hinschlagen. Klasse, sag´ich Dir, stell Dir mal vor, Du nimmst Dein eigenes Herz in die Hand und spürst genau, ob es richtig schlägt, zu langsam oder zu schnell oder daneben... Und wenn es Dich sieht, also ja eigentlich sich, dann freut es sich und wedelt mit dem Vorhof oder so...  Ist doch irre... Musst Du doch zugeben. Oder dieses Vorhofflimmern - das kann man richtig sehen. Ein kleiner Klaps und es läuft wieder richtig. Schnurrt geradezu.“

„Genau, Du sagst es, Max, irre!“

ER hatte meinen Einwand offenbar gar nicht wahrgenommen.

„Oder mein Knie, das, was immer so weh tut. Da kann ich dann genau sehen, warum der Mistkerl immer so schmerzt. Und dann kann der Chirurg das richtige Ersatzteil einbauen. Der reine Wahnsinn!“

„Aber Max, selbst wenn Du das machst, also die Autopsie, das kannst Du doch gar nicht mehr erleben, Max.“

„Da kommt der kluge Herr Abiturient mir jetzt aber mal wieder sehr von oben daher – ich frage Dich, hast Du so ein Buch schon mal in der Hand gehabt?“

„Äh, nein...“

„Oder gelesen?“

„Nein...“

„Also woher willst Du denn wissen, was geht und was nicht?“

„Abitur, vielleicht? Etwas Bildung? Interesse für Naturwissenschaften?“

„Und bei Deinem Uraltabitur - gilt das eigentlich noch? - ging es damals um moderne Medizin?“

„Nein, das ist Allgemeinwissen, Max! Die hat man...“

„Oder ich nicht, das willst Du mir doch sagen, oder? Arrogantes Arschloch. Hast Du sicher im Fernsehen gesehen, oder? Krimi? RTL DOKU?“

„Auch“

„Lügenpresse, alles Fake News! Da ist doch nichts von wahr.“

„Bei dem, was Du meinst, geht es doch um Politik, Max!“

„Ach was“, winkte er ab, „alles fake! Alles. A L L E S!“

„Max,“ versuchte ich es noch einmal, „bei einer Autopsie bist Du tot! TOT, hörst Du, T O T! Und zwar von Anfang an. Und anders als Frankenstein bauen die Dich auch nicht wieder zusammen.“

„Klar, das weiß ich auch, bin doch nicht doof, also wofür hältst Du mich denn, für ´ne Dumpfbacke? Wenn die in Krimis Mordopfer untersuchen, klar, sind die dann tot. Müssen sie ja. War ja vorher ein Mord! Ist ja ein Krimi. Ohne Mord keine Autopsie. Und Mord ist ja, wenn einer einen tot gemacht hat. Das ist Krimi. Logisch. Und da sehen die Pathologinnen ja auch meistens super aus: Lange rote Haare, Sommersprossen, Augen wie Tellerminen, so´ne Möpse (er deutete etwas Überirdisches an). Außer bei Barnaby, aber das sind eben Engländerinnen, da erwartet man so etwas ja nicht.

Aber – und jetzt höre gut zu, mein Lieber – bei einer elektiven Autopsie ist das ganz anders, da leben die ja noch, da ist das ja alles geplant... Auf Wunsch wird man auch betäubt. Steht alles da drin! Na gut, da steht elektiver chirurgischer Eingriff – aber das ist doch dasselbe, im Prinzip!“, damit klopfte er auf sein Lehrbuch der Pathologie. „Steht alles hier drin!“

„Max, Max...“, schüttelte ich den Kopf.

„Ja?“, fragte er interessiert, „ich glaube, ein Stück geht noch.“ Damit griff er nach dem Rest des zweiten Tortenstückes.

„Max, das geht nicht gut aus!“

„Wegen dem einen Stückchen?“, fragte er mit vollem Mund.

„Nee, Dösbaddel, die Autopsie.“

„Ach was, Du warst schon immer so ein mieser Pessimist! Ich will einfach meinen Körper kennenlernen. Nicht nur in mich hinein hören – auch in mich hinein S E H E N. Ich will mich kennen. Punkt. Basta. Das ist das Beste, was ich mir antun kann. Echt. Habe ich mir lange überlegt. Erst war da nix und plötzlich hatte ich die Lösung! Im Vergleich mit den anderen Ärzten ist das auch gar nicht so teuer.“

„Hast Du schon mal mit einem Pathologen darüber gesprochen, Max?“

„Jo, klor. Aber das sind ja alles nur Neidhammel!“

„Neidhammel? Warum das denn?“

„Naja, erst haben sie gemurmelt, das ginge leider nicht, jedenfalls nicht jetzt, erst hinterher... Als ich dann gesagt habe, denn lass ich das in Rumänien machen, Transsylvanien, weißt Du, ist ja auch EU, da haben die nur noch gelacht und mich rausgeworfen. Nur, weil das da viel billiger ist. Wie Pflaumenmus!“

