Diese Seite drucken

Bananenrepublik

Neu überarbeitet am 23.6.21.  Die Bundesregierung erklärt auf Anfrage, es sei in Abrede zu stellen, dass es sich bei der BRD um eine Bananenrepublik handele, schließlich wüchsen hier keine Bananen

Jules Verne

Ich bin sein Fan. Er hat sehr viel Gutes geschrieben, finde ich. Das muss hier nicht alles aufgezählt werden. Aber die ersten Zeilen seines eher nicht so bekannten Romanas „Das Schloss in den Karpaten“ passen auf diese Geschichte wie die Faust aus Auge. Er schreibt nämlich:

„Die nachfolgende Erzählung ist nicht phantastischer, sie ist nur romantischer Art. Es würde ein Irrtum sein, wegen ihrer Unwahrscheinlichkeit zu glauben, dass sie nicht wahr wäre. Wir leben in einer Zeit, in der Alles möglich…, ja man wäre berechtigt zu sagen, wo Alles schon vorgekommen ist.“

Diese prophetischen Worte wurden im Jahre 1892 geschrieben. Man kann sich heute noch oder heute erst recht jedes Wort davon auf der Zunge zergehen lassen.
Phantastisch ist die folgende Geschichte (nicht die von Jules Verne), weil sie – auch – von Menschen handelt, die glauben, ihnen gehöre die Welt, mindestens aber das ganze Geld darin (oder ein unverschämt großer Teil davon) – weil sie deutsche Politiker oder Kinder | Erben von ehemals bekannten deutschen Politikern sind.
In Amerika halten sich Familien wie die Kennedy´s, die Bush`s, die Clinton´s, die Obama´s, die Cheney´s und nicht zuletzt die Trump´s und sicherlich viele andere, die hier nicht so bekannt sind, für eine Neue Aristokratie; und das ist sicherlich keine demokratische Aristokratie. Weil: Demokratie und Aristokratie schließen sich aus.
Dass die Amerikaner (die Masse) diese neuen Aristokraten akzeptieren, liegt auch an der Verfassung der USA , die damals im Prinzip von der englischen (= royalistischen) Vorlage abgekupfert wurde. Heute würde das nicht mehr durchgehen: Stichwort Plagiat!
In Deutschland fällt es noch nicht so auf. Frau von der Leyen ist zum Beispiel die Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht, tarnt sich aber mit einem anderen Namen. Jeder halbwegs kritische Zeitgenosse muss sich fragen, was diese Frau dazu bewegt, dass andere von ihr oder sie von sich zu glauben scheint, dass sie für den Job als Präsidentin der Europäischen Kommission geeignet sei. Das ist doch kolossaler Quatsch, aber das sagt ihr niemand.
In Nordrhein-Westfalen versuchte der Laschet-Sohn Masken-Geschäfte mit dem Bundesland seines Vaters zu vermitteln. „Vermitteln“ – dieses Wort wird im Laufe des Textes noch wichtig werden! In Bayern sind es (mindestens) die Nachfahrinnen von Strauß und Tandler, die mit ungewöhnlichen Geschäftsmodellen „auffallen“. Die Söhne von Strauß haben es zwar auch schon versucht – sie fielen auf die Schnauze, einer sogar bis ins Gefängnis.
Man müsste nur noch ein wenig tiefer „bohren“, dann kämen da noch viele andere Erben zum Vorschein. Und wenn sie nur Top-Jobs in öffentlichen Rundfunkanstalten etc. erhalten haben. Auch diese Nachkommen halten sie sich für eine neue Aristokratie, denen „selbstverständlich“ vieles oder besser alles zusteht. Sie haben kein schlechtes Gewissen dabei, nein, sie nehmen sich, sie raffen, wie und wo immer sie das Geld oder Job oder beides bekommen können.
Als interessierter Zeitungsleser muss man sich ja nur die Headlines der letzten Wochen in Erinnerung rufen – bis zu 50 Millionen Euro betrugen die „Vermittlungsprovisionen“ für Maskendeals. Und die Dame, die die 50 Millionen nahm, hat natürlich kein schlechtes Gewissen – warum auch? Die Provision gilt in ihren Kreisen bis heute als „angemessen“.
Ein Anwalt (jahrelanger CSU-Oberbonze) verlangte und erhielt knapp eine Million Euro für seinen Vertragsentwurf im Rahmen eines anderen Masken-Deals. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. War ja nur ein „angemessenes Honorar“, zahlen tut´s der Staat.
Mehrere CDU-Politiker erhielten über Jahre regelmäßig finanzielle Zuwendungen aus Aserbaidschan. Wofür? Das wissen sie angeblich selbst nicht! Die Chuzpe muss man erst einmal haben.
Andere CDU- und CSU-Abgeordnete vermittelten ebenfalls Masken und Schutzkleidung und wurden reich dabei. Angemessen! Immer und auf jeden Fall „angemessen“. Nie hat sich einer aus den öffentlichen Kassen „gefühlt“ unangemessen bedient. Soweit das Phantastische? Nein, es geht weiter.
Der Ehegespons vom aktuellen Gesundheitsminister hat keinen Gedanken daran verschwendet, seine Aktionen im Gesundheitsministerium könnten nicht redlich sein. Und sein Gesundheitsministerehemann hat es ihm offenbar auch nicht beigebracht. Business as usual!
Wir wollen auch nicht die Amthors und Guttenbergs vergessen (bis hin zur Kanzlerin), die sich warum auch immer für WIRECARD stark gemacht haben, als englische Zeitungen WIRECARD schon als betrügerische Luftnummer identifiziert hatten. Guttenberg ist seinen Doktortitel wegen Plagiaten losgeworden, Amthor gibt sich als Volljurist, kann aber nur auf ein erstes Staatsexamen verweisen. Schlechtes Gewissen? Vergiss es! Warum auch? Der Scheuer Andi ließ sich in Deutschland als Dr. Scheuer anreden, dabei galt sein Mini-Titel nur in Bayern und Berlin. Jüngster Fall: Giffey! Sie wird nicht die letzte bleiben. Frau von der Leyen ist übrigens nur um Haaresbreite an einer Aberkennung ihres Doktor-Titels durch ihre Universität Hannover vorbeigeschrammt. Das hat sicherlich nichts damit zu tun, dass ihr Vater 14 Jahre lang Ministerpräsident von Niedersachsen war – ein Schelm, der sich etwas dabei denkt.
Ein Graf Lambsdorff ist bisher weiter nicht negativ aufgefallen, außer dass Papa auch ein führender Kopf der FDP war. Ob Sohnemann es ohne Papa auch so weit gebracht hätte? Fraglich.
Wann wird diese Geschichte denn nun romantisch? Jetzt: Denn es gibt – in dieser Geschichte – eine kleine Gruppe von Menschen, von ihnen war noch nicht die Rede, die tatsächlich glauben, Gerechtigkeit gegen diese „Raffer*innen“ und Plagiatier*innen durchsetzen zu können.
Doch, das ist romantisch! Sogar hochromantisch. Romantisch ist dabei mindestens die Grundeinstellung, zu glauben, man könnte diese neue politische Aristokratie, die im Endeffekt bereit ist, diese Demokratie auszuhebeln, auslöschen.
Dabei würde das nur mit einer Revolution mit allen dunklen Facetten gelingen. Konsequente Beispiele: 1789 bis 1799 und 1905 und 1917 – so weit will die folgende Story nicht gehen. Obwohl es Spaß machen würde, sich eine moderne Revolution in Deutschland auszudenken. Immerhin werden die Mittel, die unsere Helden einsetzen werden, vermutlich wenig bis nicht „romantisch“ ausfallen, naja, eher nicht romantisch.

Wie schreibt Jules Verne noch:

„Wenn unsere Erzählung heute auch nicht wahrscheinlich sein sollte, so ist sie es vielleicht schon morgen!“

Annäherung

Es ist ein Tag im März 2021.
Wir saßen so gegen 17.00 Uhr in Elsa´s DÖRPKRO. Eigentlich dürfen wir hier ja nicht sitzen – Pandemie! Aber unser Dorf ist klein, und um diese Jahreszeit verirrt sich kein Fremder zu uns. Niemals. Außerdem ist die Inzidenz bei uns unter 0 eingefroren, hat Ernst ausgerechnet. Niemand hat hier Corona, niemand! Nicht jetzt und auch nicht früher. Schleswig-Holstein. Hier kommt auch keiner mit Corona her, weil überhaupt keiner kommt. Sogar das Virus macht einen Bogen um uns.
Außerdem war die Polizei ja da, um ihr waches Auge zu demonstrieren. Saß neben mir. Ob wir nun zu Hause rumsitzen und Bier trinken oder bei Elsa, ist doch wurscht, sagte Henning, unser Dorfbulle. Elsa desinfizierte im Zweifel mehr als alle anderen im Dorf, sagte Henning auch. Und andere sind ja nicht da. Außerdem sind das ja nur zwei Personen aus zwei Haushalten. Nur wir. Das ist erlaubt. Passt. Sagte Henning noch.
Wir taten also das Übliche. Das was wir taten, ist nicht schwierig zu beschreiben. Am besten mit einem Wort: Nichts. Es war auch nichts los, also gab es keinen Grund, aktiv zu werden. Es war auch kein Job in Sicht. Absolute Ruhe. Nichtstun hat ja seinen Sinn. Einfach so rumzusitzen kann sehr befriedigend sein, wenn man es sich leisten kann. Wir können uns das leisten.
Zum „wir“ sollte ich vielleicht ein klein wenig erklärend ausholen. Wir vier sind Jens, Mari, Rudi und Ernst. Das wäre für sich genommen noch nicht berichtenswert. Interessanter dürfte die Tatsache sein, dass wir vier uns einen Körper teilen. Pandemisch gelten wir vier aber als einer!
Ich, der Erzähler, bin Jens. Ich wurde mit dem Körper geboren, viele Jahre später kam die Marie in damals meinem | unserem Körper dazu. Für mich war das eine verdammte Überraschung, das dürfen Sie mir glauben, Körper und Gehirn plötzlich mit einer jungen Frau zu teilen. Auf so etwas bereitet einen ja auch niemand vor, mich jedenfalls nicht…
Mari tauchte nicht als Baby oder als pubertierende 16jährige auf, sondern als ca. 20jährige intellektuell fertige Frau. Keine Ahnung, wo sie das hernahm. Sie verstehen das nicht? Gut, dann sind wir ja nicht alleine. Problematisch war ja auch, das mein | unser Körper alle Zeichen einer Männlichkeit und keine weiblichen zeigt. Das war jetzt dumm für Mari.
Als wir uns miteinander halbwegs eingerichtet hatten, erschien Jahre später der Rudi. Auch er war eine Überraschung. Diesmal für Mari und für mich. Auch er war mehr oder weniger fertig, als er auftauchte. Rudi erwies sich als ein wenig rau, unbeherrscht und sadistisch veranlagt. Gleich wird er meckern, dass er das gar nicht sei…, man müsse auch einmal „direkt“ sein, durchsetzungsfähig, nennt er das…, und dass Schmerz anderen Menschen häufig zu neuen Einsichten verhelfe, zu denen sie ohne Schmerz nicht fähig seien! Das sei ja schon fast religiös und so weiter. Naja, so in etwa jedenfalls – das ist Rudi. Er kabbelt sich übrigens häufig mit Mari.
Der letzte bleibende Ankömmling in unseren Kopf ist erst vor kurzem eingetroffen, der Ernst.
Ab und zu tauchen weitere neue Persönlichkeiten in unserem Kopf auf. Aber sie sind verwirrt, sagen hallo, schauen sich um und bleiben nicht lange, verschwinden so plötzlich, wie sie gekommen sind. Sie waren oder sind eher Kurzzeit-Gäste in unserem Kopf, die sich hier ganz offenbar nicht wohlfühlen und wieder verschwinden. Es wäre interessant, zu erfahren, wohin. Wir haben aber keine Ahnung, wohin sie verschwinden. Vielleicht gibt es einen Planeten im Universum für sie? Eher nicht.
Ernst, der letzte der gekommen ist, um zu bleiben, ist der Intellektuelle in unserem Quartett: Er liest viel, er denkt viel – und anfänglich war er von unserer beruflichen Tätigkeit so entsetzt, dass er aus seinem Kämmerchen in unserem Gehirn gar nicht mehr herauskommen wollte. Ist er dann aber doch.
Man kann das verstehen, wenn man unseren Beruf als Neuankömmling gehirnnah miterlebt. Wir sind nämlich professioneller Killer, Auftragsmörder, Assassine – nennen Sie´s wie Sie wollen, zum Schluss bleibt als Beruf „Killer“. Eine typische Handbewegung? Völlig falsche Frage. Jeder von uns würde eine andere machen:

  • Mari würde den Zeigefinger der rechten Hand krümmen
  • Rudi eine ziehend-schneidende Bewegung machen
  • Ernst müsste wahrscheinlich lange nachdenken
  • Ich? Vielleicht das Bezahlen beim Waffenkauf…

Mari ist unser Star: Sie schießt einer Fliege auf einen Kilometer ein Auge weg, ohne dass die Fliege das merkt! Gut, die braucht jetzt eine Fliegenaugenklappe, aber das ist auch schon alles. Mari ist perfekt. Sie ist ein Genie. Niemand kann schießen wie sie – wirklich niemand.
Sie haben es verstanden: Mari schießt, Rudi arbeitet gerne mit dem Messer, ich mache den Verwaltungskram, Planungen und den ganzen Rest, so wie er anfällt. Ernst muss sich erst noch dran gewöhnen… Naja, wird schon werden.
Man hat uns noch nie erwischt, noch nicht einmal in Verdacht sind wir gekommen. Wir sind eben Profis! Verdammt gute Profis.
Und wir leben jetzt meistens im Haus meiner resp. unserer Eltern (die nicht mehr erfahren haben, dass sie 4 Kinder haben) in einem kleinen Dorf in Ostholstein zwischen Kiel, Preetz, Plön und Oldenburg. Ab vom Schuss. Früher haben wir jahrelang in München gelebt. Die Wohnung in München gehört uns noch. Selten fahren wir noch hin. Das ist nicht mehr unsere Stadt. Der Charme ist weg, finden wir, es geht den Menschen dort nur noch ums Geld.
Mari hat noch eine Wohnung in Kiel, die sie sich von dem Honorar des Auftrages in Binz gekauft hat.
Mehr müssen Sie eigentlich nicht wissen.


