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Corona News 2.0: Nochmal über Pressearbeit in Corona-Zeiten

Am 15. November berichtet jedes bessere Zeitung mit Online-Journal:

„Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland hat sich in einer Umfrage dafür ausgesprochen, dass im Dezember Restaurants und Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen. In einer repräsentativen Umfrage ... gaben 78 Prozent der Befragten an, dass Restaurants im Dezember wieder öffnen sollten. Eine Öffnung von Kultureinrichtungen würden 68 Prozent der Befragten begrüßen.“ (Quelle: Aus einer x-beliebigen Zeitungs-Website):Ja, und? Da hat eine-Firma Kantar im Auftrag von Bild am Sonntag (BamS) eine Umfrage veranstaltet und kommt zum obigen Ergebnis. Und dann wird es „überall“ veröffentlicht. Jedes andere Ergebnis wäre eine Sensation gewesen!

Das ist doch genau das, was ich im Artikel „Corona News! Über Gaststätten, Restaurants und Kneipen etc.“ vorhergesagt habe, nämlich, dass ich mit der richtigen Pressearbeit einer professionellen Presseagentur alles und jeden Mist in die Zeitungslandschaft drücken kann, und in der Folge über die Presse ordentlich Druck auf die Regierung in der von mir gewünschten Richtung erzeugen kann. Diese Artiekl über diese sogenannte Umfrage stützt meine These total. Und wenn dann noch der BILD-Verlag dahinter steht, bleibt mir nur zu sagen: "Siehste!" Und hinter dem BILD-Verlag steht dann (vermutlich) der Hotel- und Gaststättenverband und die FDP... Man kennt diese unselige Verbindung ja noch von früher...

Die Aussage „78% wollen Restaurants öffnen“ ist doch wahrlich kein Wunder, eigentlich ist sie nicht einmal eine Nachricht wert, weil sie selbstverständlich ist. Es ist ja auch völlig egal, ob 50%, 66% oder 78% wollen, dass die Resaturants wieder öffnen. Denn natürlich wollen die Menschen „ihr Leben“, das von vor der Pandemie, wieder haben. Natürlich wollen sie sich in Restaurants und Kneipen treffen. Was denn sonst? Und dann noch im Monat Dezember - der Dezember ist der Monat der Weihnachtsfeiern (da zahlt der Chef )und Gänsebraten! Selber kochen? Nee... Wer kann das denn noch...

Kein Artikel erwähnt ein einziges Wort zur exakten Fragestellung, zur Methodik, zu den Befragten. Übrigens steht davon auch nichts auf der Website von Kantar.

Vorstellbar ist, dass es so ablief: Anruf von BamS beim Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa): "Sagt mal, sollen wir nicht mal was gegen die Restaurantschließungen machen?" Antwort DeHoGa: "Super Idee, wir habenda eine Umfrage laufen. 78% sind für die Öffnung wird da rauskommen...". BamS: "Super, aber wäre es nicht besser, Ihr tretet nicht als Auftraggeber auf? Das könnten wir doch machen..."

Das Ergebnis so einer Umfrage hängt natürlich vor allem von der Wortwahl der Fragestellung ab. „Sind Sie grundsätzlich dafür, dass Restaurants irgendwann wieder öffnen“ ist eine andere Frage als „Sind Sie dafür, dass Restaurant auf dem Höhepunkt der zweiten Welle der Corona-Pandemie wieder öffnen?“ und auch eine andere als „Sollten Restaurants wieder öffnen, um eine Pleitewelle unter den Wirten zu verhindern?“. Oder „im Dezember?“.

Wenn man dieselben Leute in einer ähnlichen Umfrage gefragt hätte, ob Mieten oder Steuern gesenkt werden sollen, hätte die Mehrzahl auch mit „Ja“ geantwortet.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mit jedem Meinungsforschungsinstitut der Welt (und wenn es sich noch so wissenschaftlich und unabhängig darstellt) jedes gewünschte Umfrageergebnis erhalte – wenn ich nur „die richtigen“ Fragen stelle.

Das Ganze wird dann noch „wissenschaftlich“ aufgepeppt. Eine paar eindrucksvolle Grafiken dazu, fertig ist die von allen Redaktionen gerne genommene Pressemitteilung.

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