„Pflaumenmus?“, fragte ich verblüfft. Jetzt hatte er mich wirklich überrascht. „Was hat das mit Pflaumenmus zu tun?“

„Ist da auch viel billiger als hier, also das Pflaumenmus. Frag da mal so einen Pflaumenmus-Heini von hier. Die mögen die von da unten auch nicht. Auch Neidhammel. Ich habe das prinzipiell gemeint, weißt Du“

„Ach so“, war alles, was ich herausbringen konnte, "prinzipiell!"

Er fuhr ganz gelassen fort: „Ich lass das ja auch nicht bei irgendeinem billigen Hobbypathologen machen, die gibt es da nämlich auch, aber die reichen mir nicht. Da weiß man ja nie... Fisch kaufe ich ja auch direkt am Kutter und nicht beim Hobbyangler am Deich. Du weißt, was ich meine? Und ich will ja auch, dass ich meine Organe verstehe... Nee, ich lass das an der Universität Cluj machen, die Pathologen da können von früher her noch sehr gut Deutsch, das war da ja mal deutsch oder so, muss ich noch mal nachschauen, und die haben einen guten Ruf, weißt Du! Also. Habe ich gehört. Glaube ich jedenfalls.“

„Und was haben die hiesigen Neidhammel genau gesagt?“

„Eigentlich nicht viel. Eigentlich nur, dass sie abraten von der Idee, und dass sie mir andernfalls viel Glück wünschen würden. Und wenn ich das gemacht hätte, dann sollte ich doch mal bei Ihnen reinschauen, das würde sie schon interessieren.“

„Tja, Max, wenn Du mich fragst, lass es!“

„Ich frag´aber nicht“

„Solltest Du aber“

„Auch Neidhammel!“

„Viel Glück!“

Damit war unser Gespräch weitestgehend beendet. Zumindest, was das Thema anging. Wir haben dann noch weitergeredet, aber nix, was Sie was angehen würde: Haushalt, Männersachen und so.

Ich habe Max dann einige Wochen lang nicht mehr gesehen oder gesprochen. Das muss die Zeit gewesen sein, in der er alles organisiert hat. Sein ganzes Geld hat er dafür ausgegeben. Er hatte sogar ein Rückfahrticket Rendsburg – Cluj – Rendsburg für sich gekauft – Optimist, der er war.

Das Nächste, was ich von Max gehört habe, war, als ein anderer Freund anrief, den wieder wer angerufen hatte, dass da angeblich Leichenteile von Max in Cluj rumlägen, die mal einer abholen sollte, denn Geld für einen Postversand hatten sie nicht bei ihm gefunden. Ich will ja nix sagen – aber Rumänien, wissen Sie... Nix für ungut. Die da in Cluj wollten die Teile weder haben, noch beerdigen und wegschmeißen, das ginge ja auch nicht... Nicht einmal in Transsylvanien.

Wir haben dann gesammelt, die Teile in 12 großen Konservendosen (wegen dem Geruch) kommen lassen und haben ihn dann hier beerdigt. Eigentlich brauchten wir ja nur eine Kiste für die Dosen, aber die Bestatter haben sich wie der Jud von Worms angestellt (das ist jetzt nix Antisemitisches). Sarg, haben sie gesagt, Sarg - keinesfalls eine Kiste, die gereicht hätte, finde ich, denn wer bestattet schon Dosen im Sarg. Nein, ein Sarg musste es sein. Wie gesagt, selbst mit einer ALDI-Nord-Beerdigung hat das summa summarum ganz schön ´was gekostet. Aber für Max war uns das das wert. Wat dat kost, dat kost dat eben, hat einer gesagt und ´nen ´Hunderter auf den Tisch gelegt. Da konnten wir anderen uns ja nicht lumpen lassen. Es hat dann doch noch einen Nachschlag gekostet, aber... ach was, war ja für unseren Max.

War irgendwie schade um Max, denn bis auf ein bisschen Irresein, war er ja doch ein lieber Kerl gewesen. Irgendwann erzähle ich vielleicht mal andere Geschichten von Max, die sind echt irre, wirklich. Die würden Sie nicht glauben wollen, anders als die hier. Aber nicht jetzt.

Schade, dass Sie ihn nicht gekannt haben, vielleicht hätte er Ihnen ja gefallen, er war ja schon irgendwie ziemlich, vielleicht auch grenzwertig irre, aber er war ja auch interessant. Und charmant konnte er auch sein, wenn er nicht gerade mit seinen Organen sprach. Aber denen war das egal. 

 

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