Naja, vielleicht sollten Sie noch unsere Freunde kennenlernen: Da ist zum einen unser Henning Pogwisch. Das ist unser Kriminaler im Dorf. Er ist so faul – das ist kaum zu beschreiben. Wir haben ihm damals geholfen, zwei Controller loszuwerden, die ihm fast bei einer außerordentlich innovativen Spesenabrechnung auf die Schliche gekommen wären. Das heißt, sie sind im ja auf die Schliche gekommen. Aber bevor sie ihre Ergebnisse in Kiel mitteilen konnten, verschwanden sie mit unserer Hilfe in mit ihnen und Zement gefüllten Tonnen im Sperrgebiet, in dem in der Ostsee Giftgasmunition aus dem Zweiten Weltkrieg versenkt wurde. Da sucht nie einer nach ihnen. Seitdem weiß Henning von unserer Profession und hilft uns manchmal.
Bauernsohn Hauke haben wir bei einer Erbschaftssache so geholfen, dass er den Hof endlich übernehmen konnte. Hauke hat später die Tonnen geliefert, die Henning damals brauchte.
Dann ist da Carsten. Er ist ein lieber Kerl, aber ein ganz klein wenig zurückgeblieben – vielleicht ist er auch deshalb ein so lieber Kerl. Er kann nicht viel, außer…, er kann Trecker fahren wie ein Fendt, das ist der oberste der lokalen Treckergötter – so etwas wie der Odin unter den Asen. Carsten ist mehrfacher Ostholstein-Meister im Geradeauspflügen. Geradeaus ist er Spitze. Mit Kurven hat er es nicht so – außer bei den Mädchen, da mag er´s schon sehr kurvig...
Zum Schluss sollten sie noch von Elsa erfahren. Sie betreibt den DÖRPKRO in unserem Dorf, der befindet sich schräg gegenüber der Kirche. Ansonsten haben Kirche und DÖRPKRO nichts miteinander gemein. Elsa ist recht helle, sogar so helle, dass sie in manchen Fällen lieber gar nicht alles wissen will. Und sie lebt alleine. Wie gesagt, sie ist ein helles Mädchen.
Jetzt haben wir die Basis eines Teiles unserer Geschichte gelegt, denn Sie haben die wichtigsten Protagonisten kennengelernt. Die anderen lernen Sie dann peu á peu kennen. Kommt schon noch!
Wir sind mit unserer Geschichte im Hier und Jetzt angelangt. Und sie beginnt wie jede unserer Geschichten (das gehört einfach dazu):
Wir – gemeint sind wir vier im Kopf und Henning – sitzen also in Elsa´s DÖRPKRO am Tresen. Soweit waren wir ja schon. Was jetzt kommt, ist allerdings neu: Wir sitzen nämlich vor den kümmerlichen Resten unserer ersten Bierchen für heute. Das ist ungewöhnlich, dass es um die Zeit noch die ersten sind. Das kann natürlich daran liegen, dass Elsa schon seit einiger Zeit in Küche oder Keller verschwunden ist. Muss aber nicht daran liegen, denn in solchen Notzeiten bedient Henning uns – uns vier und ihn selbst – mit einem geübten Griff um den Schankhahn auch schon einmal alleine. Kommt alles auf´n Deckel! Wir sind zwar Killer, aber bei Elsa immer ehrlich. Henning auch.
Wo waren wir? Genau: Erstes Bier bei Elsa, als Carsten in den DÖRPKRO kommt.
„Moin“, sagte er. Das ist normal, mehr sagt man hier nicht, wenn man reinkommt. Deshalb fällt das auch nicht auf, weil das ja normal ist. Heute war das aber anders, weshalb es auffiel. Er sagte nämlich: „Habt ihr die Wahnsinnskarre da draußen gesehen?“
„Nö“, antwortete Henning, „haben wir nicht, Carsten. Welche Karre, und warum sollten wir, und was ist an der besonders?“
„Der reine Wahnsinn, Leute! Das muss man gesehen haben: AUDI S6 Coupé, Allrad, plug in elektro, ganz in Schwarz, getönte Scheiben, rote Keramik-Bremssättel, Ledervollausstattung, gepanzert – Junge, Junge, der reine Wahnsinn, kostet mindestens 150.000 Euro, mindestens! Berliner Kennzeichen. Fahrer in Uniform. Wahnsinn, sag´ ich, der reine Wahnsinn!“
Wenn Carsten das sagt, dann ist die Karre gepanzert usw., da kann man sich blind drauf verlassen. Bei Autos und bei Treckern ist Carsten nämlich ganz und gar nicht zurückgeblieben.
„Ja, und?“, fragte ich gelangweilt, vor allem aber, um Carsten eine Freude zu machen.
„Na ja, ich meine ja nur, das Auto ist der Hammer, Thors Hammer!“. Carsten hat die Hollywood-Filme mit Thor gesehen, daher kennt er den Hammer.
„Ist ja gut, Carsten“, sagte ich (als Jens), „nun komm man her und trink ein Bier mit uns.“
Er macht zwei Schritte und stockt dann. „Na klar, ach nee, geht ja nicht.“
„Warum?“, fragte Henning, jetzt ernsthaft interessiert, „seit wann kannst du kein Bier mehr mit uns trinken?“
„Doch, klar, kann ich, also Bier trinken, aber nicht mit euch…“. Er macht einen auf traurig.
„Carsten, haben wir dir ´was getan? Wieso kannst du mit uns kein Bier mehr trinken? Tust du doch sonst auch immer, vor allem wenn einer einen ausgeben tut.“
„Naja“, Carsten ist jetzt verlegen, „Bier mit „uns“ trinken, heißt doch mit euch, oder? Also mit dir und mit dir.“ Beim ersten und zweiten „dir“ schaut er jeweils einen von uns – wir und Henning – an. „Aber wenn du (er schaut uns = mich Jens) an, doch gar nicht mehr da bist…?“
„Wieso? Ich bin doch da, Carsten!“
„Ja, nee, schon klar, Jens – aber gleich nicht mehr, du sollst nämlich mal rauskommen, hat der mit der Uniform gesagt, sein Boss will was von dir wollen!“
Verstehen Sie jetzt, warum ich vorhin gesagt habe, Carsten sei ein wenig zurückgeblieben?
„Carsten“, fragte ich und schaute ihn dabei direkt an, „was ist denn nun los, und was hat der Typ mit dem Wahnsinns-AUDI genau gesagt?“
„Bitte, ich glaube, er hat bitte gesagt, du sollst mal zu ihm rauskommen, hat er gesagt, weil nämlich sein Chef was von dir wollen tut. Kann ich jetzt bitte doch gleich ein Bier haben, Henning, auch wenn Jens gleich rausgehen muss? Man, hab´ ich ´nen Durst! Den ganzen Tach auf´m Acker, weißt du, das macht nämlich mächtig durstig.“

„Klar“, sagte ich, „kriegst du, Carsten“. Ich ging zum Fenster und sah mir den Typen mit dem Wahnsinns-AUDI vorsichtig durch die geschlossene Gardine an. Man müsste Elsa mal einen Waschtag für Gardinen nahe legen, fiel mir dabei auf. Aber nicht jetzt. Ich sah gerade noch genug. Schwarzer AUDI S6. Carsten hatte Recht. Die Kiste sah ziemlich heiß aus. Mit einem Magnet-Blaulicht auf dem Dach. In Verbindung mit dem Berliner Kennzeichen sah das schon sehr nach Dienstwagen aus. Aber höchste Charge, wirklich allerhöchste. So ein Blaulicht kann sich zwar jeder über Amazon kaufen, das war es aber nicht. Die Uniform des Fahrers war es auch nicht, die kann man auch bei Amazon bestellen. Dass sie wie maßgeschneidert aussah, das war es schon eher. Oder wie der Mann in Uniform da rumstand. Das auch. Am meisten war es aber das Gefühl. Mich deuchte, dass das Ganze nicht nach einer Falle sondern nach einem Job aussah. Ab und zu muss man gerade in unserem Job Risiken in Kauf nehmen. Ich spürte ein wenig Adrenalin, nicht viel, aber doch... Henning stand inzwischen neben mir und sah auch zum AUDI.


„Hhm“, machte Ernst unsicher.
„Sollen wir?“, fragte Mari.
„Den mach´ ich im Zweifel alleine alle“, meldete Rudi.
„Erstens glaube ich das nicht, und im Zweifel machst du gar nichts!“, wies ich Rudi zurecht. „Wir gehen da jetzt raus und fragen ihn ganz freundlich, was er von uns will!“


„Hast du eine Waffe?“ fragte Henning leise. Als ich den Kopf schüttelte, fragte er flüsternd, ob ich seine private und nicht registrierte Dienstpistole wollte. Nein, wollte ich nicht. Der Typ am AUDI sah nicht so aus, als ob er mich mit Waffe ins Auto steigen ließe.
„Lass man, geht schon, ich geh´ so raus“, sagte ich.
„Warte“, sagte Henning, „ich gehe durch die Küche hinten raus und komme dann ums Haus ´rum – nur für alle Fälle. Gib´ mir ´ne Minute.“
„Ja“, nickte ich, „mach´ das, wenn´s dich beruhigt.“
„Prost“, rief ich Carsten zu, der sich selbst bedient hatte und an seinem Bier nuckelte, als ich langsam zur Tür ging, um Henning die eine Minute zu geben.

Der Fahrer in der Maßuniform stand bewegungslos neben seinem AUDI. Er schaute mich mäßig interessiert an, als ich die 10 Meter zu ihm ging.
„Sind sie mein Mann?“, fragte er, „Wenn ja, soll ich sie bitten, einzusteigen, damit ich sie zu meinem Chef bringen kann. Wird eine halbe Stunde dauern bis wir da sind, soll ich ihnen sagen, dann hängt es von ihnen ab und dann wieder eine halbe Stunde zurück. Wenn sie sich mit meinem Chef nicht einig werden, kriegen sie fünftausend Euro für die Zeit. Wenn sie mich fragen, viel zu viel – aber mich fragt eh keiner, was soll´s also. Falls sie sich einig werden, kann ihr Honorar unverschämt hoch bis oben offen sein. Steigen sie jetzt ein?“, fragte er und hielt mir die Tür auf. Vorher wollte er mich auf Waffen abklopfen. Ich ließ ihn machen. Er war kein besonders netter Typ, sein Griff war fest und wahrscheinlich konnte er gut Auto fahren. Andersherum – netter Typ, der nicht gut Auto fahren konnte – das wäre ja auch blöd gewesen. Irgendetwas musste er ja haben. Und Auto fahren lag in seinem Job am nächsten.
5.000 Euro für zwei oder drei Stunden?

Ich hatte schon schlechtere Angebote bekommen. Wir dachten noch einen Moment lang nach,

Mari: „Na los!“
Rudi: „Klar doch!“
Ernst: „Wird schon schiefgehen!“
Ich: „Na gut!“

dann stiegen wir ein. Hinten, wie es sich für wichtige Gäste gehörte.


„Bitte anschnallen“, sagte er noch im Anfahren. Er fuhr sutje. Bis er Hennings Lichter hinter uns auftauchen sah.
„Ihr Freund verfolgt uns“, sagte er mit einem Blick in den Rückspiegel. „Der muss sie ja sehr mögen, dass er so auf sie aufpasst. Süß! Na, dann wollen wir mal.“
Doch, er konnte Auto fahren. Und wie. Er und sein Auto gaben viel, aber ich bezweifelte, dass es schon alles war. Er blieb ganz ruhig, verkrampfte kein bisschen, nicht einmal in den engen nassen Kurven im Wald. Ich schon! Schneller fuhren die in WRC11 auch nicht.
Ich schaute mich nicht nach Henning um. Ich wusste, dass der da vorne am Volant ihn jetzt schon meilenweit abgehängt hatte. Irgendwann fuhr mein Fahrer auch wieder mit normaler Geschwindigkeit. „Das war schneller als die Polizei erlaubt“, lächelte er mir via Rückspiegel zu. Er konnte also doch eine Emotion zeigen: Stolz.
„Das war die Polizei“, sagte ich leise (mit Betonung auf „war“).

„Tatsächlich?“, lächelte er wieder in den Rückspiegel, „Dann brauchen die mal neue Autos! Ich werde Bescheid sagen.“. Diese Bemerkung verstand ich in diesem Moment nicht. Wie auch?
Wenig später waren wir da angekommen, wo er mich hinbringen sollte. Ich stieg auf dem wegen der Jahreszeit und der Pandemie leeren Campingplatz am Strand neben einem großen Wohnmobil aus, das mindestens so ausgefallen aussah wie der AUDI, mit dem ich gekommen war. Laute Rockmusik dröhnte. Die Antennen auf dem Dach ließen auf einen Amateurfunker (oder Profi?) oder etwas Ähnliches schließen. Das ganze Paket war das letzte, was ich erwartet hatte. Ich meinte, es liefe gerade „Bat out of Hell“ von Meat Loaf. Jedenfalls hatte der Typ im Wohnmobil einen vernünftigen Musikgeschmack.

„Gehen sie nur hinein“, forderte mein Fahrer mich auf, „man erwartet sie und niemand anders mehr. Ich bleibe draußen. Da ist mein Platz. Klopfen müssen sie nicht, das würde sowieso niemand hören, glaube ich. Ich habe sie angemeldet.“
Er schien nicht unzufrieden mit seinem „Platz draußen“ zu sein. Vielleicht hatte er auch einfach einen anderen Musikgeschmack.
Ich öffnete die Tür des Wohnmobils und die Wucht der Musik von Meat Loaf haute mich fast um. Das waren mindestens zweimal 600 Watt aus einer guten alten Stereoanlage mit großen Boxen. Und der Verstärker war richtig weit aufgedreht.

Meat Loaf war ein Vorläufer von Queen, was den sogenannten Bombast Rock angeht. Bombastisch ist das schon. Ich persönlich fand den Dicken ja schon immer besser als diese dünne Bohnenstange Mercury. Der Dicke hatte auch die besseren weiblichen Co-Stars !
„Boa, ist das laut“, stöhnte Mari gequält, „spinnt der?“. Sie stand eher auf Queen und „Bohemian Rhapsodie“ als auf die „Frikadelle“.
„Immer herein“, schrie mein Gastgeber lachend, „bei dem Lärm kann uns niemand abhören, wissen sie.“
Das glaubte ich sofort, ich konnte ihn ja selbst kaum verstehen. Ich kletterte drei steile Stufen hoch, dann war ich so weit im Wagen, dass ich die Tür hinter mir schließen konnte. Im Dunst einiger teuer riechenden Zigarren nahm ich neben dem Schreihals vage zwei weitere Männer war. Einer, der Schreihals, stand vor mir und bot mir die Hand an, die anderen saßen weiter hinten im Wagen. Ich schüttelte die mir angebotene Hand und dachte dabei an das Honorar, das oben offen sein sollte. Der Typ schien gar nicht unsympathisch zu sein. Für das angekündigte Honorar hätten wir aber auch dem Teufel die Hand geschüttelt.
Als wir uns umsahen, wurde klar, dass es sich bei dem angeblichen Wohnmobil gar nicht um ein solches handelte, sondern um ein Besprechungsmobil, wenn es so etwas gibt. Dieses Auto bewies es.

