KB01 250Für neue Leser: Diese Website zeigt unsere - Slartibartfass und meine - sehr persönliche Sicht vom Leben, vom Universum und dem ganzen Rest. Sie will weder politisch "korrekt" sein, noch kümmert sie sich in den meisten Fällen um die Meinung der Duden-Redaktion zu Schreibweisen. Was sie aber keinesfalls will, ist a.) Fake-News oder b.) Verschwörungstheorien  verbreiten. Dieses ist eine Website zum Stöbern, Sie finden viel, echt, lesen Sie sich fest! Mehr als 250 Texte (manche fast 10.000mal aufgerufen). In den Bereichen "Meine Kommentare" und "Quergedacht" finden Sie kaberettistisch angehaucht Texte. "Stories" sind auch eher leicht verrückt zu lesen und "Meine Krimis" - das ist selbsterklärend. Teilweise finden Sie hier ganze Bücher. Die Foto-Bereiche sind eher schön. 


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Früher war alles einfacher, da hieß das hier Querdenken, Querdenkereien oder Quer-ich-weiß-nicht-was. Dann kamen diese unegalen Möchtegern-Querdenker, die verrückten Ärzte, Köche, Nazis, Impfgegner und Gates-Feinde, die allesamt Corona ablehnen, und das auch öffentlich abstands- und maskenlos protestieren. Mit denen möchte ich bitte auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden. Deshalb kein Querdenken mehr, das könnte verwechselt werden, jetzt bin ich eben am ceterum censeo...
 Bananenbuch
"Wenn Bananen "Wenn Gondeln Trauer tragen" sehen.
Ein außergewöhnlicher Fotocomic, den man gelesen haben muss

Hier in voller Länge

Nur mit der alten Schreibmaschine...

... fröne ich meinem neuen Hobby: Ich schreibe Nachrufe! Auf Lebende! 

Sie, Sie glauben es sicher nicht, aber das ist eine Kunstform.  Die meisten machen das ja anders, die sterben erst, dann lassen sie schreiben. Das kann teuer werden. Sterben Sie einmal, und lassen Sie so einen Nachruf auf sich verfassen. Da stöhnen Ihre Erben aber, wenn die Rechung kommt, das kann ich Ihnen sagen...

Angefangen hat alles mit einem Nachruf auf mich selbst. Da hatte ich mal Lust zum Schreiben. Einfach so. Nicht, dass ich sterben wollte oder so, keinesfalls. Das Schreiben eines Nachrufes auf sich selbst ist schwerer, als Sie vermutlich denken. Man will ja in der Nachwelt schließlich gut wegkommen, oder? Da kann ich ja nicht einfach ehrlich sein und schreiben, dass ich immer und zu allen ehrlich war (das wäre gelogen), dass alle Kollegen und Nachbarn mich mochten (das wäre gelogen), dass ich interessante Projekte erfolgreich zu Ende geführt hätte (das wäre gelogen) – und so weiter.

Am Ende dieses Textes finden Sie übrigens einen Beispiel-Nachruf. Den können Sie bei Interesse lesen, müssen Sie aber nicht!

Ich kann aber auch nicht schreiben, dass ich wegen einer guten Geschichte oder wegen eines Gags immer lüge (das wäre gelogen). Damit wären wir dann beim Paradox des Epimenides. Er, der Epimenides, war Kreter und sagte: Alle Kreter sind Lügner... Den Rest kennen Sie... Darüber habe ich in meinem Nachruf natürlich des Längeren geschrieben. Ich berechne für Nachrufe ein Zeilenhonorar, müssen Sie wissen...

Ist zum Schluss aber gut geworden. Klar, man muss dann einen guten Vortragenden finden, der an den richtigen Stellen die richtigen Betonungen findet.

Als ich meinen Nachruf gelungen fand, habe ich beim Lesen manchmal echt geweint – so ein toller Hecht – das sollte ich sein? Ich habe mich dann in der ganzen Lobhudelei aber selbst erkannt und gefunden. Je häufiger ich meinen Nachruf gelesen habe, und das war irgendwann mehrfach pro Tag, desto besser und ehrlicher fand ich ihn. Doch!

Ich habe in der Folge sozusagen Blut geleckt und Nachrufe auf lebende Bekannte, Freunde und Nachbarn geschrieben. Die waren auch ziemlich ehrlich, gut, manches habe ich nur wegen der schönen Formulierung reingeschrieben – weil: Tote können einem ja nichts mehr...