„Wow“, befand Rudi, „was ist das denn für eine Kiste?“
„Teuer“, bemerkte Ernst, „teuer und sehr professionell!“
„Wo sind wir denn gelandet?“. Das war Mari.

Betten fehlten völlig, stattdessen gab es einen schimmernden Konferenztisch für vier bis sechs Personen und jede Menge Bildschirme und Elektronik. Eine kleine Pantry bestand vor allem aus einem offenbar gut gefüllten Weinkühlschrank. Die Fenster waren von innen mit Jalousien verdunkelt. Das Licht war gedimmt.


„Nennen sie mich einfach Nummer 1“, sagte der Händeschüttler mit einem sehr festen Händedruck, „und die beiden da sind Nummer zwei und Nummer drei. Das muss für den Moment reichen.“
Mir kam das etwas komisch vor, aber wenn der Teufel wollte, dass wir ihn Gott nannte, dann taten wir das bei „oben offenem“ Honorar. Da hatten wir schon Kruderes an Auftraggebern erlebt. Einer… – ach, lassen wir das, das gehört hier nicht her.
„Hallo“, sagten wir, „einen schönen Tag auch, meine Herren…“. Wir machten jeweils eine angedeutete Verbeugung in Richtungen von Nummer zwei und drei. „Mich können sie nennen, wie sie wollen. Ist mir egal. Nummer vier, vielleicht?“
„Nein“, sagte Nummer 2 völlig humorlos, „bis sieben sind die Ziffern belegt, Nummer 8, höchstens, vielleicht, oder wir verwenden Buchstaben – wenn wir uns einigen.“

„Er meint Nummer 8, 9, 10 und 11“, mischte sich Mari ein, „aber egal, er weiß es ja nicht!“
„A bis D ginge auch“, bemerkte Ernst, „Gott, ist der humorlos!“

„Ich bin gespannt“, sagte ich und setzte mich auf den freien Stuhl am Konferenztisch, „womit kann ich dienen, meine Herren?“
Erstaunt nahm ich nun einen richtigen Plattenspieler für Vinyl-Platten wahr. Auf dem drehte sich die Meat Loaf-Platte.

„Das ist aber nicht die Originalfassung“, sagte Ernst, der so etwas natürlich wusste, auf der kommen mindestens vier Stücke zwischen „Bat out of Hell“ und „Paradise at Dashboard Light“, wenn ich mich nicht irre!“

„Das ist aber nicht die Originalfassung“, sagte ich, „falsche Reihenfolge…“
„Tatsächlich“, gab Nummer 3 wie um Verzeihung lächelnd zu, „wir haben uns da eine eigene Version zusammenstellen und pressen lassen… Der gute alte Meat Loaf weiß allerdings nichts davon. Ich hoffe, sie können schweigen…“

„Wie ein Grab“, sagtdachte wiederum Ernst und meinte das auch ernst.

„Natürlich, wie ein Grab! In meinem Beruf muss man schweigen können, sonst wird man nicht sehr alt!“
„Womit wir beim Thema wären“, sagte Nummer 1 ganz lässig, „respektive beim Töten. Schön, dann können wir uns das Drumrumgerede sparen. Das finde ich sehr angenehm. Wir haben uns sagen lassen, dass sie Spezialist seien… Falsch, DER Spezialist. Das ist doch richtig, oder?“
Ich verzog keine Mine, sagte auch nichts, schaute erst ihn und dann die anderen an.
„Sie müssen sich keine Sorgen machen“, sagte Nummer 1, „ auch wir können schweigen. Wir wollen sie nicht verraten, und wir wollen sie mit unserem Wissen auch nicht erpressen. Wir wollen uns ihre offenbar einmaligen Gaben, Fähigkeiten und Erfahrungen zu Nutze machen. Wir brauchen den Besten! Und wir haben unsere Quellen. Die sind sehr verlässlich, glauben sie uns, geradezu extrem verlässlich! Wir wollen sie also für einige Jobs – sagt man „Jobs“ in ihren Kreisen? – anheuern.“
Unsere Kreise? Was sollte das denn nun wieder heißen? Killerkreise? Mördergesellschaft? Assassinengewerkschaft? Was die Leute sich nur immer vorstellen…
„Wir vertreten nämlich eine kleine aber feine Organisation“, ergänzte Nummer 2, „eigentlich sogar eine sehr kleine und sehr feine Organisation. Wir – mit uns – sind sieben.“
„Aha“, murmelte ich.
„Wir wissen, dass sie es gewohnt sind, Menschen aufgrund sehr weniger Informationen für ein außerordentliches Honorar aus dem Wege zu räumen.“
Er vermied das Wort „ermorden“, das war ihm wohl unangenehm. Komisch, die meisten Auftraggeber haben Probleme damit, einen Mordauftrag als solchen zu bezeichnen. Ich zuckte immer noch nur schweigend mit den Schultern. Nur nichts zugeben, was die anderen nicht schon wussten. Und sie taten, als ob sie viel wüssten, für meinen Geschmack eigentlich zu viel.

„Das verspricht spannend zu werden“, flüsterte Mari. Sie flüsterte natürlich nicht. Ihre Gedanken entsprachen dem gehirninternen Pendent für Flüstern.
„Was wissen die und woher und warum?“, fragte Rudi leicht angespannt.
„Ungewöhnlich“, ergänzte Ernst, „mal abwarten…“

„Wir wollen sie als Partner gewinnen“, sagte Nummer 2, „aus unser Sicht sollten sie daher einige Informationen über uns erhalten, damit sie begreifen, warum wir tun müssen, was wir tun.“
„Wir könnten uns“, warf Nummer 3 ein, „natürlich als die Guten darstellen, als die, die nur das Beste für unser Land wollen – vielleicht mit einem klitzekleinen Umweg über das Böse…“
„Das wären dann sie“, ergänzte Nummer 1 und schaute dabei nicht uns an sondern auf den Tisch, „also das Böse!“
„Aber eigentlich geht es auch ums Geld“, sagte Nummer 3, „allerdings um sagenhaft viel Geld…! Dann wären wir ja auch ein bisschen böse!“
„Kapitalistenschweine…“, lachte Nummer 2.
„Nicht nur um den schnöden Mammon“, korrigierte Nummer 1, „aber das ist auch wieder zu einfach, finde ich. Klar, es geht ums Geld, natürlich, aber es geht uns auch ums Gute im Land und vor allem um das Gute für das Land!“
„Für Deutschland! Wir haben eine kleine Präsentation vorbereitet“, sagte Nummer 2, „die wir ihnen gerne zeigen möchten, denn wir möchten, dass sie nicht nur unser Assassine sondern unser Partner werden – vielleicht die Nummer 8 in unserem Kreise?“

„Ist das denn nötig?“, fragte ich, „Eigentlich reichen mir Name, Adresse und vielleicht eine Telefonnummer – und ein zeitlicher Zielkorridor, in dem der Auftrag zu erledigen ist. Warum sollte ich mehr wissen? Warum sollte ich Partner werden? Je weniger ich weiß, desto besser für Auftraggeber und mich. Und keine Bindung irgendeiner Art. Falls ich gefasst werden sollte, bedeutet das mehr Sicherheit für den Auftraggeber… Denn was ich nicht weiß, kann ich auch nicht verraten.“

„Ach das“, winkte Nummer 2 ab, „das haben wir für sie schon erledigt. Dass sie gefasst würden, können wir für den Rahmen unserer Operationen getrost vergessen. Wir haben da unsere Beziehungen und Kanäle. Was glauben sie, warum unsere Sicherheitsorgane ihnen nie nahe gekommen sind? Das waren wir. Immer im Hintergrund. Wir haben jederzeit ein Auge, mindestens eines, auf ihre Aktionen gehabt. Ihr Dossier ist dick. Aber es kommt niemand heran, weil wir es nicht wollen. Und was glauben sie, warum in ihrem Dorf seit Jahren ausgerechnet ein Herr Pogwisch die Kriminalpolizei repräsentiert? Ganz einfach: Dann kann nicht so ohne weiteres ein anderer, evtl. ein schlauerer kommen, um dann dumme Fragen zu stellen. Aus unserer Sicht ist Pogwisch der beste Mann direkt bei ihnen.“
Ich muss wohl sehr dumm aus der Wäsche geschaut haben, als Nummer 2 das sagte.

Intern waren nur ???????? und Entsetzen zu spüren. Henning Pogwisch sollte deren bester Mann sein?
„Schützen die uns etwa?“, fragte Mari ungläubig.
„Sieht so aus“, meinte Ernst.

„Pogwisch weiß es selbst nicht!“, lachte Nummer 1, „Aber wenn es mit rechten Dingen zugehen würde, hätte er schon lange wegen Faulheit und Dummheit aus dem Dienst entlassen werden müssen. Spätestens seitdem die beiden Controller in ihrem Dorf verschwanden. Oder als unser Mann den Hafendampfer in Kiel nicht mehr lebend verließ und nie wieder gesehen wurde. WIR haben das verhindert! Weil WIR wussten, dass WIR eines Tages in die Situation kommen würden, in der wir sie brauchen würden!“
„Wollen wir beginnen?“, fragte Nummer 3, „und sind die Abhörfilter scharf geschaltet?“
„Alles klar“, sagte Nummer 2 nach einem Bild auf einen kleinen Bildschirm, der vor ihm im Tisch leuchtete, „wir sind sicher!“
Nummer 3 tippte auf den Tisch, der sich daraufhin als Bildschirm herausstellte. Nach einem kurzen Moment drehte sich der Bildschirminhalt so, dass ich alles lesen konnte. Eindrucksvoll.

„Junge, Junge“, staunte Rudi.
„Oha“, staunte Ernst.
„Technischer Spielkram für Männer!“. Das war natürlich Mari. Die interessierte technischer Spielkram nur, wenn sie damit schießen konnte.
Ich fand´s hübsch.

„Nette Spielerei, oder?“, lächelte Nummer 1.

„Saugeil“, befand Rudi.

„Ja, lassen sie uns ganz vorne beginnen“, startete Nummer 2. „ Sieben talentierte junge Männer trafen sich Anfang der 70iger Jahre in einer studentischen Verbindung in Kiel.“
„Daher die Narben in den Gesichtern“, erklärte Mari, „die waren mir schon aufgefallen. „Schlagende Verbindung!“
„Uns verband zunächst, dass wir Stipendien ergattert hatten, dass wir keine adligen und oder reichen Eltern vorweisen konnten wie die anderen Studiosi. Wir waren in dem Kreis arme Puker! Denn auf uns warteten keine Kanzleien, keine Firmen-Erbschaften und keine Kliniken, die wir übernehmen sollten. Wir waren in den Kreisen Outsider. Aber wir waren ehrgeizig und verdammt gut. Das alles verband uns dann für immer! Wir mussten unsere Studien möglichst schnell abschließen. Trotzdem haben wir natürlich Verbindungen aufbauen können, die uns später sehr geholfen haben. Verbindung! Das heißt ja nicht umsonst so. Damals bekam man mit einem Schul- oder Universitätsabschluss sofort gute Jobs! Wir entschieden uns für den Staat. Beamter zu sein, erschien erstrebenswert.“

„Und – und das sollte keineswegs unterschlagen werden – wir waren durchaus national eingestellt. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätten wir dort nicht überleben können. Wir waren nicht links wie die meisten Studenten außerhalb der Verbindungswelten, und wir waren auch nicht so weit rechts, wie die anderen in der Verbindung, wir waren ganz einfach politische Mitte, wie gesagt, und Deutschland und das Grundgesetz bedeuteten uns etwas!“. Das war Nummer 1.
„Die Studentenbewegung hatte damals schon viel bewegt“, übernahm Nummer 2, „das hat uns sicherlich geholfen. Wir selbst waren nicht unpolitisch, wir waren gut, wir waren hoch motiviert, wir haben uns auf unsere persönliche Märsche durch die Institutionen gemacht. Es war, um es mit Mao zu sagen, ein langer Marsch. Aber wir haben schnell Karriere gemacht, sind die Beamtenlaufbahnen geradezu hinauf gestürmt. Man wurde höheren Orts auf uns aufmerksam (da saßen teilweise ja auch unsere Alten Herren aus der Verbindung – in so etwas ist man ja nicht umsonst), man hat uns gefördert und unterstützt.
Heute sind wir Spitzenbeamte in verschiedenen Ministerien in Berlin und in einigen Bundesländern. Unsere Bereiche sind (die Worte erschienen jetzt auf dem Bildschirmtisch)

• Bundesrepublik
o Finanzen
o Inneres
o Gesundheit,
• Bayern
o Staatskanzlei und Inneres
o Finanzen
• Nordrhein-Westfalen
o Inneres
• Baden-Württemberg
o Wirtschaft

Wir wurden selbst „alte Herren“ der Verbindung und konnten uns mit den Jobs, die wir relativ bald zu vergeben hatten, die Besten aussuchen und als unsere Eleven heranziehen.
Wir haben von Anfang an kalkulierend oder berechnend agiert, wir waren ja nicht dumm: Parteipolitisch haben wir uns aufgeteilt – für alle Fälle, man wusste ja nie. CDU, FDP und SPD, wir haben die ganze Palette abgedeckt. Wir haben auch junge Leute zu den Grünen geschickt – auch für alle Fälle! Unter uns sind später die verschiedensten Personen aus allen möglichen Parteien Minister gewesen. Manche sogar in Turnschuhen. Naja, was soll´s? Die Minister und Ministerinnen durften schöne Reden halten, die wir oder unsere Leute geschrieben hatten. Entschieden haben aber immer wir!“
„Wir haben die ganze Zeit versucht, Deutschland voran zu bringen. Fachwissen, Erfahrung und gesunder Menschenverstand, das waren unsere Leitbegriffe. Das wollten wir vermitteln und in der Gesellschaft verankern. Parteipolitisches haben wir weitestgehend versucht, aus unseren Entscheidungen heraus zu halten“, sagte Nummer 1.

„Anfangs ging das noch. In den letzten Jahren ist das allerdings immer schwieriger geworden“, stöhnte Nummer 3. „Glauben sie nicht, dass in den Ministerien nicht auch richtig gute Leute sitzen. Auch jetzt noch! Aber das Arbeiten wird immer schwieriger. Alle wollen mitreden: Diverse Ministerien bringen ihre Wünsche in ein Gesetzesvorhaben ein, dann sind EU-Vorschriften zu berücksichtigen, ggf. internationale Abkommen, Normen und „Hinweise“ vom BGH. Wenn sie ein halbwegs gutes Gesetz zusammengeschustert haben, geht es in Ausschüsse … Von nun an wird´s verwässert! Jetzt kommen parteipolitische Interessen, regionale Besonderheiten und Proporzfragen ins Spiel. Von nun an wird geklüngelt: Interessenverbände und Lobbyisten machen Druck auf – im wahrsten Sinne des Wortes – ihre Abgeordneten. Aus Wein ist inzwischen Schorle geworden. Im Bundestag und Bundesrat wird aus Schorle dann reinstes Wasser. Die, die die Gesetzesvorlage einmal erarbeitet haben, erkennen ihr „Baby“ nicht mehr wieder! Kurzform! Da kann nur noch Mist herauskommen, wenn so gearbeitet wird.
Schauen sie, das Bürgerliche Gesetzbuch entstand um 1900. Seitdem wurde es in manchen Bereichen ergänzt und den gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen langsam angepasst, im Kern blieb es über 120 Jahre erhalten und taugt immer noch. 120 Jahre! Und jetzt? Heute?

Einige Verordnungen, die im Rahmen der Pandemie erlassen wurden, haben nicht einmal eine Woche gehalten, bis Gerichte sie gekippt hatten. Das konnte nur geschehen, weil sie von zweitklassigen Juristen mit sehr heißer Nadel gestrickt worden sind. Und weil sich lokale Politiker, die vor allem ihrem Wahlvolk gefallen wollten, eingemischt haben.

Apropos Politiker. Unsere Politiker.
Früher, vor 50, 40 oder 30 Jahren hatten wir teilweise richtig gute Leute in den Parlamenten. Parlamentsdebatten waren noch das, was sie vom Begriff her verhießen: Debatten! Gestandene Politiker haben tatsächlich mit Argumenten um die besten Lösungen gerungen. Teilweise ging es natürlich hoch her, aber im Endeffekt ging es um die Sache!
Hören sie sich mal historische Aufzeichnungen von Debatten zwischen Strauß und Wehner an, wie die sich rhetorisch duellierten… mein Gott, das war gut! Und manchmal witzig! Das sind heute noch klassische Lehrstücke oder Highlights des Parlamentarismus.
Ein Willy Brandt hatte noch politische Visionen – nein, keine durch Rotwein –, Egon Bahr oder Helmuth Schmidt waren bewundernswerte politische Größen, egal, ob man sie nun mochte oder nicht.
Der heute wegen „Hartz“ und „Gazprom“ so gescholtene Schröder widersetzte sich mindestens teilweise aus moralischen Erwägungen dem Drängen von US-Präsident Bush, als der 2003 einen Einstieg Deutschlands in den Zweiten Irak-Krieg forderte.
Oder denken sie an die frühen Granden der FDP: Frau Hamm-Brücher, Genscher, Baum… Wenn der alte Herr Baum heute noch manchmal in TV-Talkshows auftritt, sind diese Auftritte Lehrstücke demokratischen Denkens.
Mein Gott, die FDP-Granden waren gut… Und dann kamen ihre Nachfolger, die Rösler´s, Westerwelle´s und Lindner´s! Was für ein Absturz für die FDP, was für einer für das Land…
Aber die anderen Parteien stehen ja nicht besser da. Die SPD ist von einer Volkspartei zur Splitterpartei mutiert. Ich sage nur Schulz und Nahles. Oder ein Langweiler Scholz als Spitzenkandidat. Wen bietet die CDU als Merkel-Erben? Einen Regionalfürsten Laschet, der sich gegen sogenannte und sich so gebende „Supertypen“ wie Merz, Röttgen und zum Schluss immerhin Söder – den Mann mit den unendlich vielen politischen Überzeugungen, die immer davon abhängen, wie der politische Wind gerade weht – durchgesetzt hat.
Die Grünen+ setzen sich für Sanktionen gegen China ein, weil die die Hong Kong und Uiguren malträtieren. China ist so schön weit weg und hat gerade einen Sympathieknick wegen Corona zu ertragen! Hoffentlich merken die Chinesen das nicht und setzen den Import deutscher Autos aus…
Die Ökos setzen sich allerdings nicht für Sanktionen gegen die Schweiz ein, also z.B. gegen den Import Schweizer Käses! Dabei ist das Bergbauunternehmen Glencore, das die Menschenrechte in Afrika bei Abbau Seltener Erden mit Füßen tritt, ein Schweizer Unternehmen.

Es gibt auch keine Sanktions-Forderung gegen französischen Champagner! Frankreich ist für diverse lokale Konflikte, Kriege und Völkermord in Afrika verantwortlich – nämlich da, wo sie Uran abbauen. Als jüngstes Highlight schlägt ein Habeck vor, Waffen an die Ukraine zu liefern…

Mit ihren aktuellen Partei-Spitzenleuten sind die Parlamente Schwätzbuden geworden, in denen Dummköpfe unglaublich viel heiße Luft von sich geben. Sagt ihnen in diesem Zusammenhang der Name Amthor etwas? Ja ? Kennen sie! Dann muss ich nicht mehr sagen, oder? Der Mann ist doch ein politisch-ethisches schwarzes Loch – allerdings eines ohne Masse“.
Nummer drei hatte sich offenbar luftleer geredet. Er atmete einige Male tief durch, dann fuhr er fort:
„Ein Mann wie Parlamentspräsident Schäuble, der immerhin ein Hauptverursacher der Griechenlandkrise vor einigen Jahren war, vertritt, als der Amthor wegen unredlichen Geschäftsgebarens mehr oder weniger aufgeflogen ist, die Meinung, dass seinem Parteigenossen Amthor strafrechtlich doch gar nichts vorzuwerfen sei – und damit hatte es sich dann! Als ob es außer Strafrecht keine ethischen Handlungslinien für Politiker gäbe. Naja, gibt es wohl auch nicht.
„Dr.“ Scheuer, der Scheuer Andi von der CSU trägt einen Doktortitel aus Prag, der nur in Bayern und Berlin gilt. Dafür hat es gereicht, für mehr nicht. Nicht einmal eine gerichtsfeste Mautregelung hat er hinbekommen – aber wahrscheinlich 800+ Millionen hat er dafür versemmelt! In Untersuchungsausschüssen versagt sein Erinnerungsvermögen total. Ein bisschen gelogen wird dort auch. Und was passiert ihm? Nichts. Haftet er etwa seinem Vaterland für den Schaden? Nada!
Ist ihnen übrigens schon aufgefallen, dass die in letzter Zeit erwischten Doktor-Schummler fast alle aus den „wirtschaftsnahen Parteien“ CDU, CSU und FDP kommen?“
Nr. 3 wischte über den TV-Tisch und zauberte eine Tortengrafik hervor, die das illustrierte:

drweg3

„Nehmen sie Frau Giffey aus der SPD. Die hat bis zum letzten Tag vor der von ihrer Universität angekündigten Entdoktorung ihren Job als Familienministerin ausgesessen. Als es gar nicht mehr ging, ist sie zurückgetreten – aber nicht etwa, um sich still und bescheiden in eine Ecke zurück zu ziehen, um sich zu schämen, nein, um Spitzenkandidatin für Berlin zu werden. Schlechtes Gewissen? Warum denn? Fracksausen in der SPD? Warum denn? Ist doch Business as usual.

Diese akademischen Doktor-Betrüger sind schon als Studenten ein hohes Risiko eingegangen, erwischt zu werden. Eigentlich haben sie akademisch-gesellschaftliches Harakiri gespielt. Sie haben damals gewonnen und dabei gelernt, dass und wie man mit geringstem Ressourcen-Einsatz optimalen Ertrag für sich (!) erzielt. Und genau so machen sie in der Politik weiter: Als Betrüger oder zumindest als politisch juristische Borderliner! Sogar ein Guttenberg traut sich inzwischen wieder ans Licht der Öffentlichkeit – ausgerechnet mit einem Engagement für die Betrügerfirma WIRECARD! Naja, wofür denn sonst?“

Nummer eins führte den Monolog seines Kollegen unterbrechungslos weiter. Entweder hatten die geübt, oder wir waren der xte Gesprächs-, eigentlich ja Monolog-Partner.
„Die aktuelle Pandemie zeigt wie ein Brennglas die Schwächen dieses Staates auf. Angebliche Spitzenpolitiker, Bundesminister, erweisen sich als Pflaumen!
Ein Gesundheitsminister versagt in einer Pandemie auf ganzer Linie. Nichts, wirklich nichts kriegt er gebacken. Erst brauchen wir angeblich keine Masken, als dann plötzlich doch, bekommt er keine her, und schließlich nur zu immensen Preisen. Aber nicht sein Ministerium schafft das, das machen einige Abgeordnete etc., die Freunde haben, die den schnellen Euro riechen! Die Vermittlungstätigkeiten von Politikern auf Bundes- und Länderebene für Masken- und Test-Lieferungen wurden mit Millionen-Beträgen honoriert. Spitzenbetrag – ich bin geneigt, zu sagen natürlich – in Bayern 50 Millionen Euro. Bezahlen tut´s zum Schluss der Steuerzahler!“
Nummer 2 übernahm: „Mit den Tests dasselbe Theater: Erst brauchen wir angeblich keine, dann doch möglichst schnell möglichst viele. Aber woher nehmen? Schon wieder gute Geschäftsoptionen für schnell entschlossene Geschäftemacher! Die politischen Entscheidungen des Gesundheitsministers bereiteten breit angelegtem Betrug die Bühne. Hinterher wollte er es dann wieder nicht gewesen sein.
Die Impfstoffe: Von Anfang bis Ende eine reine Katastrophe! Mitten drin im Chaos die deutsche Ursula von der Leyen bei der EU.
Und als letztes der Impfpass – ich wette, dass auch diese Geschichte auch den Bach runtergehen wird.
„Wenn ich hier einmal einhaken darf“, unterbrach Nummer 3. „Da gibt es eine schöne Geschichte aus Bayern, die hierher passt. In München gibt es ein Biotec-Start-Up, das einen Corona-Schnelltest auf Antikörper-Basis entwickelt hat, der alle Antigen-Schnelltests in jeder Hinsicht vergessen lässt: 99,x Prozent Sensitivität und Sensibilität, naja, was immer das heißen mag. Ist jedenfalls Klassen besser und verlässlicher als alles andere. Genial, wenn sie mich fragen.
Die Gruppe forscht und entwickelt den Test unter immensem Zeitdruck. Es herrscht ja Pandemie.
Die Jungs erhalten sogar einen Termin in der Bayerischen Staatskanzlei, um ihr Produkt vorzustellen. Eine Stunde bevor der Ministerpräsident sein Plazet geben soll, wird die Präsentation abgesagt – angeblich weil Bayern einen Exklusivvertrag mit einem Schweizer Konzern hat, der seine PCR-Tests verkaufen will. Ende der Geschichte. Und wieder ein politisches Aus für einen (deutschen) Weg aus der Pandemie.
Oder nein, der beste aller weltweit entwickelten Corona-Schnelltests kommt aus Deutschland und wird nicht eingesetzt. Warum? Die Jungs in dem Start-Up haben neben dem Forschen und Entwickeln das – finanzielle! – Einbinden der „richtigen“ Leute „vergessen“! So geht das inzwischen! Okay, jetzt du wieder.“
„Ja, danke, noch einmal zurück zum Gesundheitsminister Spahn. Er ist für mich der allererste Anwärter auf die GOLDENE GURKE für den politischen Versager des Jahres! Was immer er anfasst, ging doch grandios schief. Erinnern sie sich noch daran, dass er ursprünglich die Löhne in der Pflege (nach oben) anpassen wollte? Das war angeblich sein Herzensprojekt. Ist auch nichts geworden, Herz hat er also auch nicht.

Allerdings steht er ja nicht alleine da! Der Wirtschaftsminister ist ein echter Konkurrent um die GURKE. Die SILBERNE GURKE ist ihm zumindest sicher. Er kündigte Hilfsprogramme ohne Ende an, die Milliarden sollten nur so purzeln. Das klang auf Pressekonferenzen grandios. Nur strömte das versprochene Geld nicht zu denen, die es brauchen, es tröpfelte – wenn überhaupt. Außer zu Mercedes-Benz: Die kriegen mal eben über 600 Millionen Euro Kurzarbeitergeld-Unterstützung. Warum? Damit die Prämien, Boni und Ausschüttungen gezahlt werden können!
Das Staatsversagen hört doch gar nicht mehr auf. Erinnern sie sich noch an die beliebten Pandemie-Gipfel mit Merkel und den Landesfürsten? Am Abend wurde beschlossen, Merkel durfte nachts in Pressekonferenzen etwas verkünden – und am nächsten Tag machten die Länder dann ihre eigenen Dinger!“
Nummer 2 übernahm wieder: „Es geht nur noch, na gut, nicht nur noch, aber sehr häufig darum, sich als Abgeordnete oder –ter die Taschen so gut es geht füllen zu lassen. Wer soll von den Diäten leben? Die heißen ja nicht umsonst „Diät“. Von Diät wird man dünn, oder?
Das Stichwort lautet „Aserbaidjan“! Die Bundestagsabgeordneten Strunz, Fischer, Hauptmann und CSU-Staatssekretär Lintner haben insgesamt zig-Tausende für Lobbyarbeit für Aserbaidjan erhalten. Für Aserbaidjan? Da fragt man sich, wer eigentlich dümmer ist: Die Aserbaidjaner, die das Geld – für was eigentlich? – zahlten, oder die Politiker, die es – für was eigentlich? – annahmen.
Was uns noch von einer Bananenrepublik unterscheidet, ist doch nur, dass hier in der BRD keine Bananen wachsen!“

„Womit wir beim Thema angelangt wären“, sagte Nummer 1, „wir haben einst versucht, Gutes für Deutschland zu generieren. Und mussten bitter lernen, dass es nicht funktioniert, dass zu viel Lobbyismus, Bestechung und Vorteilsnahme herrschen.
In Deutschland kriegen wir nichts mehr gebacken: Keine Steuer-, keine Wahlrechts- und keine Föderalismusreform. Wir kriegen über 16 Bundesländer kein einheitliches Abitur hin. Wir kriegen noch nicht einmal hin, dass die Länder das vom Bund bereit gestellte Geld für Computer für die Kinder abrufen. Wir bauen die medizinische Versorgung unserer Bevölkerung durch Krankenhäuser ab, weil die Geld kosten. Unsere Eisenbahn- und Autobahnbrücken aus Spannbeton werden für eine Haltbarkeit von läppischen 50 Jahren ausgelegt. Die genieteten Eisenbrücken über den Kiel-Kanal halten seit 125 Jahren. Römische Aquädukte seit ca. 2000 Jahren. Aktuelle Einser-Abiturienten müssen heute vor dem Beginn des Studiums erst einmal in von den Universitäten eingerichteten Nachhilfestunden auf den Wissens- und Verständnislevel im Studium vorbereitet werden.
Wir kriegen nichts mehr hin! Warum? Weil es im Endeffekt vielen offenbar nur noch ums Geld geht. Um Bestechung. Darum, bestochen zu werden. Devise: Ich habe eine Position, also besteche mich! Ich bin bereit! Oder darum, Bestechungen zu vermitteln.