Nur, und das war das Dumme, waren meine Bekannten, Freunde und Nachbarn ja noch nicht tot, manche lebten noch quietschfidel. Und wenn die dann gelesen haben, dass sie nach langer schwerer Krankheit unter Schmerzen und allein gelassen weil sie zum Schluß so schlecht rochen... Sie kennen das aus vielen Nachrufen zur Genüge! Vielleicht in anderen Worten, manches auch aus- oder weggelassen.

Nun, erstaunlich genug, nur einige wenige fanden mein schön formulierten Texte so irre witzig wie ich – das waren wirklich wenige, andere – und das war mit gefühlten 98% schon die übergroße Mehrheit – waren weniger amused. Armselig!

Die meisten – 100% von den 98% - waren so stinksauer, dass sie mir die Freundschaft gekündigt haben. Da man Nachbarschaften nicht so leicht aufkündigen kann (dazu müsste die Wohnungsmarktsituation „entspannter“ sein) reden nicht mehr mit mir und machen große Bogen, wenn sie mich treffen – was im Treppenhaus zu aberwitzigen Situationen führen kann. Zwei oder drei Erbengruppen konnten den Nachruf dann tatsächlich einsetzen, weil die Erblasser auf der Treppe im vierten Stockwerk zu sehr ins Nichts auswichen. Sie, ganz ehrlich, diese erst überraschten und dann schnell leiser werdenden Schreie der Fallenden, die Plumps- und Auftreffgeräusche auf dem Terrazzoboden ganz unten im Erdgeschoss, die vergessen Sie nicht so schnell..., das ist nicht so einfach für mich gewesen!

Okay, ich bin lernfähig, und habe mich in der Folge auf mir unbekannte Personen konzentriert. Es war leichter, auf öffentliche Personen auszuweichen, für die Artikel in Wikipedia existieren. Ich will ja auch nicht nur ausgedachten Blödsinn schreiben, das soll ja schon auch Hand und Fuß haben. Man hat ja seinen Ehrgeiz, das will ich gerne zugeben.

Ich habe jetzt für stücka 50+ Politiker und B- und C-Promis fertige Nachrufe da liegen. Ich wollte die auf einer extra dafür eingerichteten Website publizieren. Aber einer der beiden verbliebenen Freunde, Bekannten und Nachbarn riet mir dringlich ab. Man könnte das als Todesliste eines Irren missverstehen, sagte er. Dabei lege ich großen Wert auf das „miss“, verstehen Sie. Das „Irren“ habe ich geflissentlich überhört – was bilden sich die Leute eigentlich ein, was sie einem alles sagen könnten? Sie, da muss man doch auch mal Rücksicht auf den Empfängerhorizont nehmen, oder? Man ist doch schließlich ein empfindsames Wesen, vielleicht sogar ein Mensch...

Und als ob das nicht genug sei, dann meinte er noch, ich solle ja nicht anfangen, die Liste todesfallmäßig abzuarbeiten. Obwohl, das musste er doch zugeben, die Namen schon die Richtigen seien, und die von mir gewählten Worte auch die Richtigen! Wenig mitfühlend zwar, meinte er, was ich nun gar nicht verstand, aber sehr ehrlich in den Gefühlen. Man würde mit jedem Wort, sagte er, fühlen, dass ich die Nachgerufenen nicht mögen würden.

Ich wagte einzuwenden, dass in jeder vernünftigen Presseagentur und Nachrichtenredaktion (von Politik bis Feuilleton) Hunderte Nachrufe auf Halde lägen, und ich sogar vermutete, dass es spezielle Redakteure gäbe, die die Nachrufe täglich oder bei Gelegenheit = ........... anpassen würden.

Ja genau, sagte er und fügte hinzu, dass ich weder Presseagentur noch Nachrichtenredaktion sei, und das SEI ein Unterschied. Und dann meinte er noch, ich solle die Texte in Zeiten eines Bundestrojaners ja schnell vom Online-PC löschen. Die würden ganz bestimmt suchen, meine so gut gemeinten Texte schließlich finden, perfekt mißverstehen und dann mich holen...