Aktive Politiker, ehemalige Politiker und Kinder von Politikern verdienen mit ihren Netzwerken Millionen bei der Vermittlung von Masken, Schutzkleidung und Schnelltests.
Wir haben nach vielen Jahren gelernt, dass wir das System Deutschland nicht ändern können! Das politische System Deutschland ist insgesamt gesehen so träge wie ein Supertanker – bloß bekommt man den nach immerhin 30 km noch zum Stoppen, Deutschland nicht.
Im Endeffekt mussten wir irgendwann einsehen, dass wir grandios gescheitert sind! Da wir also Deutschland nicht ändern können, haben wir beschlossen, uns zu ändern. Wir haben unser Geschäftsmodell umgestellt.“
„Wir haben nicht nur das Geschäftsmodell geändert, wir haben die Sprache übernommen, die DIE verstehen. Jetzt werden wir verdienen und keine Ehegesponse, Söhne und Töchterlein…“
„Eigentlich wollen wir es sogar so deichseln, dass nur noch wir verdienen! Die anderen, die, die bis jetzt abgezockt haben, werden sich aus dem Geschäft der Vorteilsnahme zurückziehen, wenn wir unsere Argumente vorgetragen haben.“
„Wir sieben haben da nämlich ein interessantes, überzeugendes und gleichzeitig wasserdichtes Modell entwickelt, in dem sie eine Rolle spielen.“
Es folgte eine dramaturgisch gut gesetzte Pause.

„Erlauben sie eine Zwischenfrage?“, bat ich endlich.
„Natürlich.“
„Ich möchte ihnen nicht vorgreifen, aber ich vermute, ich soll die, die sie die anderen nennen, aus deren wasserdichten Geschäftsmodellen entfernen, ihnen also die Konkurrenz vom Hals schaffen?“, fragte ich.
„Naja, das ist jetzt sehr direkt, geradezu brutal gesagt“, lächelte Nummer 1, „aber im Endeffekt ist es natürlich so…“
„Ich bin dann also das überzeugende Argument, denke ich mir. Warum dann das ganze Gedöns?“, wollte ich wissen, „Geben sie mir den Auftrag und alles ist paletti…“
„Ja, wollen sie denn nicht beteiligt sein?“, fragte Nummer 3, „wir reden hier nicht um Kleingeld, es geht um Milliarden!“
„Holla“, meinte Mari, „das ist eine neue Liga für uns! Milliarden. Wahnsinn, oder?“
„Ist die Frage für wen, und was wir davon abbekommen sollen?“, warf Ernst ein, der natürlich schon wieder nachgedacht hatte.
„Naja“, ruderte ich zurück, „das ist schon etwas anderes, nicht wahr? Entschuldigen sie, wenn ich direkt werde, was wäre denn so mein Anteil? Also im Großen und Ganzen, nicht auf Hunderttausend genau?“

„Soviel, dass ihre Bank wahrscheinlich überfordert wäre…“, grinste Nummer 2.
„Können wir nun weitermachen?“, fragte eine gut gelaunte Nummer 1.

„Sag´ ja nicht nein“, betonte Mari.
„Hört sich gut an“, warf Ernst ein.
„Unwiderstehlich“, befand Rudi.

„Bitte“, sagte ich mit leicht überschlagener Stimme, „fahren sie fort. Ich habe noch etwas Zeit!“

„Also, im Endeffekt wollen wir den ganzen Laden übernehmen!“, sagte Nummer 2.
„Natürlich nicht die Republik. Wir wollen ja keine Revolution anzetteln. Aber das gesamte Bestechungsgeschäft soll über uns laufen und die Bestechungsgelder sollen in toto bei uns einlaufen“, stellte Nummer 3 klar, „stellen sie sich uns etwa wie die Mafia vor. Nur besser!“

„Und zwar jeder Hinsicht besser und effektiver! Es ist so“, übernahm Nummer 1 wieder, „in normalen Zeiten wird bestochen und Bestechungsgelder werden genommen. Aber das ist Kleingeld im Vergleich mit dem, was in der Pandemie abgegangen ist. Überlegen sie mal: Maskendeal 1 bringt eine knappe Million, nur der Vertrag für Maskendeal 2 bringt dem verantwortlichen Anwalt, der auch Landtagsabgeordneter ist, die nächste Million. Der letzte bekannt gewordene Maskendeal bringt seiner Vermittlerin – nur der Vermttlerin! – zwischen 31 und 50 Millionen, wahrscheinlich eher 50! Alles Peanuts!“. Nummer 1 legte eine dramaturgisch gut gesetzte Pause ein, bevor er fortfuhr: „Nehmen sie jetzt ´mal die ganz aktuelle Zusage des Gesundheitsministers, dass jedem Deutschen zwei kostenlose Schnelltests pro Woche zustehen sollen. Kostenlos für den Bürger, nicht für den dafür zahlenden Staat, rechnen sie mal: 83 Millionen Deutsche haben wir, davon nehmen wir, um eine runde Zahl zu nehmen 50 Millionen, die die 2 Tests pro Woche tatsächlich einfordern – das sind ganz grob 100 Millionen Tests pro Woche oder 400 Millionen Tests pro Monat oder 1,2 Milliarden Tests pro Quartal. Die Bundesrepublik bezahlt bei den Mengen ca. 5 € pro Test. Summa summarum 6 Milliarden € Kosten pro Quartal für die öffentlichen Hände. Nun nehmen wir an, das ganze Theater halten wir ein halbes Jahr durch: 12 Milliarden! Wir haben gelernt, dass als geschäftsübliche Provision 10% akzeptiert werden. Wenn wir der einzige Vermittler sind, können wir 12,5% bis 15% durchsetzen. Macht zwischen 1,5 bis 1,8 Milliarden €.

Das sind die Tests. Nun nehmen sie die Impfungen. 83 Millionen Bürger, 60 Millionen, die sich impfen lassen. Zwei Impfungen sind mehr oder weniger Standard: 120 Millionen Impfstoffdosen. Lassen sie den Staat, um sicher zu gehen, 250 Millionen Impfstoffdosen á 10 € kaufen: Das sind die nächsten 2,5 Milliarden €, die er zu zahlen hat. Davon 10% Provision macht 250 Millionen € on top für uns als Vermittler. Und so geht das weiter. Wir sind jetzt schon bei über 2 Milliarden € Bestechungsgelder! Dafür muss eine alte Frau lange stricken, das Geschäft muss uns gehören.
Dann kommen noch die Kosten für die Test- und Impfzentren hinzu und die Kosten für die logistische Verteilung der Tests und Impfstoffe. Das hört gar nicht mehr auf.“

„Und daran können sie beteiligt werden“, erläuterte Nummer 3, „sie müssen nur dafür sorgen, dass ein paar bekannte und einige unbekannte Akteure in diesem UNSEREN Spiel, nämlich die uns störenden Mitspieler, verschwinden oder aufhören, mitzuspielen. Einige können geräuschlos verschwinden, zwei oder drei allerdings eher sehr geräuschvoll, um den anderen Angst einzujagen, verstehen sie? Dann werden sich viele andere zurückziehen. Angst ist ein gutes Argument, finden wir und verdient haben sie es alle, äh, haha. Das ist dann doch eine kleine Revolution, glaube ich, und Revolutionen fordern eben Opfer. Ohne geht nicht!“ Ich verstand. Langsam begann es lustig zu werden.

„Wir haben ein System von Aktionensplattformen, Netzwerken und Organisationen aufgebaut, um das ganze Projekt reibungsarm durchzuführen“, erläuterte Nummer 1, „mir untersteht zum Beispiel auch das Bundeskriminalamt. Dort habe ich einige Mitarbeiter lanciert, die etwa auf dem Niveau ihres Freundes Pogwisch arbeiten. Sobald sie als unser Assassine aktiv geworden sind und die ersten Opfer bekannt werden, werde ich eine SoKo gründen lassen, in denen diese Mitarbeiter ihr Versagen eindrucksvoll unter Beweis stellen werden – falsche und vergessene Spuren, irre Zeugen, versaute Tatorte, verschwundene Unterlagen und Beweise, langsame Arbeit, plötzlich versetzte Mitarbeiter und gefakte DNA-Spuren, die nach Russland führen! FSB! Das kommt immer gut! Nawalny lässt grüßen. Das ganze Programm! Sie werden so sicher wie in Abrahams Schoß für uns arbeiten können. Und das ist nur ein Beispiel.“
„Du hast ja noch das Presseamt ganz gut im Griff. Die können in dem entscheidendem Zeitraum andere Themen lancieren, sodass unser Thema gar nicht hochkocht!“, warf Nummer 2 ein, „oder sie können mit Materialien falsche Spuren legen. Es kann so einfach sein, wissen sie, wenn man gut vorbereitet ist.“
Das leuchtete uns sofort ein.

Dann zeigten sie auf dem Tischbildschirm verschiedene Charts, in denen ihre ganzen Strukturen aufgezeigt wurden

Präsentation2 SW

Die glorreichen Sieben schienen wirklich nachgedacht und gut geplant zu haben. Es sah auf den ersten Blick lückenlos aus. Am imposantesten erschien mir die Sache mit den Gesetzen:
Sie hatten bereits neue Katastrophenschutz-Gesetze auf den Weg gebracht, die im Rahmen der Pandemie natürlich gut ankamen. Und sie dachten nicht nur an Pandemien, nein, ihr Katastrophenschutz betraf auch Sturmfluten an der Nordsee, den steigenden Meeresspiegel, Sturzregen, Stürme und Wirbelstürme und katastrophale Hochwasser in den Flüssen. Das ganze Programm!
Es sollte ein neues Amt für die Beschaffung von Katastrophenschutz-Materialien geben, das zentral für die Bundesrepublik einkaufen würde. Die Anschaffungen würden in den Bundesländern gelagert werden, und alle paar Jahre würden die Spaten, Sandsäcke und Motorboote etc. wegen Ablauf der Haltbarkeitsfristen versteigert werden müssen. Super, was es da zu vermitteln gab…

Ein anderes Amt würde die Korrektheit der Ein- und Verkäufe überwachen und testieren. Ein drittes Amt würde die Testate zertifizieren.
Alle Ämter würden mit Eleven der Verwaltungsakademie besetzt werden, die vor vielen Jahren vom Rat der Sieben im Rahmen einer Stiftung gegründet worden war. Ausgewählte Jungbeamte wurden an dieser Akademie zu potenziellen Spitzenbeamten ausgebildet, wobei sie im Rahmen ihrer mehrjährigen dualen Ausbildung unter anderem einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, die sie zu 100%ig loyalen Followers der 7 mutierte. Damit hatten die Sieben den vollen Zugriff auf alle Vorgänge. Vor allem finanziell! Die Bestechungssummen würden direkt an eine Stiftung gezahlt werden. Im Rat der Stiftung saßen natürlich die Sieben!
Alle Leiter der verschiedenen Organisationen waren Absolventen der oben genannten Verwaltungshochschule und eingeweiht und in der Folge an den eingenommenen Bestechungsgeldern beteiligt. Ihre anteiligen Gelder wurden aber nicht auf irgendwelche Konten überwiesen – diese Geldflüsse waren überprüfbar und nachweisbar. Jeder erhielt eine Kreditkarte, mit der er oder sie einkaufen konnte. Alle paar Wochen wurden die Kreditkarten ausgetauscht. Das System war narrensicher, wie Nummer 2 vom Finanzministerium versicherte, und vom obersten Finanzgerichtshof für gut befunden worden. Warum wohl? Sogar bei Scheidungen gab es kein Vermögen, das in irgendeiner Weise geteilt werden musste. Steuerprüfungen würden nicht durchgeführt, weil es nicht genug Steuerprüfer gab. Und für diese Stiftung würde es niemals geeignete Steuerprüfer geben. Und falls doch, würden WIR wieder ins Spiel kommen! Perfekt. Und wir würden auch so eine Kreditkarte erhalten. Unlimitiert!


Wir mussten gar nicht lange nachdenken. Wir schauten uns intern an (das kopfinterne Pendent zum Anschauen), dann nickten alle vier – wir waren uns also einig.

„Gut“, sagte ich lächelnd, „wo muss ich unterschreiben?“

„Warten sie“, lächelte Nummer 1, „das Beste haben wir ja noch gar nicht erzählt…“
„Das ist nämlich“, übernahm Nummer 3, „so eine Sturmflut an der Küste ist ja schön und gut, am Besten natürlich in Hamburg. Aber wie häufig treten die denn auf? Die letzte, die man ernsthaft zählen kann, hat noch der alte Helmuth Schmidt besiegt – und das ist laaange her.“
„Und richtige Sturmfluten“, ergänzte Nummer 2, „können wir schlecht erzeugen, nicht wahr?“
„Hochwasser an den Flüssen auch nicht. Da sind wir den Gewalten einfach noch ausgeliefert – anteilsmäßig, meine ich. Auch nur alle 10 Jahre oder so. Anteilsmäßig lohnt das kaum. Die Erstausstattung an Spaten und Sandsäcken und so, ja, aber wissen sie, so richtig bringt uns das ja nichts.“
„Mit einer Pandemie dagegen“, freute sich jetzt offenbar Nummer 2, „ist das ja etwas anderes! Die sind zwar auch selten – wenn man sie lässt! Aber man muss sie ja nicht lassen. Dafür haben wir unser Virus-Forschungs-Institut. Die erzeugen wie mit einem Baukasten interessante neue Varianten von Grippe-Viren. Grippe-Viren sind nämlich die Besten! Die werden über die Luft beim Ein- und Ausatmen verteilt. So etwas wie die Spanische Grippe 2.0. Nicht absolut tödlich, aber tödlich genug, dass die Leute Angst bekommen. Schnell und schwer aufzuhalten.“
„Genug Angst, um sich zuerst testen und dann impfen zu lassen! Das bringt Umsatz.“
„Unser Katastropheninstitut lässt auf der Basis der Erfahrungen mit dieser Pandemie Pläne entwickeln, wie man neuer Pandemien Herr wird. Schutzkleidung und Masken bevorraten, Tests einlagern (und ständig austauschen), Beatmungsgeräte lokal lagern (und testen und ggf. austauschen), Fortbildungen, bis hin zu Totensäcken usw. – das ganze Programm! Wir werden gut vorbereitet sein!“
„Test und Impfstoff machen natürlich wir. Da geht es dann auch nicht mehr um läppische 60 Millionen Deutsche, die sich vielleicht testen und dann impfen lassen, nicht einmal um 400 Millionen test- und impfbereite EU-Bürger, die von der jetzigen Pandemie die Schnauze so voll haben, dass sie das ganze Programm mitmachen. Teuer! Sehr teuer! Die Wirtschaften auf Null runterzufahren ist jedenfalls teurer. Das haben sie in dieser Pandemie gelernt. Nein, dann gehört uns – endemiemäßig – die Welt.“
„Das Virus-Forschungs-Institut betreiben wir natürlich in Russland, Iran oder China – die Achse des Bösen, sie erinnern sich?“
Klar erinnerten wir uns, war ja noch nicht so lange her. Und der Grund war auch klar, sollte mal jemand darauf kommen, wo all die schönen Viren herkamen, dann war es jedenfalls nicht Deutschland. Und die anderen sollten erst einmal nachweisen, dass sie nichts von einem Hightech-Virenlabor auf ihrem Grund wussten. Unmöglich!
„Damit verdienen sie dann das richtige Geld!“, staunte ich.
„Was heißt da verdienen, wir schaufeln es dann…“ grinste Nummer eins. „Na, was sagen sie nun? Sind wir gut oder sind wir gut?“
„Ganz grob und nur überschlagsmäßig gerechnet macht das bei knapp 8 Milliarden Menschen und 3 Pandemien á 3 Impfungen in 5 Jahren und 8% Umsatzbeteiligung ca., also wirklich nur ganz grob – legen sie mich nicht auf 6 oder sieben Vorkommastellen fest –

51.192.785.334, 97 €

Dabei ist berücksichtigt, dass die Impfstoffe in der zweiten und dritten Welt viel billiger verkauft werden. Ich meine, das kann sich doch hören lassen, oder? Und keine Konkurrenz aus China oder Russland – bis die so weit sind mit eigenen Impfstoffen, haben wir schon das nächste Virus, gegen das die vorige Impfung garantiert nicht schützt. Das ist doch genial, oder? Und das sind ja nur die Impfungen, die Tests haben wir noch gar nicht berücksichtigt…!“
Ich musste einmal sehr tief durchatmen, dann konnte ich endlich sagen: „Und wo kann ich endlich unterschreiben?“
„Ihr Wort reicht uns!“
„Wann soll ich anfangen?“, wollte ich wissen.
„Wir haben eine short list vorbereitet“, sagte Nummer 1 und schob mir einen Zettel mit fünf Namen und Adressen über den Bildschirmtisch. Manchmal ist analog doch noch einfacher. Und es hinterlässt keine unlöschbaren digitalen Spuren. Sonst hätte er mir einen USB-Stick geben müssen… Ich überflog das Blatt: Wir würden ein paar Tage in unserer Münchner Wohnung verbringen können.

„Ach, die sind das“, sagte Mari.
„Ist nicht schade um sie“, sagte zu meinem Erstaunen Ernst.
„Wen bekomme ich?“, wollte Rudi wissen.

„Ja“, sagte ich, „kenne ich alle aus der Presse. Die Liste hat einen stark süddeutschen Einschlag… Wann?“
„Bald!“
„Wen soll man finden und wen nicht?“, fragte ich noch.
„Das entscheiden sie!“
„Wollen sie im Voraus wissen…?“
„Nein.“
„Gut“, sagte ich, „dann ist alles besprochen, fährt mich ihr Fahrer zurück?“
„Natürlich.“
Es gab es keine große Abschiedszene. Gut so. Sehr professionell. Ich nickte in die Runde, erhob mich und ging. Die anderen blieben einfach sitzen. Das ist wohl so in so einem Business-Mobil. Als ich die Tür öffnete lief schon wieder Meat Loaf in Stadionlautstärke.
Draußen stand der AUDI – ich war sicher, er besäße eine teure und leistungsfähige Musikanlage, war aber dankbar, dass mein Fahrer sie nicht anschaltete und schon gar nicht laut – und eine halbe Stunde später war ich wieder am DÖRPKRO.

Zuhause

Im DÖRPKRO war alles wie immer, normal. Sogar Elsa war aus der Küche zurück. Alle nickten mir zu. Keiner fragte, wo ich gewesen und was los gewesen war. Schleswig-Holstein!
„Tja“, sagte ich nur, „da bin ich wieder.“
„Tach“, sagte Elsa, „´n Bier?“. Ohne auf meine Antwort zu warten, nahm sie ein Glas, hielt es unter den Hahn und ließ das Bier einlaufen. Hübscher Anblick, beides. Elsa und das Bier.
„Der war schnell“, sagte Henning leise, als ich wieder neben ihm saß, „zu schnell! Tut mir leid.“
„Schon gut“, sagte ich ohne ihn anzusehen, „ich glaube, deshalb wirst du bald einen neuen Dienstwagen kriegen …“
Henning sah mich zweifelnd an. Wie sollte er mich auch verstehen. Sein ganzer Gesichtsausdruck sagte nur ein Wort: „Häh?“
Gut, dass Carsten schon nach Hause gegangen war. Sonst würde er technische Einzelheiten wissen wollen. Wahrscheinlich würde jetzt er in seinem Trecker sitzen und das Lenkrad streicheln.
„Doch“, sagte ich, „glaube ich schon, Henning, ich habe da so etwas läuten hören! Ach ja, und um deinen Job brauchst du dir auch keine Gedanken zu machen. Du wärest der beste Mann hier, habe ich mir sagen lassen.“
„Ist das so?“, fragte Henning und nahm einen Schluck aus seinem xten Glas. Ich hatte ein paar aufzuholen.
Später am Abend hatte ich mich wieder entspannt und sagte zu Henning: „Ich werde ein paar Tage nach München müssen… Hast du ein Auge auf mein Haus?“
Er nickte nur. Was sollte er auch mehr sagen. Er konnte ja auch nicht mitkommen. Er würde auf seinen neuen Streifenwagen warten müssen. Ich vermutete, dass Carsten begeistert sein würde.

München

Ich sollte hier in München mit dem Argumentieren beginnen, oder anders gesagt: Hier standen drei Jobs an. Business as usual. Für mich. Für die Opfer sieht das immer anders aus. Wenn wir zuschlagen, bedeutet es für die Ofer eigentlich immer das erste Mal, es ist also neu (und interessant?) für sie – und gleichzeitig das letzte Mal.
Das mit dem „interessant“ würde mich eigentlich interessieren, aber mit Toten kann man so schlecht über den Prozess des Sterbens sprechen. Interessanter Gedanke, oder?

Den Anwalt mit den leicht angehobenen Gebühren für den einen Vertragsentwurf würde Rudi übernehmen: Reine Messerarbeit! Niemand würde in Anwalts Haut stecken wollen.
Mari würde die eine Frau erledigen – am besten mit der erfolgreichen Masche, die wir schon mehrfach verwendet hatten: Das Opfer – Spitzenfrau einer alten Münchner Politprominenz-Familie – würde sich bei gutem Frühlingswetter mit lieben Gästen im Garten befinden, an ein paar Kanapees naschen und etwas Champagner schlürfen (sie hatte es ja).
Für die zweite Frau, das war die mit den unverschämten 50 Millionen Vermittlungsprovision, hatten wir uns etwas anderes ausgedacht.

Aber erst einmal die erste Frau. Wir würden die Gegend erkunden, um einen etwas entfernteren Platz zu finden, der höher lag als das Grundstück, auf dem die Party steigen würde. Wir würden dort einen unauffälligen alten Lieferwagen oder LKW mit einer Plane über der Ladefläche platzieren. In der Plane wäre ein Loch oder ein Schlitz, hinter dem Mari mit ihrem Sniper-Gewehr liegen und auf den richtigen Moment warten würde. Den Schuss würde niemand wahrnehmen oder – falls doch – nicht als Schuss interpretieren. Entfernung zwischen Mari und Zielobjekt (gehört da jetzt eigentlich ein Gender* hin, weil es sich doch um eine Frau handelte?) zwischen 500 und 1000 Meter. Die Entfernung war wichtig. Waren wir zu nahe dran, würden Zeugen uns eventuell mit dem Mord in Verbindung bringen. Ab 500 Meter tut das keiner mehr. Bei mehr als 1000 Meter wird die Zeitspanne zwischen Schuss und Einschlag so lang, dass sich der Kopf des Opfers eventuell aus der Schuss bahn bewegt.

Aber beides würde kommen, da waren wir sicher: Maris optimaler Moment und der Tod der Society-Dame!
Die skrupellose Frau war jetzt schon tot, sie wusste es nur noch nicht. Die vom Society-Partyservice KÄFER auch nicht, sonst würden sie für die Lieferungen und den Service beim anstehenden Gartenfest vermutlich die bestellten Mengen halbieren (wer hat schon Appetit nach einem Mord in unmittelbarer Nähe?) und außerdem auf Vorauskasse bestehen. Deren Problem.
Unsere Auftraggeber | Partner wollten hohe Aufmerksamkeit. Die sollten sie bekommen. Das war ganz einfach: Bei solchen Gelegenheiten war immer die Yellow Press anwesend – man wusste, was man sich schuldig war: Sehen und gesehen werden. Die Veranstalter einer solchen privaten Party setzten sich natürlich über alle in einer Pandemie geltenden Regeln hinweg. Die gelten fürs Fußvolk, das keine Beziehungen hat und warten muss, bis ein Fläschen Impfstoff für es abfällt. Die Popel würden ganz sicher AstraZeneca kriegen, die miese Brühe, die anwesenden Gäste würden ausschließlich BIONTEC oder MODERNA akzeptieren – das gute „Zeug“ für die Reichen und Schönen. Die hatten es verdient.

Welcher Bulle würde sich trauen, die Einhaltung der Regeln hier zu überprüfen. Hier war man unter sich: B-, C- und D-Promis! Verloschene und aufgehende Sternchen am TV-, Film- oder Netflix-Himmel… Und man war sich sicher, kein Virus würde sich trauen, sich hierher zu verirren.
Diesmal war als Highlight vorgesehen, dass der Doktor, der die Brüste der meisten anwesenden Damen verbessert, die Gesichter gestrafft und Hinterbacken aufgefüllt hatte, Impfungen mit den „guten“ Impfstoffen anbieten würde. Auf Wunsch auch erste und zweite Impfung auf einmal – Impfpasseintrag inklusive. Für ganz Ängstliche lagen ein paar Linien in den Badezimmern der Villa parat.

Als Gastgeberin solcher Events hielt die Dame immer eine kleine Rede, in der sie die Presse und besonders prominente Gäste begrüßte. Schon, damit sie selber bei der nächsten Party Erwähnung fand.
Das war der Moment, in dem Mari ihren Zeigefinger krümmen und die Kugel den Lauf verlassen würde. Keine ganze Sekunde später würden die Gäste dann zeigen können, wessen Magen am schnellsten auf eine unerwartete Situation reagieren konnte.
Zuerst würden Blut, Gehirn- und Knochengewebe aus dem Schädel des Opfers spritzen, um auf sich auf der eleganten Sommergarderobe der am nächsten stehenden Gäste als unangenehme Fleckenmuster zu drapieren. Dann würden sich Schreie aus entsetzten Kehlen lösen, bevor die einige gut gemachte Ohnmachten zu verzeichnen wären, und schließlich würde allgemeine Panik ausbrechen – und die würde das einzig Echte an diesem Nachmittag in diesem Garten sein.
Gläser würden am Boden zerschellen und bereits vertilgte Kanapees würden sich ihren Weg durch die Speiseröhre aufwärts erzwingen. Das war die Sache mit den reagierenden Mägen. Das war gar nicht zu verhindern. Allein die Mischung der verschiedenen Gerüche von Blut, Hirn- und Knochengewebe und Kotze!
Noch mehr Panik. Allgemeines Gerenne. Durcheinander! Einige Gäste würden stürzen und krabbelnd versuchen, den Schauplatz zu verlassen. Anwesende Kinder und Jugendliche würden ungerührt interessante Motive für ihre Handi-Kameras finden, die sie sofort über geeignete social media verteilen würden. Öffentlichkeit!
Anwesende Reporterinnen der Yellow Press würden aufgeregt die Redaktionen anrufen, um ganze Seitenfolgen in den anstehenden Ausgaben zu reservieren, und ggf. noch Jahre später fürstliche Urlaube von den Bildhonoraren finanzieren. Aufmerksamkeit? Jede Menge!
Irgendwer würde schließlich die Polizei rufen. Andere mit bereits kaputter Nasenscheidewand würden das für keine gute Idee halten und versuchen, vor deren Eintreffen zu verschwinden. Aber die Polizei würde Gästelisten finden, abarbeiten und weiße Pulver finden.
Nur um den klapprigen LKW, den Rudi langsam mit röchelndem Auspuff aus der Stadt fahren würde, um ihn in einer aufgelassenen Industriebrache mit Zündschlüssel im Schloss stehen zu lassen, würde sich niemand kümmern. Der LKW würde garantiert noch einen neuen Besitzer finden. Irgendwelche Spuren von uns? Fingerabdrücke? Haare? Zigarettenstummel? DNA? Atemluftrückstände? Patronenhülsen? Nada! Sie, wofür halten Sie uns…? Auch wir sehen fern und wissen, wie moderne Polizeitechnik funktioniert.
Denn wir Assassinen gehen natürlich mit der Zeit. Papieranzüge wie die Kriminaltechniker sie verwenden, hatten wir schon lange, und unsere Atemluft wurde durch arschteure Masken filtriert. Nein, keine verwertbaren Spuren… Selbst wenn die Polizei den LKW finden würde, eine alte Plane konnte einen Riss haben und ein Gewehr würde sie nie und nimmer finden. Das war lange entsorgt.

Dem korrupten Anwalt würden wir als Mari vor seiner Wohnung auflauern. Mari kann uns richtig schick und sehr weiblich aussehen lassen. Schlank, mittelgroß, super Haare, guter Busen, toll geschminkt, Sommerkleidchen und Pumps. Keine Frage, der würde auf uns reinfallen.
Wir würden ihm KO-Tropfen spritzen und später im Auto auf einem Autobahn-Parkplatz, der für nächtliche libertäre Sextreffen bekannt war, aufwachen lassen. Ganz hinten zwischen den Büschen würde Rudi ihn zwischen diversen gefüllten oder mindestens benutzten Präservativen Bekanntschaft mit einem seiner Messer machen und dann dort elendiglich krepieren lassen. Es würde nach einem Streit eines alternden Schwulen im falschen Milieu aussehen. Zwei der auch von den dümmsten Tatort-Fritzen nicht zu übersehenden DNA-Spuren würden nach Russland in das Umfeld des Herrn Navalny weisen. Fragen Sie mich jetzt nicht, wo meine Auftraggeber das Zeug her hatten. Sie hatten es. Das reichte mir, und das muss Ihnen reichen. Den Ermittlern und der Presse würde das Stoff für alle möglichen Spekulationen geben. Wir waren jetzt schon gespannt.