Da konnte ich nun aber auftrumpfen! Ich holte meine alte Triumph Gabriele hervor, bemerkte noch, da würde nicht einmal DOS 1.0 drauf laufen und auch kein gutes altes Wordstar, nur Papier und Farbband. Die getippten Seiten würde ich ich im Banksafe aufbewahren, und alle 100 Seiten die Walze wechseln, weil schließlich sei das ja eine neue Kunstform. Und nach meinem Tod würde das alles veröffentlicht und mich könnten die dann ´mal... Und das Farbband würde ich nach Verbrauch nicht wegwerfen, sondern verbrennen und die Asche würde ich runterschlucken, ich sei doch nicht doof. Da konnte er mir nur noch zustimmen.

Und Röttgen, Merz, Scheuer und Co., Amthor nicht zu vergessen, die können mich auch mal. Bei denen geht das noch unter Satire. Hoffe ich. Nicht böse sein. Ich liebe Euch doch alle!

 


Beispiel eines Nachrufes:

Ausschnitt aus dem Buch „ Morituri“

...

Hallo ihr Freunde aus der WG,

guten Tag liebe andere Anwesende, denen offenbar keine Ausrede eingefallen ist, die gut genug ist, um hier heute nicht sein zu müssen – ihnen/euch gilt mein ganzes Mitgefühl!

Warum ich das sage? Ganz einfach: Ich habe diese Abschiede von Toten immer fürchterlich gefunden! Heute stehe, oder besser, liege ich zum ersten Mal auf der anderen Seite. Und lassen sie mich sagen, das ist auch nicht besser!

Bevor unsere kluge Hanna sich Worte über mich einfallen lässt (und ich traue ihr das zu), in denen ich fast als Lichtgestalt erscheine, dachte ich mir, es sei besser, sie ließen mich besser selber zu ihnen sprechen, wenn auch sozusagen durch den Leihmund unserer lieben Hanna.

Um es ihnen einfacher zu machen und um dem Anlass etwas von seinen traurigen Aspekten zu nehmen, bitte ich sie herzlich, sich vorzustellen, ich würde jetzt (vielleicht in Form von Rauch) aus dem Sarg aufsteigen und mich als semipermeable Figur auf die Sargkante setzen, die Arme seitlich auf den Sarg stützen, die Beine baumeln lassen und sie anschauen. Um das Bild abzurunden, stellen sie sich bitte vor, ich trüge ein knielanges weißes Hemd und weiße Pantoffeln… Ach ja, sie dürfen bei dieser Vorstellung lächeln.

Was würde ich sagen? Vielleicht ein paar – Udo würde sagen: Döntjes – erzählen? Aber da sehe ich Hanna die Augenbrauen ganz leicht hochziehen und höre die anderen schon stöhnen. Gut, ich gebe zu, die Geschichten sind alle mehr- bis vielfach erzählt.

Vielleicht sollte ich auch ganz aktuell von der Erfahrung berichten, dass Sterben irgendwie Scheiße ist…, aber auch nicht viel schlimmer als das Leben, jedenfalls nicht als manche schlimmen Momente im Leben – und von denen habe ich ja einige erlebt!

Als meine Tochter den Drogentod starb, zum Beispiel, da hätte ich alles dafür gegeben, wenn ich an ihrer Stelle hätte sterben dürfen.

Oder als wenig später meine Frau voller Verzweiflung über den Tod unserer Tochter starb. Da habe ich gebetet, dass ich diese Welt an ihrer statt verlassen dürfte.

Geholfen hat es nichts – als Konsequenz habe ich danach nie wieder gebetet. Nun ja, vielleicht lag es auch an mir, denn auch vorher habe ich es nie getan, gebetet, meine ich. Aber wenn man den Kerl da oben dann tatsächlich mal braucht, dann hört er offenbar nicht zu…, oder nur denen, die ihm sowieso immer in den Ohren liegen… Mal schauen, vielleicht bekomme ich ja die Gelegenheit, ihm oder einem seiner Mitarbeiter das ins Gesicht zu sagen?

Aber das Leben hatte ja auch wunderbare Momente!