Wir waren nach den ersten beiden Jobs noch keine vier Wochen in München, als sich unser alter Freund Walter meldete. Keine Ahnung, wo er unsere aktuelle Telefonnummer her hatte. Aber Walter konnte so etwas, und er hatte Beziehungen…
„Grüß Gott, Jens, zweimal“, begann er das Telefonat, „das warst du doch, oder?“
Mehr sagte er nicht. Am Telefon war er immer sehr vorsichtig. Keine Ahnung, wo er diese Vorsicht her hatte. Wir kannten uns ganz gut, hielten aber nur losen Kontakt. Und selten übers Telefon. Er bezog sich offenbar auf die Berichte in den hiesigen Tageszeitungen (und nicht nur dort, die Sache mit der Gartenparty war „viral“ gegangen).
„Wir müssen uns dringend mal treffen“, bat er mich, „es gibt ein paar Dinge, die ich lieber persönlich besprechen würde.“ Typisch Walter, kam gleich zur Sache.
Wir trafen uns konspirativ im Tigerhaus im Zoo. Dort stinkt es so erbärmlich nach Katzenpisse, dass sich bei gutem Wetter niemand darin aufhält, der halbwegs bei Verstand ist. Die Großkatzen auch nicht. Die kamen nur zum Pissen rein, vielleicht um die Wärter zu ärgern, weil die ihnen nur alle paar Tage etwas zu fressen gaben.
Walter erzählte: Er leite inzwischen eine Biotec-Firma, die vor kurzem einen unglaublich empfindlichen und aussagefähigen Antikörper-Test auf Corona entwickelt hatte – gegen den alles, was sich im Markt als Corona-spezifischer Antigen-Test bezeichnete, hinsichtlich Sensibilität und Sensitivität abschmierte – um es vereinfacht zu sagen: …aber sowas von abschmierte. Das verstand sogar ich. Korrekte Aussage des Walter´schen Antikörper-Tests 99% zu 66% (in etwa) der anderen Tests auf Antigen-Basis.
Die Ergebnisse (kleiner) klinischer Studien seien überzeugend. Aber niemand in Deutschland wollte Walter´s Test kaufen. Es war zum Mäusemelken. Nicht etwa weil er teuer war. Er war teuer, aber er war auch unglaublich verlässlich.“
Das Ganze kam mir doch sehr bekannt vor. Das hatten mir doch meine neuen Partner erzählt. Ich sagte Walter nichts davon.
„Nein“, fuhr er fort, „es war ganz einfach: Die richtigen Professoren in den wichtigen Kliniken und Organisationen waren von uns nicht (ausreichend) geschmiert worden – zum Beispiel in Form gut bezahlter Klinischer Studien. Weißt du“, sagte er, „die mussten nicht einmal etwas GEGEN unseren Test sagen, es reichte, dass sie sich NICHT FÜR den Test äußerten!“
Man weiß in diesen Forscherzirkel-Netzwerken ganz genau, wie man eine Nicht-Aussage von A, B oder C wie zu bewerten hatte! Das war nirgendwo festgeschrieben – das war einfach so! Ungeschriebenes Gesetz nennt man DAS wohl…
Die Notwendigkeit Studien bei den „richtigen“ Professoren war Walter zwar von einem gesagt worden, auf dessen Meinung Walter ansich viel gab, diesmal aber nicht. Das war ein Fehler gewesen, gab Walter inzwischen zu, er hatte es einfach nicht glauben wollen…
Er hatte einfach nicht begriffen, was der Wunsch von Frau Professor nach einem privaten Schwimmbad mit den wissenschaftlichen Aussagen des Herrn Professor zu tun hatte? Viel, wenn nicht alles. Aber dazu musste man das Geschäft kennen. Herr Professor konnte das Schwimmbad natürlich nicht aus seinem „normalen“ Einkommen an der Klinik finanzieren – dazu musste er im Auftrag diverse Pharmafirmen hoch bezahlte Studien durchführen (lassen) oder zumindest Studienergebnisse produzieren und veröffentlichen. Mit diesem Geld konnte Frau Professor hinsichtlich des Schwimmbadwunsches befriedigt werden. Weil SIE eben fand, dass ihr ein Schwimmbad mit Sauna und Masseur zustände, wenn ER mit der jungen Assistentin zum Kongress fuhr. Interessenausgleich nennt man DAS.
Walter erzählte dann weiter, dass die Bayerische Landesregierung auf mittlerer Ebene zwar zeitweise Interesse an dem neuen Test geheuchelt hätte, dieses aber sehr bald auf Druck von oben gemeuchelt wurde. Erklärung: Man habe einen vollumfänglichen Vertrag mit einem der Schweizer Pharmakonzerne, der verbiete, konkurrierende Tests einzusetzen. Oha!
„Woher wissen unsere Sieben das alles?“, fragte Mari, „die sind echt gut unterrichtet.
„Haben die nicht gesagt, dass ein oder zwei Leute ganz weit oben in München platziert haben?“, warf Ernst ein. „Wenn die schon Henning Pogwisch kennen, dann wissen die wirklich viel!“
Wir waren uns einig: Das Ganze konnte man als Schweinerei bezeichnen, wenn man normale Moralvorstellungen hatte und das Geschäft nicht intim kannte. Nicht so naive Insider würden dagegen nicht einmal die Stirn runzeln, nur mit den Schultern zucken und Walter´s Geschichte ganz einfach als Business as usual bezeichnen. Aber nun wurde es interessant. Denn kurz nach der Absage der Staatsregierung hatte sich die Agentur eines Professors gemeldet, der sehr bedauerte, dass es nicht zum Vertragsabschluss gekommen sei, da wäre von Walter´s Firmenseite her in den beteiligten Ministerien wohl einiges schief gelaufen…? Offenbar habe Walter´s Firma die üblichen Schritte, Wege und Kanäle nicht gekannt und/oder eingehalten. Vor allem aber nicht in sie eingezahlt.
Aber für 25.000 € „ohne Rechnung bar auf die Kralle“ und eine zeitlich nicht limitierte, sich aber im Rahmen des Üblichen bewegende Beteiligung von 3% an ALLEN potenziellen Folgenaufträgen der Landesregierung, könne die Agentur das „Versehen“ noch heilen. Wobei die 3% auch fällig würden, wenn es Walter irgendwie gelingen sollte, der Bayerischen Landesregierung ein Flugzeug zu verkaufen….
„Was sagst du jetzt?“, wollte Walter wissen.

„Nix“, dachte Rudi, „da bin ich baff!“. Mari gab ihm ausnahmsweise Recht. Was sollte man auch schon sagen. Wir alle waren sprachlos.
„Bananenrepublik“, sagdachte Ernst, „was sonst. Oder Bakschisch-Republik. Nee, eher Banane… Nur besser organisiert als auf einer Bananenplantage.
„Aber auf Bananen kann man ganz gemein ausrutschen, oder?“. Das war wieder Mari.
„Ja“, lächeldachte ich, „man kann ausrutschen, andererseits, wo Bananen wachsen, gibt es auch sehr giftige Spinnen…, extrem giftige sogar. Da muss man schon sehr aufpassen, dass man nicht gebissen wird!“

Ich muss Walter dabei in Vertretung für die anderen drei sehr dumm oder unverständig angesehen haben. Denn diesen Teil der Geschichte kannte ich ja auch noch nicht.
„Ja“, sagte Walter, „so habe ich auch geschaut, als der Brief kam!“. Walter langte in eine Innentasche seiner Jacke und holte ein Blatt Papier heraus heraus, das er mir reichte und das sich als das Schreiben herausstellte.
Ich nahm die neun Seiten und wir lasen sie sorgfältig.
Das Schreiben war auf Ende Januar 2021 datiert, und es beinhaltete ein Angebot zur „Reputationskommunikation und Vertriebsunterstützung“.
Ein Absatz lautete: „Allerdings nützt auch der beste Test nichts, wenn ihn keiner kennt. Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Entscheider der Bayerischen Staatsregierung für den Test zu begeistern. Wir öffnen die Türen zu den relevanten Politikern und Ministerien. Wir präsentieren die Chancen … dem politischen Umfeld. Wir vertreten Ihr Unternehmen bei den wichtigsten politischen Mandatsträgern“
Wenige Zentimeter weiter unten im Brief heißt es: „Voraussehend treten wir kritischen Fragen entgegen. Je nach Gesprächspartner knüpfen wir an die relevanten politischen Ambitionen und Ziele.“
Wenig später heißt es in dem Angebot: „Wir stellen den Kontakt für die Verkaufsgespräche her und betreuen die Kommunikation. Wir wirken nachhaltig auf den Abschluss von Bestellungen hin.
Sie kennen unseren Zugang zu den Entscheidern der Bayerischen Staatsregierung.“
Außerdem liest man in dem Brief noch den Satz: „Das Risiko der rechtlichen Zuverlässigkeit der Kommunikationsmaßnahmen wird von Ihnen getragen. Das gilt insbesondere für den Fall, dass die Maßnahmen gegen Vorschriften des Wettbewerbsrechts und Verordnungen und Gesetze verstoßen.“
Der Text war begeisternd gut geschrieben. Ein kleines Kunstwerk dessen, was man meinte aber nicht sagte.
„Wahnsinn“, bewunderdachte Ernst, „ganz ehrlich: Erstklassiger Stil, Schweinkram-Angebot bewundernswert unangreifbar formuliert, ein kleines Meisterwerk der Sauereien auf neun Seiten, sensationell!“

„Nun überschlag dich man nicht gleich vor Begeisterung“, antwortdachte Mari, „aber wenn frau das so liest – auf den ersten Blick erscheint der Text absolut unangreifbar…“
„Ist es aber“, fanddachte Rudi, „das bezieht sich doch eindeutig auf Bestechung, oder? Schon, dass die immer von Politikern und so reden…“
„Profis“, Ernst war mit dem Bewunderdenken noch nicht durch, „das liest sich wie Literatur, ist aber Pornografie!“
„Wie?“, war Rudi überrascht, „hab´ ich die guten Stellen verpasst?“
„Mein Gott, Rudi“, seufzdachte Mari, „das hat er doch nur so gesagt.“

„Das ist absolut unangreifbar“, sagte ich und reichte Walter die Blätter zurück, „da ist doch gar nichts dagegen zu sagen…!“
„Ja“, antwortete Walter, „du warst ja auch nicht bei den Vorgesprächen dabei. Es geht einzig und allein um Bestechung, nichts anderes!“

„Siehste, sag ich doch – Bestechung!“. Das war Rudi. Triumphierend.

„Aus dem Text geht das nicht hervor, nur wenn du das sagst, dann denkt man an Bestechung. Naja, Wir öffnen die Türen…, wir knüpfen an die relevanten politischen Ambitionen…, wirken nachhaltig auf Bestellungen…, Sie kennen unseren Zugang zu den Entscheidern… Das hört sich dann schon heiß an, das stimmt schon.“
Der Mann hatte sein Bestechungsangebot doch tatsächlich auf seinem offiziellen Briefpapier an Walter´s Firma geschickt!
„Ja“, nickte Walter, „und wenn sie ertappt werden, liegt das rechtliche Risiko bei uns! Klasse, oder?“
„Ist das nun dreist oder dumm?“, wollte Ernst wissen.
„Für dich und mich und normale Menschen ist es beides, unverschämt und dreist, dummdreist sagt man wohl. Aber offenbar ist das in seinen Kreisen so üblich“, erwiderte Mari, „und zwar so sehr so üblich, dass der sich nichts dabei denkt, so ein Angebot schriftlich zu machen. Diese Typen scheinen keinerlei Unrechtsbewusstsein mehr zu haben.“
„Und?“, wollte ich wissen, „habt ihr gezahlt?“
„Nein, natürlich nicht!“
„Habt ihr den Auftrag bekommen?“
„Nein, natürlich nicht!“
„Und dann?“
„Haben wir die Presse informiert.“
„Ich habe nichts gelesen…“
„Die großen Qualitätszeitungen und Journale quer durch Deutschland bis hin zu den abendlichen Gesprächsrunden im TV waren alle nicht interessiert… Keine einzige.“
„Nee, nicht? Das gibt es doch nicht. Die bezahlen doch extra Recherche-Redaktionen für so etwas!“
„Offenbar nicht für uns…“
„Und jetzt?“
„Ich bin sauer, sehr sauer! Kannst du was für mich machen?“
„Zum Beispiel?“
„Ihn weghauen?“
Ich schaute ihn nur fragend an.
„Komm, Jens“, sagte er, „ich weiß doch, womit du dein Geld verdienst… Nun mach´ hier nicht auf den Doofen!“
Offenbar wusste inzwischen fast jeder von unserer Profession. Das musste sich irgendwie rasend herumgesprochen haben. Wieso eigentlich? Wir hatten doch nie Reputationsmanagement betreiben lassen. Und wenn das so war, dass Walter das schon wusste, dann mussten wir davon ausgehen, dass andere das auch wussten. Das wiederum bedeutete, dass der Schirm, den die 7 über uns aufgesperrt hatten, verdammt gut funktionierte.
„Hier ist der Brief mit Name und Adresse, mach´ was draus“, sagte W. und reichte mir das Blatt. „von mir aus verfüttere den Burschen an die stinkenden Tiger da draußen. Mensch, lass uns bloß hier rausgehen, hier stinkt es so nach Katzenpisse, das kann man ja nicht aushalten.
„Tiger stinken nicht“, sagte ich, „das sind sehr reinliche Tiere!“
„Und was war das eben da drinnen?“, wollte er wissen, „Biergeruch? Scheißegal. Machst du es?“
„Ist das ein Auftrag“, wollten wir wissen.
„Klar“, brummte Walter, „was denn sonst?“
„Das mach´ ich“, meldete sich Rudi sofort. Na gut, sollte er.
„Mein Honorar?“
„Aktien!“
„Aktien? Was sind die wert?“
„Im Moment wenig… Könnte aber mal viel werden!“
„Und zwar wann?“
„Falls jemand unser Zeug kauft.“
Rudi machte ein paar Tage später sein übliches Messerding, als er den professoralen Briefschreiber im Morgengrauen an der Isar beim Joggen erwischte. Das ging immerhin leise vonstatten. Wir brachten die Leiche zu einem Bekannten aus „alten Münchner Tagen“, der hinter Deggendorf – links ab von der Ruselbergstraße – eine kaum bekannte und nicht einsehbare kleine Landmetzgerei betrieb, die vor allem Spezialitäten aus Wildschwein, Reh, Pferd, Esel und diversem Geflügel aus einem benachbarten Tiergnadenhof anbot. Wichtig war für uns der nicht einsehbare Hof, in dem wir unsere „Spezialität“ ausluden.
Der Metzger machte gegen ein verdammt hohes Honorar – er hatte die Preise in letzter Zeit offenbar signifikant erhöht, aber stehen Sie mal nachts mit einer Leiche im Kofferraum, die unbedingt weg muss, in seinem Hof… Da ist Ihr Verhandlungsspielraum eng! – aus der Leiche in einer Nachtschicht Katzenfutter (und eine Knochenmehlmischung als Biodünger), das er in sehr große Dosen abfüllte, die er in den nächsten Tagen dem Münchner Zoo spendete. Der nahm die großzügige Spende gerne an, den Tigern soll´s gut wie selten gemundet haben, und Walter war´s zufrieden.