Ich war ein geborener Entdecker, jedenfalls kommt es mir heute so vor. Als ich geboren wurde, zum Beispiel, da lag vor mir, eine ganze Welt, die ich entdecken durfte. Oder als ich bemerkte, dass das andere Geschlecht eine andere, eine neue Welt bedeutete, ja ein ganzes anderes Universum, das nach anderen Gesetzen als ich und meine Freunde tickte! Junge, was gab es da alles zu entdecken…

Und dann war ich noch einmal ein großer Entdecker, als ich die Welt der Alten-WG erkunden durfte: Da war ich „Wolf-Dieter im Wonderland“. Wunderbar!

Klar, das war nicht einfach: Aus meiner Sicht waren die anderen in jeder Hinsicht besser:

Hanna, die immer so klug war und die es nie „heraushängen“ ließ, auch, weil sie das gar nicht nötig hatte!

Sarah, die nur die Tür zu öffnen brauchte, damit die Sonne im Zimmer aufging.

Tante Greten, die verschmitzte Tante Greten, mit ihren Geschichten, mit ihrem Humor, mit ihrer Güte…

Der Graf, der immer so viel besser aussah als ich, da konnte ich mir zum Anziehen kaufen, was ich wollte... Ich kaufte einen neuen Anzug beim Herrenausstatter in München, er ein Einstecktuch in Venedig – und schon wieder hatte er gewonnen!

Keine Chance, aber eine Frage hätte ich da noch: Sag einmal, Graf, warum lässt du dich immer als „Graf“ anreden? Weißt du eigentlich selbst noch, wie du in Wirklichkeit heißt? Ich wusste es zum Schluss jedenfalls nicht mehr! Aber wusste ich es eigentlich je?

Und Udo – der ewig praktische Udo mit seinen unglaublich geschickten Händen, unter denen ein Stück Blech zu einem Kunstwerk wird, der jeden tropfenden Wasserhahn dicht bekommt, indem er ihn nur anschaut. Udo, was habe ich dich darum beneidet – derselbe Udo, der aber nicht begreift, dass Sarahs Sonne eigentlich nur für ihn aufgeht.

Und ich? Durchschnitt! Vielleicht auch guter Durchschnitt – aber das höchstens.

Jetzt, wo ich hier auf meinen Sarg sitze und mit den Beinen baumele, mit den Händen die Kerben hier spürend, möchte ich betonen, dass die letzten Wochen und Monate noch einmal richtig spannend waren! Ich darf wohl nicht sagen, dass ich sie genossen habe… Doch, verdammt noch einmal, warum sollte ich das nicht zugeben? Ich bin tot, ich kann alles zugeben! Den Highway to Hell habe ich hinter mir. Ich habe diese letzte Zeit genossen, und zwar so sehr genossen! Ich habe sie im Kreis meiner Freunde genossen, wie ich lange Jahre davor nichts mehr genossen hatte.

Und ich habe gespürt, dass ich FREUNDE hatte. Ich habe grenzenlose Freundschaft gespürt. Dafür danke ich Euch!

Und jetzt ziehe ich mich wieder zurück in meine Kiste und verabschiede mich auf immer! Lebt wohl!“

...

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Weil hier absolut nichts "Wirtschaftliches" stattfindet und ich als Websitebetreiber keine juristische Person/Firma bin, habe ich von einer Angabe von Steuer(Ident)nummer und Bankverbindung abgesehen. Ich hoffe, das ist für Sie okay - ansonsten können Sie mich ja fragen... (wenn es Sinn macht). Es handelt sich bei VEBQUERSTROM um eine sehr private Website, die Ihrer Unterhaltung dienen und - manchmal mit unsäglichen Kommentaren - auch zum Nachdenken anregen will. Irgendwelche wirtschaftlichen Interessen stehen an keinem Punkt dahinter! Sie können die Artikel und Bilderserien nur konsumieren, nicht kommentieren, also können Sie sich auch nicht als User registrieren. Ein Email-Versand findet nicht statt, das wäre mir viel zu viel Arbeit...

Ob die Website Cookies verwendet oder irgendwelche Daten von Ihnen speichert? Ob irgendwelche Google-Tools im Hintergrund laufen? Ehrlich, liebe User, ich weiss es nicht - und wenn, dann komme ich an diese - Ihre - Daten nicht heran. Ihre Daten interessieren mich auch nicht. Und andere kommen auch nicht an Ihre Daten, hoffe ich. Ich weiß allerdings nicht, ob irgendwelche UK-/US-Geheimdienste mitlesen!!! Also seien Sie lieber vorsichtig...