Der Metzger betrieb sehr weit hinten im Wald noch eine wenig bekannte Fischzucht, aber auf die kommen wir im Rahmen unserer Aufträge später vielleicht noch zu sprechen. Nur so viel: Forellen und Aale sind Allesfresser. Und wenn ich „alles“ sage, meine ich auch alles, Hauptsache Proteine!
Dem „Prof“ weinten offenbar wenige eine Träne nach. Die Witwe offenbar gar keine, denn nur im lokalen Werbeblatt erschienen die kleinste Todesanzeige, die gegen Geld zu haben war, und ein kurzer redaktioneller Nachruf auf einen „Wissenschaftler mit untadeligem Ruf“ (na, hallo!) – das war alles. In der Regionalpresse erschien nichts – so viel zu seiner Bedeutung!
Damit war dieser Minijob erst einmal erledigt. Nun durften wir auf die Aktienkurse hoffen und konnten uns auf die Dame mit den zig Millionen konzentrieren.
Die Dame, die jetzt noch dran war, würden wir anders angehen. Nicht schnöde nur töten. Dazu war sie zu reich: 50 Millionen Courtage für einen Maskendeal! Das war einfach zu viel, hatten Nummer 1, 2 und 3 gefunden. Wie die Nummern 4, 5, 6 und 7 darüber dachten wusste ich nicht. Ich wusste ja nicht einmal, ob es sie tatsächlich gab. Aber ich glaubte es.
Wer sich so viel mit dem Tod anderer Leute beschäftigt wie wir, weiß, dass der Tod vor allem in größeren Familien, die nach außen hin sehr auf „sauber“ machen, nicht immer das schlimmste Schicksal ist. Da gibt es ohne weiteres Schlimmeres! Leben in der Familie, zum Beispiel. Oder Leben mit der Familie.
Unsere Ziel-Dame hatte zum Beispiel einen von ihr heiß geliebten Sohn, der mit einer Lebensgefährtin eine kleine Tochter hatte. Die Kindsmutter wäre gerne die Gemahlin des Kindsvaters gewesen. Der Vater war aber beziehungstechnisch „interessant“ und geschlechtlich „divers“ aufgestellt. Er war immer überall und allseits offen, er kannte keine Grenzen, sexuell schon einmal gar nicht… Manchmal denke ich mir tatsächlich, dass die Natur bei der Erfindung mancher Hormone und ihrer Wirkungen nicht ihren besten Tag gehabt hatte!
Mit anderen Worten, er war alles andere als treu, er konnte gar nicht treu sein. Frau oder Mann? Egal, aber so etwas von egal! Die Beziehung zur Mutter seiner Tochter war dementsprechend kompliziert. Das war nicht schwer zu erraten, dazu musste man nur die Yellow Press lesen. Diese niedliche Kleine im Alter von 5 Jahren würde unser Hebel sein, denn sie war Omis Augenstern. Die Wirkung von Kleinkindern auf Eltern, Großeltern und etc. ist eines der anderen Beziehungsdinge, bei denen die Natur irgendwie noch daran arbeiten müsste. Naja, gut für uns, dass sie noch nicht fertig geworden ist, hat ja auch noch Zeit!
Das Beziehungsgeflecht der Generationen ließ sich in etwa folgendermaßen skizzieren:

• Junge Mutter zu Vater der Tochter: Kompliziert bis sehr kompliziert
• Vater der Tochter zur alten Mutter: Extrem kompliziert
• Mutter der Tochter zu Mutter des Vaters der Tochter: Wie so häufig unbeschreiblich kompliziert. Die beiden Frau mochten sich gar nicht
• Die alte Dame zur Enkelin: Gelebte Affenliebe!

Der Kitt der Familie war – Geld! Und zwar das Geld der alten Dame, die verdiente ja gut an ihrer Vermittlungstätigkeit, sic! Am besten würde ihr Geld in Form einer Erbschaft übertragen! Jeder wusste das, auch die Alte, aber keine|r sprach es aus. Wie auch? Kompliziertes Thema! Im Moment war das Beziehungsgeflecht halbwegs austariert… Aber das ließe sich ändern, dachten wir. Leicht.

Unser Plan: Wir würden die Kleine fast entführen. Fast bedeutete nicht richtig entführen, nur die Möglichkeit andeuten, dass wir könnten… Das würde die Mutter der Kleinen aufrütteln, den Vater der Kleinen so zu bedrängen, dass die alte Mutter ans Eingemachte gehen würde, um die läppischen 50 Millionen als Lösegeld an die Stiftung zu spenden, damit die süße Kleine aus unserer Schusslinie wäre. Naja, Schusslinie ist jetzt irgendwie der falsche Ausdruck…

Danach würden wir uns dann vielleicht noch endlagermäßig um die Großmutter kümmern, mal sehen. Das hing davon ab, ob und wie sie reagierte.
Aus diversen Berichten in Journalen mit vielen bunten Bildern des Hochadels konnten wir ableiten, in welche arschteure Grünwalder Kita die Kleine ging. In einem nahen Park wollten wir bei dem täglichen Kinderausflug zu einen nahegelegenen Spielplatz ein Selfie eines alten Mannes mit der Kleinen (mit Eistüte) an der Hand machen. Nachdem wir die Kita identifiziert hatten, war das nicht mehr schwer, weil wir uns von unserer dankbaren Nachbarin ein in etwa gleichaltes Kind ausgeliehen hatten, mit dem wir einige Tage lang auf dem Spielplatz aufgetaucht waren. Deren Mama war froh, dass sie endlich mal ausreichend Zeit für sich und ihren Neuen hatte, damit ein neuer Braten in den Ofen käme.
Die Kita-Betreuerinnen kannten unseren Körper also nach vier oder fünf Tagen als Opa mit Enkelin und schrien daher nicht gleich Zeter und Mordio, wenn wir an der Sandkiste saßen, um auf UNSERE Kleine aufzupassen – im Endeffekt aber, um unauffällig das Foto mit DER Kleinen zu schießen. Den Rest kennen Sie aus jedem zweiten Tatort:

  1. Junger Mutter das Foto schicken
  2. Die Kindsmutter anonym anrufen, um ihr zu sagen, wir wissen IMMER, wo dein Kind ist. Den Rest denk´ dir…
  3. Denk dran, du hast keine Chance, dein Kind IMMER vor uns zu schützen
  4. Wir kriegen dein Kind doch, wenn wir wollen
  5. Stell dir selbst vor, was wir mit ihr anstellen KÖNNTEN
  6. Damit ist der Kern für Angst gesetzt. Der Kern wächst und wächst. Schließlich ist die Angst groß. Große Angst ist ein guter Motivator.
  7. Warten. Die Angst wachsen lassen.
  8. Endlich. Die Forderung stellen: Schwiegermutter hat das Geld. Sie soll es hergeben. Mache Druck auf den Vater deiner Tochter
  9. Genaue Anweisungen für die Geldübergabe.

Das macht man heute nicht mehr so, dass jemand am… um… in einen bestimmten Zug einsteigen soll, um das Paket mit dem Geld exakt um… aus dem Fenster zu werfen (wenn die Dampflokomotive keuchend einen Berg hinaufschleicht und außerdem gerade laut pfeift) – unter anderem weil Sie in den modernen Zügen heute weder eine Dampflokomotive keuchen und pfeifen lassen, noch die Scheiß-Fenster aufmachen können. Arme Filmregisseure von heute! Folglich löst man das Problem ganz unromantisch durch Bitcoin im Darknet.
Der Enkelin haben wir nie etwas getan. Wollten wir auch nicht. Außerdem hätte Mari etwas dagegen gehabt.
Wie die Gespräche in der Familie abliefen, wissen wir nicht. Es wäre interessant gewesen, sie zu verfolgen. Wahrscheinlich waren sie sehr persönlich, engagiert und emotional. Direkt. Verzweifelt. Laut. Zielführend. Also genau so, wie wir es bezweckt hatten.
Egal, denn die Bitcoins wurden überwiesen!
Dem Sohn haben wir dann noch kostenlos den großen Gefallen getan, dass er das Erbe antreten konnte. Endlich, dachte er. Dankbar war er uns nicht. Wie auch? Er wusste ja nichts von uns.

Abspann

Wir sitzen so gegen 17.00 Uhr in Elsa´s DÖRPKRO vor unseren ersten Bieren. Eigentlich dürften wir hier ja nicht sitzen – immer noch Pandemie! Aber unser Dorf ist immer noch so klein, und um diese Jahreszeit verirrt sich immer noch kein Fremder zu uns, und mit Henning ist die Polizei eh schon da.
Es ist ruhig im Dorf. Immer. Oder meistens. Außer Hauke hat einen jungen neuen Hahn. Im Moment ist es nicht ruhig, nein, aber nicht, weil der Hahn gerade kräht. Tut er nämlich nicht. Tut er nie mehr, weil er gerade in Haukes Ofen bräunt. Im Moment herrscht ein fürchterlicher Lärm, als ob ein Hubschrauber direkt über dem DÖRPKRO kreisen würde. Aber wo soll hier ein Hubschrauber herkommen? Vielleicht sollte mal einer rausgehen und nachsehen? Aber wer?
Endlich geht die Tür auf und Carsten erscheint.
„Moin“, sagt er und schon wieder erwies er sich als Schnackfatt, denn er redete weiter: „sag mal, Henning, ist das da draußen dein neuer Dienstwagen? Das ist ja der totale Wahnsinn… Allein das Blaulicht, man o man.“
Er muss wegen des Lärms schreien, dass wir ihn verstehen können.
Henning nickt nur über seinem Bier. „Jo, ist heute geliefert worden. Geile Kiste! Komm rein, Carsten und mach die Tür zu, man versteht ja sein eigenes Wort nicht…“
Was sagst du“, schreit Carsten, „ist so laut hier. Ich versteh kein Wort.“
„Ich sagte“, flüstert Henning, „ich gebe einen auf die Karre aus…“
Husch – ist Carsten da. Wegen dem Bier.
„Warum sagst du das denn nicht gleich, Henning. Sagt mal, habt ihr den Hubschrauber da draußen vor der Tür gesehen?“, fragt er als nächstes, „Echt geiles Gerät. Direkt vor der Tür. Noch geiler als dein Streifenwagen, Henning, echt… Jens, der Typ, der dich neulich mit dem AUDI abgeholt hat, ich glaube, der ist es, steht da mit einer verdammt geilen Sonnenbrille auf der Nase vor dem Gerät, macht einen auf Tom Cruse, und Tom Cruse hat gesagt, dass du mal eben rauskommen sollst, Jens! Ach ja, bitte hat er noch gesagt. Und was ist nun mit dem Bier, Henning?“
„Na gut“, sagte ich, „na, denn mal tschüß!“
Ich schaute diesmal nicht aus dem Fenster.
„Hallo“, sagte der Typ, der tatsächlich wie Tom Cruse aussieht, mit der geilen Sonnenbrille vor dem geilen Hubschrauber, „ich soll sie abholen. Dauert nicht lange. Halbe Stunde hin, halbe Stunde zurück und der Rest hängt von ihnen ab.“
Nein, wir flogen nicht in den Sonnenuntergang, der findet nämlich so gut wie immer im Westen statt. Wir ritten, Entschuldigung, flogen gen Osten. Ziemlich genau eine halbe Stunde oder doch ein bisschen mehr. Die ganze Zeit lief in elender Lautstärke „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß. Ganz schön romantisch. Oder schon kitschig? Es fehlte bloß noch die sich drehende Raumstation und der schwerelos durch den Raum schwebende Füllfederhalter. Kitschig. Bier gäbe es aus der Dose, sagte Tom Cruse. Jedenfalls auf das musste ich nicht verzichten.
Dann leitete der Typ, der die Sonnenbrille bis dahin nicht abgenommen hatte, die Landung neben dem Business-Mobil, das ich schon kannte ein. Das ersetzte wohl den schwarzen Monolithen.

„Gratulation“, sagte Nummer 1, „das war gute Arbeit! Genauso, wie wir uns das vorgestellt haben. Bevor ich das vergesse, hier ist ihre Kreditkarte.“
Nummer 2 schaltete den Bildschirmtisch ein. „Wir haben unser Organigramm überarbeitet“, lächelte er uns an.
„Schauen sie mal hier“, übernahm Nummer 3, und zeigte auf den oberen Teil. Der sah jetzt so aus:

 

Präsentation plus 1 SW

 

„Nee“, lächelte Mari, „richtig wäre doch wohl so und das folgende Bild erschien in unserem Gehirn:

 

Präsentation10 Kopie

„Übrigens“, sagte Nummer 1, „wir haben unsere short list überarbeitet.“

Damit reichte er mir einen neuen Zettel. Lauter neue Namen. Nicht wenige.

Oha“, dachte ich mir nach einem kurzen Blick auf die Liste, „von wegen „short“. Die müssen ein anderes Verständnis von „kurz“ haben – jetzt gehen sie aber aufs Ganze…“.
„Junge, Junge!“. Das war Mari. Sie staunte.
„Wow! Da werden sich ein paar Nachrücker aber freuen. Herausfordernd“, bemerkte Ernst, „gut, dass das BKA auf unserer Seite ist.
„Na, denn man los“, freute sich Rudi.

Anmerken ließen wir uns nichts. Business as usual.

Anhang 

Doktortitel wurden übrigens (mindestens) folgenden deutschen Politikern aberkannt :

CDU: Frank Steffel
CDU: Annette Schavan
CSU: Andreas Scheuer [sein Titel“chen“ gilt nur in Bayern und Berlin]
CSU: Karl-Theodor zu Guttenberg
CSU: Jakob Kreidl
FDP: Margarita Mathiopoulos
FDP: Georgios Chatzimarkakis
FDP: Djir-Sarai
FDP: Silvana Koch-Mehrin
SPD: Uwe Brinkmann

[SPD: Franziska Giffey – noch fraglich]  

 

Über Jules Verne Über Klaus Bock

* 8. Februar 1828 in Nantes

† 24. März 1905 in AmiensUnter anderem schrieb er:Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. 1873

Von der Erde zum Mond. 1873

Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer. 1874

Reise um die Erde in 80 Tagen. 1873

Der Kurier des Zaren. 1876

Das Karpatenschloss. 1893Und viele mehr

* 3. Juli 1949 in Kiel

† muss er nochUnter anderem schrieb er:Der Dessousschneider. 2015

Morituri. Wie die Fliegen. 2016

Aus dem Ruder gelaufen. 2016

Wir im Kopf. 2017

Pharmageddon. 2018

Pipeline. 2021Und siehe www.vebquerstrom.de

Anhänge herunterladen

Gelesen 750 mal
Template Design © Joomla Templates | GavickPro. All rights reserved.